Wie wenige andere Stars verstehen es Angelina Jolie und Brad Pitt, sich als perfektes Paar mit Patchworkfamilie zu inszenieren. Nun erscheinen gleich drei Enthüllungsbücher über das Leben des Paares.
Ob sie deswegen schlecht schlafen? Wohl kaum. Ob sie ihre Anwälte in Stellung gebracht haben? Schon eher. Angelina Jolie und Brad Pitt, dem schönen, ja fast einzigen verbliebenen Glamourpaar Hollywoods mit seiner hübschen (und hübsch inszenierten) Patchworkfamilie, passiert eben, womit schon vielen Stars vor ihnen passiert ist: Jemand schreibt, ohne ihr Einverständnis natürlich, ein sogenanntes „tell-all-book“ über sie – ein Enthüllungsbuch.
An sich nichts Ungewöhnliches. Als Star kann man dazu schlicht schweigen, dagegen klagen oder zur medialen Gegenoffensive ausholen. (Gerade Letzteres ist Pitt und Jolie nicht eben fremd.) Was die Sache für Pitt-Jolie ein bisschen heikler macht: Ihnen drohen gleich dreiunautorisierte Bücher über ihre Beziehung. Und in allen drei Fällen lassen die Namen der Autoren nichts Gutes erahnen. Den Anfang macht der Kanadier Ian Halperin, dessen Skandalbio „Brangelina. The Untold Story of Brad Pitt and Angelina Jolie“ am kommenden Dienstag in den USA erscheint. Halperin hat sich heuer einen Namen gemacht, weil er Anfang 2009 verkündete, dass Michael Jackson schwer krank sei und nur noch sechs Monate zu leben habe. Als Jackson tatsächlich im Juni starb, hatte Halperin seinen vorprogrammierten Bestseller „Unmasked. The Final Years of Michael Jackson“ schon fast fertig. Das Buch lag kurz nach dem Tod des Popstars in den Buchhandlungen auf.
Nun hat sich Halperin mit Jolie und Pitt neue Protagonisten für einen weiteren potenziellen Bestseller ausgesucht. Und damit den Wettlauf gegen den britischen Journalisten Andrew Morton gewonnen, der vor einiger Zeit ein Buch über Hollywoods schönstes Paar angekündigt hat. Morton war schon einmal weltweit erfolgreich, als er 1992 in „Diana: Her Story in Her Own Words“ hinter die Fassade der zerrütteten Ehe von Lady Diana und Prinz Charles blickte und etwa Dianas Bulimie publik machte.
Gibst du mir, geb ich dir. Beide, Halperin und Morton, haben weder mit Pitt und Jolie selbst geredet noch deren Einverständnis bekommen. Das hat auch der dritte potenzielle Autor nicht, der aber am ehesten Einblick in das Leben des Paares haben dürfte: Mickey Brett war eine Zeit lang Jolies Leibwächter. Wann sein Buch erscheinen wird, ist allerdings nicht ganz klar. Ob nun zwei oder drei Skandalbücher: Das Schauspielerpaar verliert dadurch, was es sonst im vergleichsweise großen Ausmaß hat: Kontrolle über Medienberichte. Vor allem Angelina Jolie sei „beängstigend geschickt“ im Umgang mit Medien, meinte Bonnie Fuller einmal, Ex-Journalistin bei „US Weekly“ und „Star“. Nach dem Prinzip „Gibst du mir, geb ich dir“ soll sich Jolie bei relevanten Blättern die gewünschte Berichterstattung sichern. 2008 etwa, als es um die Veröffentlichung der ersten Bilder ihrer Zwillinge Vivienne Marcheline und Knox Leon ging, bekam „People“ den Zuschlag. Die Zeitschrift zahlte nicht nur 14 Millionen Dollar (mehr, als je zuvor für Babyfotos bezahlt wurde), Jolie und Pitt soll dafür auch entsprechend gefällige Berichterstattung zugesichert worden sein, erzählten Verhandler. Und zwar nicht nur für die Babygeschichte, sondern auch für die Zukunft. Ebenso wie die Garantie, dass der von ihnen verhasste Spitzname „Brangelina“ nicht verwendet werde. („People“ hat das freilich dementiert). Es soll vor allem die 34-jährige Jolie sein, die die PR-Geschicke ihrer Familie lenkt. Wenn Paparazzi scheinbar unbemerkt Fotos von der liebevollen Mutter Jolie mit ihren Kindern auf dem Spielplatz schießen, wurden ebendiese Paparazzi nicht selten von Jolie herself dorthin bestellt. Bedingung: Im Artikel zu den Fotos müssen auch die Charityprojekte des Paares positiv erwähnt werden.
Natürlich gelingen diese Mediendeals nicht immer so ganz. Alle paar Wochen tauchen die immer gleichen Gerüchte auf: Zwischen Jolie und Pitt (45) laufe es schlecht. Das Paar sei nur noch zwecks der imagefördenden Inszenierung als Vorzeigefamilie (oder, ohne Kinder, als schönes „happy couple“) zusammen. Pitt wolle eigentlich zu seiner Ex Jennifer Aniston zurück. Und es gebe Streit wegen Jolies ambitionierten Adoptionsplänen. (Den Antrag auf Adoption eines syrischen Mädchens hat sie kürzlich angeblich alleine gestellt).
Genau darum, um das Privatleben hinter der öffentlichen Inszenierung, wird es auch in den Skandalbüchern gehen. Morton hat vorab schon mal behauptet, Jolie habe als 16-Jährige eine Affäre mit dem Freund ihrer Mutter gehabt. Das Paar hat dabei gemacht, was es in solchen Fällen immer macht: geschwiegen – und Fotos von seinen Charityreisen in Dritte-Welt-Länder publiziert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2009)