Warum der Anleihensekundärmarkt derzeit ein teures Pflaster ist.
Es klingt paradox, aber der Beinahestaatsbankrott von Dubai hat ausgerechnet Staatsanleihen einen Schub verliehen. Staatsanleihen gelten nun einmal als sicher. Aber soll man wirklich umschichten?
Nun: Wer neu emittierte Staatsanleihen (beispielsweise österreichische) kauft und glaubt, dass es in den nächsten zehn Jahren keinen Staatsbankrott und auch keine Hyperinflation geben wird, für den ist das eine sichere Sache. Er investiert jetzt eine bestimmte Summe, kassiert zehn Jahre lang jährlich fix an die vier Prozent Zinsen und bekommt zum Schluss 100Prozent seines investierten Geldes zurück.
Wer aber „gebrauchte“ Anleihen auf dem Sekundärmarkt kauft, muss aufpassen. Da sind wie bei Aktien relativ hohe Gewinne, aber auch saftige Verluste möglich. Und: Derzeit sind Bundesanleihen auf dem Sekundärmarkt relativ teuer. Der Kurs dieser Anleihen richtet sich nämlich nach Angebot und Nachfrage – und derzeit ist die Nachfrage groß.
Fazit: Der heuer schon stark angestiegene Sekundärmarktkurs österreichischer Anleihen liegt derzeit bei etwas mehr als 123. Das heißt, für eine Anleihe, für die man am Laufzeitende 10.000 Euro zurückbekäme, bezahlt man auf dem Sekundärmarkt derzeit 12.300Euro. Weil die Verzinsung aber von 10.000Euro ausgeht, liegt die Durchschnittsrendite nur bei mageren 2,9Prozent.
Wer jetzt auf dem Sekundärmarkt Bundesanleihen kauft, spekuliert also eindeutig darauf, dass es auf den Finanzmärkten noch einmal zu Verwerfungen kommt und die Nachfrage nach Staatsanleihen noch größer wird – auf diesem Niveau eine riskante Spekulation. Josef Urschitz
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2009)