Die Fotogalerie Johannes Faber widmet vor Weihnachten eine Ausstellung alleine Marilyn Monroe: Von ihrer Entdeckung bis zur letzten Sitzung.
Was soll ich tun?“, fragte Marilyn Monroe. „Vielleicht erst einmal den Kaugummi herausnehmen?“, meinte der Fotograf. Sie tat's, er streckte die Hand aus – und klebte ihn als Talisman an seine Kamera. Und Monroes legendäres letztes Fotoshooting konnte beginnen. Bert Stern sollte sie 1962 für die US-„Vogue“ abbilden, drei Juninächte lang schoss er 2700 Aufnahmen in einer Suite des Hotels Bel Air in Los Angeles: Modefotos, aber auch intime, schwerelos wirkende Aktfotos der leicht derangierten Schauspielerin, die wegen Zuspätkommens gerade von ihrer Filmfirma gefeuert und geklagt worden war.
„Nur fünf Stunden“ habe sie Stern damals warten lassen, jubelte dieser noch glücklich. Am 6.August sollte die „Vogue“ mit seiner Fotostrecke in Druck gehen. Einen Tag vorher schied Monroe aus dem Leben. Sterns Bilder mussten plötzlich ihren Nachruf illustrieren, später machte der Fotograf ein Buch aus seinem Abenteuer, inklusive jener Fotos, die Monroe aussortiert hatte – und zwar radikal, sie hatte sie mit orangem Nagellack durchgestrichen.
Mit brünetter Lockenmähne. Einige Motive dieser „letzten Sitzung“ hängen jetzt in der Fotogalerie von Johannes Faber den allerersten Bildern der Ikone gegenüber – fast erkennt man sie nicht, mit ihrer wilden brünetten Lockenmähne und dem fast unbeholfen kindlichen Lächeln. Blutjung war diese Norma Jeane Baker noch, als André de Dienes sie ab 1945 bei ihren ersten Modeljobs fotografierte. Um 1800 Euro sind Originalabzüge der Aufnahmen bei Faber jetzt zu haben, inklusive der professionellen Rahmung.
Das teuerste Bild dieser ganz Marilyn Monroe gewidmeten Weihnachtsausstellung ist auch das größte und plakativste: die splitternackte Monroe vor samtrotem Hintergrund, richtig weihnachtlich – war es doch auch das „Centerfold“, also das herausnehmbare Mittelblatt des allerersten „Playboy“-Heftes. Erscheinungsdatum: Dezember 1953. Es waren die Nachwehen von früheren Nacktaufnahmen, die beinahe die junge Karriere Monroes beendeten – sie rettete sich durch Schlagfertigkeit: Als man sie damals fragte, ob sie bei den Aufnahmen tatsächlich nichts anhatte, antwortete sie schlagfertig: „Doch, das Radio.“ Das vom Sohn des Fotografen Tom Kelly signierte, großformatige Aktfoto kostet 8500 Euro.
An Erotik mangelt es jedenfalls nicht in dieser über Jahre zusammengetragenen Ausstellung: ob Monroe für den Fotografen Philippe Halsman in den Taumel der Musik gerät und sich nahezu orgasmierend an ein Bücherregal schmiegt, oder ob sie für André de Dienes an einer riesigen Karotte knabbert, im Bett liegend, Milch und Eier auf einem Tablett daneben. „Es werden wohl wieder viele Männer kommen, wie schon bei Araki“, seufzt Galerieleiterin Katharina Rosenstingl.
Bis 30.Jänner, Di bis Fr 10–18h, Sa 10–16h, Dorotheergasse12, 1010 Wien.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.11.2009)