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Flüchtlinge protestieren: Mietervereinigung will nun klagen

Die Bewohner der Maroltingergasse protestieren
Die Bewohner der Maroltingergasse protestierenDie Presse
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In Fall des sanierungsbedürftigen Flüchtlingshauses in Ottakring will die Mietervereinigung nun eine Besitzstörungsklage einbringen. Auch die Immobilienfirma meldet sich zu Wort, sie betont, keinen Gewinn auf Kosten der Flüchtlinge gemacht zu haben.

In einem Haus in der Maroltingergasse in Wien-Ottakring protestieren seit Freitagabend Flüchtlinge mit Plakaten vor der Türe gegen ihren Vermieter und die Tatsache, dass sie seit vergangener Woche ohne Gas und Strom sind. Das habe der Hauptmieter abgemeldet, so die Auskunft aus der Wiener Magistratsdirektion, die sich Donnerstagabend um den Fall kümmerte. Gleichzeitig hat der Störungsdienst der Wiener Netze die Gas- und Stromleitungen in dem sanierungsbedürftigen Haus wegen Gefahr im Verzug gesperrt. 

Nun hat sich die Mietervereinigung eingeschalten. Sie überlegt eine "Besitzstörungklage, Wiederherstellungsklage und Unterlassungsklage" einzureichen, so Bundesgeschäftsführerin der Mietervereinigung Österreichs, Alexandra Rezaei zur "Presse". Dem Fall gehen bereits längere Rechtsstreitigkeiten voran, weswegen die Mietervereinigung ihn bereits vor die Schlichtungsstelle gebracht hat. Offenbar wird nun Druck aufgebaut. 

Als "Hotel" vermietet

Die Staatsanwaltschaft ermittelt übrigens bereits seit Ende 2014 gegen den Hauptmieter des Hauses, einen gebürtigen Iraker, bestätigte Behördensprecherin Nina Bussek der "Presse". Ihm und einem Dutzend anderen Männern wird Sachwucher und Ausbeutung von Fremden vorgeworfen. So soll der Iraker in der sanierungsbedürftigen Maroltingergasse rund 400 bis 750 Euro für kleine Wohnungen (rund 15 bis 45 Quadratmeter groß) verlangt haben. Er bestreitet die Vorwürfe und sagt, die Preise seien nicht hoch und er mache selbst kaum Gewinn damit.

Dem widerspricht eine aktuelle Aussage der Firma Sveta Immobilien. Jener Firma, der das Haus gehört. Ein Sprecher betonte gegenüber der "Presse", dass das Haus an Hamed Ali Shikrhie, den Iraker, vermietet wurde, in dem Glauben, er wolle ein Hotel daraus machen. Man habe nicht gewusst, dass dort Wohnungen an Flüchtlinge vermietet werden. Weiters habe man selbst kein Geschäft auf Kosten der Flüchtlinge mit dem Haus gemacht. Shikrhie bezahle für das Haus, laut Sveta Immobilien, 7500 Euro Miete pro Monat (für zirka 2000m2).

Vier Euro Quadratmeter-Preis

In anderen Worten: Während der Iraker offenbar nur rund vier Euro pro Quadratmeter selbst Miete für das Haus bezahlt, verlangt er von den Flüchtlingen für die kleinen Wohnungen ein Vielfaches pro Quadratmeter. Es sei auch immer geplant gewesen, dass der Hauptmieter das Haus zurückgibt, damit es saniert werden kann, so der Sprecher der Firma. Danach möchte man es Shikrhie wieder zur Vermietung geben.

Ihm sei allerdings zu Ohren gekommen, dass die Bewohner des Hauses selbst Probleme im Haus verursacht haben, etwa Fenster und die Heizung kaputt gemacht haben, so der Sprecher der Firma. Auch von Mieten, die nicht bezahlt wurden, hätte er gehört.

Es sind Vorwürfe, die Bewohner des Hauses vehement abstreiten. Ihnen sei von Anfang versprochen worden, dass das marode Haus mit dem fragilen Stromnetz und dem sporadischen Warmwasser, saniert werde - was nie passiert sei. Dass Mängel im Haus repariert werden, gab der Hauptmieter auch gegenüber der "Presse" im September 2016 an. Die Firma Sveta Immobilien überlegt nun ihrerseits eine Klage wegen Rufschädigung gegenüber dem Hauptmieter. Und betont: "Der Ansprechpartner ist Herr Shikrhie. Und wir werden uns kümmern, dass Herr Shikrhie sich um die Leute kümmert."