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Wie man erfolgreich Ängste schürt

Mit dem Schweizer Minarettverbot wird ohne Not der religiöse Friede gestört.

Das ging ja gerade noch einmal gut: Dieben wird auch künftig nicht auf dem Züricher Limmatplatz die Hand abgeschlagen, und vor der Berner Zytglogge werden auch keine Steinigungen stattfinden. Angesichts der teils aggressiven Kampagne, mit der die Befürworter eines Minarettverbots das Terrain für die Volksabstimmung am Sonntag aufbereitet hatten, konnte ja fast befürchtet werden, dass der Schweiz dies oder Ähnliches tatsächlich droht.

Freilich ging gar nichts gut, denn mit dem Minarettverbot haben die Bürger ihrem Land einen Bärendienst erwiesen. Die rund 4,5 Prozent Muslime, viele aus Exjugoslawien, gelten als meist gut integriert, über Probleme wird wenig berichtet. Ohne Not wurde also der religiöse Friede massiv gestört. Im Übrigen: Ein auch religiös neutraler Staat wie die Schweiz hat sich bei solchen Fragen eben neutral zu verhalten. Wie sehr der unerwartete Ausgang der Abstimmung die Regierung verunsichert hat, lässt sich an dem wohl beruhigend gemeinten Satz ablesen, dass die vier bestehenden Minarette nicht abgebaut werden müssen.

Das knallharte Kalkül der Initiatoren ist aufgegangen: Mit ihrer Kampagne schürten sie die Ängste vor einem militanten islamischen Fundamentalismus, der zwar an manchen Orten der Welt ein Problem ist, aber sicher sicherlich nicht in Appenzell. Und dass ein Minarettverbot im Zweifelsfall Fundamentalismus eindämmen könnte, glauben die Befürworter hoffentlich selbst nicht. (Seite 1)


helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2009)