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Stolpert Trump über Donald Junior?

Donald Trump Jr. hatte Kontakt mit einer russischen Anwältin.
Donald Trump Jr. hatte Kontakt mit einer russischen Anwältin.APA/AFP/MANDEL NGAN
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"I love it" - Der Präsidentensohn freute sich in E-Mails an einen Bekannten über mögliche Informationen über Hillary Clinton. Sein Vater lobt die Transparenz hält sich aber ansonsten zurück.

Jede neue Enthüllung im Russland-Skandal um die Regierung von Präsident Donald Trump setzt eine ganz bestimmte Reaktionskette in Gang. Zuerst wird alles kühl dementiert, dann wird alles verärgert heruntergespielt – und schließlich werden panisch Anwälte angeheuert.

Auch Donald Trump Jr., 39, hat sich jetzt einen Rechtsberater besorgt, nachdem er sich in den vergangenen Tagen immer weiter in den Skandal verstrickt hatte. Dem Trump-Sohn wird vorgeworfen, er habe sich bei der russischen Regierung belastendes Material über Hillary Clinton besorgen wollen. Vater Trump blieb vorsichtshalber auf Distanz. Sein Sohn sei ein Mensch mit großen Qualitäten, er begrüße seine Transparenz, hieß es am Dienstag in einer Stellungnahme, die Trumps Sprecherin Sarah Sanders verlas.

Deutlicher macht es Mike Pence - ebenfalls per Anwalt. Der Vizepräsident habe von dem Treffen von Trump junior mit einer angeblich der russischen Regierung nahestehenden Anwältin nichts gewusst, teilte sein Anwalt Marc Lotter am Dienstag mit. Pence konzentriere sich zudem nicht auf den zurückliegenden Wahlkampf. "Besonders nicht auf Dinge, die vor der Zeit lagen, als er selbst zum Team gestoßen ist", heißt es in der Erklärung. Dies wird in Washington als klarer Versuch gewertet, sich selbst von der der Russland-Affäre Trumps fernzuhalten.

Die Mails an Trump Jr. von Anfang Juni 2016, deren Existenz durch die „New York Times“ bekannt wurden, stammten von Rob Goldstone, einem britischen Bekannten des ältesten Präsidenten-Sohns aus der Unterhaltungsbranche. Um neuen Presseberichten zuvorzukommen, veröffentlichte der junge Trump am Dienstag den Mail-Verkehr mit Goldstone selbst – und geriet noch tiefer in den Skandal.

"Offensichtlich hochrangige Informationen"

Nach den veröffentlichten Dokumenten meldete sich Goldstone am 3. Juni 2016 bei dem Sohn Trumps. Ein Klient habe ihn kontaktiert, weil ein russischer Staatsanwalt sich mit dem Vater des Klienten getroffen habe und diesem Dokumente und Informationen über Clinton für Trumps Wahlkampfteam angeboten habe. "Das sind offensichtlich hochrangige und sensible Informationen, aber es ist Teil der Unterstützung Russlands und der Regierung für Herrn Trump (...)", heißt es in der E-Mail weiter.

Trump Jr. antwortete am selben Tag: "Es sieht so aus, als ob wir Zeit hätten, und wenn es das ist, was Du sagst, liebe ich es, besonders später im Sommer." In dem weiteren Schriftverkehr vereinbarten beide dann einen Termin. Goldstone erwähnt in diesem Zusammenhang eine "Anwältin der russischen Regierung".

Unumstritten ist, dass sich Trump Jr. vor etwa einem Jahr in New York mit der russischen Anwältin Natalia Veselnitskaya traf, da er hoffte, von ihr Informationen zu erhalten, die im Wahlkampf gegen Clinton eingesetzt werden könnten. Als sich herausstellte, dass Veselnitskaya in dieser Hinsicht nichts zu bieten hatte, beendete der junge Trump das Gespräch. Veselnitskaja bestritt, jemals für den Kreml gearbeitet zu haben.

Spekulationen um Handel

Anwältin Veselnitskaya sagte dem US-Sender NBC, Trumps Leute seien sehr erpicht auf Material über Clinton gewesen. In dem Treffen mit dem jungen Trump, dem Präsidenten-Schwiegersohn Jared Kushner und Trumps damaligem Wahlkampfmanager Paul Manafort sei sie nach solchen Informationen gefragt worden, sagte die Anwältin. Doch sie habe keine solchen Erkenntnisse gehabt.

Einige US-Medien spekulieren, möglicherweise habe Moskau bei dem Treffen einen Handel anbieten wollen: Belastendes Material über Clinton gegen die Aufhebung amerikanischer Sanktionen gegen Russland. US-Geheimdienste sind überzeugt, dass russische Hacker im Auftrag des Kreml interne Mails des Clinton-Wahlkampfteams anzapften und veröffentlichen, um Trump im Wahlkampf zu helfen. Offen ist, ob es eine Zusammenarbeit zwischen Moskau und Trump-Helfern gab. Deshalb ist das Treffen von Donald Jr. und Veselnitskaya so wichtig.
Der Präsidentensohn äußerte sich zunächst nicht zu den neuesten Vorwürfen und schickte seinen Anwalt Alan Futerfas vor. Dieser sprach von „viel Lärm um nichts“. An der Tatsache, dass sein Mandant willens war, von einer ausländischen Macht belastende Informationen über Clinton anzunehmen, vermag der Anwalt nichts Ungewöhnliches zu erkennen.

Ähnlich argumentieren amerikanische Regierungsvertreter und Trump-Anhänger in den Medien. Der sonst so streitlustige Präsident selbst hält sich unterdessen zurück. Seine Anwälte betonen jeden Tag aufs Neue, der 71-Jährige habe an dem Treffen mit Veselnitskaya weder teilgenommen, noch habe er davon gewusst. Einige Beobachter vermuten, dass der Präsident alles daran setzt, nicht persönlich mit der Affäre in Zusammenhang gebracht zu werden. Möglich ist aber auch, dass Trump eigene Kommentare vermeidet, um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.

Aussage vor dem Ausschuss?

Die Vertreter der Opposition in Washington sind weniger zurückhaltend. Die Erkenntnisse über das Treffen von Trump Jr. mit der russischen Anwältin seien der erste öffentlich bekannt gewordene Beweis dafür, dass Trumps Wahlkampfteam versuchte, Clinton mit Hilfe Russlands zu schaden, sagte Senator Mark Warner. Warner, ein Parteifreund von Clinton, ist der Vize-Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, der den Russland-Skandal untersucht.

Der Ausschuss wolle Trump Jr. vorladen, sagte Warner; der Präsidentensohn hat bereits seine Bereitschaft zur Kooperation mit dem Parlament signalisiert. Dem Weißen Haus, das die Russland-Affäre möglichst schnell hinter sich lassen will, wäre das Spektakel eines Auftritts von Trump Jr. vor dem Geheimdienstausschuss wohl nicht recht – denn die Vorladung würde bedeuten, dass die Russland-Saga weiter die Schlagzeilen bestimmt. Die Aufregung lähmt seit Monaten Trumps politische Agenda: Pläne für eine Reform des Gesundheitswesens und des Steuersystems kommen nur schleppend voran.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2017)