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Oper Gars: Papageno im Trachtenjanker

„Diese tausend Jahre alten Mauern haben viel Kraft“, sagt Regisseur Kurt Josef Schildknecht über die Burgruine Gars. Er setzt dort heuer Mozarts „Zauberflöte“ in Szene.
„Diese tausend Jahre alten Mauern haben viel Kraft“, sagt Regisseur Kurt Josef Schildknecht über die Burgruine Gars. Er setzt dort heuer Mozarts „Zauberflöte“ in Szene.(c) Reinhard Podolsky
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Kritik Mozarts „Zauberflöte“ unter freiem Himmel auf der Burgruine im Kamptal: Das älplerische Buffo-Paar wirkt komisch, das finale Tamino-Pamina-Duett ergreifend.

Ausverkaufte Ränge bei der Premiere: Auf die Zugkraft von Mozarts „Zauberflöte“ ist eben Verlass. Lokalpolitiker und Bundesminister Wolfgang Sobotka erlebten den „Startschuss der aufgeklärten Gesellschaft im Europa der vergangenen 200 Jahre“, so Intendant Johannes Wildner über die „Zauberflöte“. Bei aller politischen Brisanz des Werks, man geizt in Gars auch nicht mit Rollenklischees: Der Österreicher Wolfgang Resch trägt als Papageno Lederhosen und einen federbesetzten Trachtenjanker und tritt mit treuherzigem Blick und schnellem Schritt über die Tribüne auf.

Der Südafrikaner Siyabonga Maqungo als Tamino, in einen bunt gemusterten Kaftan gehüllt, ist dazu der stoisch-sanfte Gegenpol, er dominiert die Bühne mit ernster Miene. Resch nimmt den Dialog mit dem „Fremden“ bauernschlau auf. An humoristischem Talent gebricht es diesem Papageno jedenfalls nicht. Seine Pointen erheiterten das Publikum, zumindest solange sie bei den windigen Verhältnissen und den Wanderungen des Vogelhändlers durch die Ränge hörbar waren. Maqungos samtweicher Tenor war hingegen sogar von Plätzen hinter der Bühne stets deutlich zu vernehmen. Trotz des anfänglich schwierigen Kampfs mit den akustischen Verhältnissen fand er schon in der „Bildnis“-Arie zu überzeugendem Ausdruck, der das Publikum begeisterte.

Technisch perfekt meisterte die Armenierin Tehmine Zaryan die Arien der Königin der Nacht und verzauberte auch optisch in nachtblauer Robe mit einem goldenen Kranz ums Gesicht. Die aus Guatemala stammende Adriana Gonzalez konnte als Pamina, nach kleinen Startschwierigkeiten (im Duett mit Papageno), im Schmerz über die von Tamino scheinbar nicht erwiderte Liebe richtiggehend aufblühen. Ergreifend das finale Duett zwischen ihr und Tamino, bei dem Sarastro (Igor Storozhenko) nur wie ein etwas hektischer Vermittler wirkte. Bis ins zarteste Pianissimo drang Gonzalez' Stimme intensiv durch die Ruine. Dem frauenverachtenden Sarastro durfte sie nicht selbst die Stirn bieten, dafür standen die Damen des Chores der Oper Burg Gars bereit und empörten sich in ihren Seidenkleidchen lautstark.

 

„Weisheit, Vernunft und Natur“

Offenbar hatte die Regie (Kurt Josef Schildknecht) nur wenig Vertrauen in die Wirkungsmacht und Botschaft der Erzählung: über Asim Dzinos Bühnenkonstruktion aus Holz, von der drei Stiegen über Portale ins Innere führen, prangten die Schlagworte „Weisheit“, „Vernunft“ und „Natur“ in Leuchtschrift. Ganz Naturbursche, wird Papageno selbstverständlich durch die Naturpforte in Sarastros Reich gezogen, wohingegen Tamino und Pamina die anderen beiden Eingänge vorbehalten sind.

Neben den zwei adeligen Protagonisten waren es die Chorsänger, Männer wie Frauen, die stimmlich überzeugten. Unter der Leitung von Roger Diaz Cajamarca, der selbst als erster Priester mitwirkte, harmonierten die Stimmen perfekt. Die Klangvereinigung Wien unter Intendant Wildners Dirigat war ein gefügiger, flexibler Orchesterkörper, dessen charmante Solisten (Flötistin, Glockenspieler) auch auf der Bühne glänzen durften.

Die Inszenierung solle sowohl unterhaltsam als auch im Sinne der Autoren sein, hatte Wildner erklärt. Ersteres ist gelungen, zweiteres nur bedingt. So funktioniert die Fusion der drei Ebenen (Priester, Adel, Volk) in der Schlussszene nicht ganz, womit der allumfassend-humanistische Appell verloren geht: Während im Tempel der Weisheit das königliche Paar gefeiert wird, schmusen Papagena (Katharina Tschakert) und Papageno verschämt unter einer Treppe: Komödiantisch ist diese „Zauberflöte“ jedenfalls, nicht zuletzt dank dieses älplerischen Buffo-Paars.

Weitere Vorstellungen: 15., 18., 21., 23., 27. und 29. Juli, 4. und 5. August. Liviu Holender, der als Papageno vorgesehen war, hat sich bei den Proben das Bein gebrochen, daher übernimmt – wie schon bei der Premiere – Wolfgang Resch die Rolle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2017)