Dubai lässt Dubai World im Stich – Märkte sind beunruhigt

Dubai World
Dubai World(c) AP (Kamran Jebreili)
  • Drucken

Auch die Niederlande sind stark in der Region engagiert. Die Staatsholding Dubai World hat über Jahre hinweg Schulden im Ausmaß von 59 Mrd. US-Dollar angehäuft. Dubai hinterlässt jedoch auch u.a. in den Niederlanden seine Spuren.

Wien (ag./red./htz). Die Nachricht, dass Dubai World seine Gläubiger um Zahlungsaufschub ersucht, löste vergangene Woche einen Schock an den internationalen Finanzmärkten aus. Auch die Börsen in Dubai und Abu Dhabi, die feiertagsbedingt geschlossen waren, reagierten am Montag negativ. Die Indizes beider Börsen rutschten zu Handelsbeginn um mehr als sieben Prozent ab. Abu Dhabi hatte den größten Tagesverlust aller Zeiten zu beklagen.

Für die Finanzmärkte ebenso belastend: Die Regierung von Dubai gab bekannt, dass sie nicht für die Schulden ihrer Holdingfirma Dubai World einstehen will. Die Verbindlichkeiten seien Sache der Gläubiger, die ihren Teil der Verantwortung tragen müssen, sagte Abdulrahman Al Saleh, Generaldirektor des Dubaier Finanzministeriums, einem lokalen Rundfunksender. „Die Gläubiger glauben, Dubai World ist Teil der Regierung. Das stimmt aber nicht.“

Im Tagesverlauf gab das britische Pfund gegenüber dem Dollar nach. Die Analysten begründen dies mit dem hohen Engagement britischer Banken im arabischen Golf. Zum anderen ist London auch für die Staaten aus dem Nahen Osten ein wichtiger Finanzplatz. Auch Gold, Industriemetalle und Rohöl waren am Montag teilweise billiger als vergangene Woche.

Die Staatsholding Dubai World hat über Jahre hinweg Schulden im Ausmaß von 59 Mrd. US-Dollar angehäuft. Schätzungen der Ratingagentur Moody‘s Investor Service zufolge, belaufen sich die Schulden Dubais auf bis zu 100 Mrd. Dollar. Ein Viertel der Verbindlichkeiten sei von Zahlungsausfällen bedroht. Die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate gab unterdessen bekannt, dass sie in- und ausländischen Banken bei Bedarf Geld zur Verfügung stellen werde. Das Nachbaremirat Abu Dhabi hat Dubai bereits mit zehn Mrd. Euro ausgeholfen und dürfte es weiterhin unterstützen.

Niederlande in Dubai engagiert

Dubai hinterlässt jedoch nicht nur an den internationalen Märkten seine Spuren, sondern auch in den Niederlanden. Denn das Rotterdamer Baggerunternehmen Van Oord ist in Dubai in großem Ausmaß engagiert. Dubai World hatte die Firma mit dem Bau der künstlichen Insel namens ,,Palm Deira“ betraut. Das Auftragsvolumen des Projekts: rund 2,5 Mrd. Euro. Auch der Eindhovener Konzern VDL lieferte kürzlich 518 Stadtbusse im Wert von 150 Mio. Euro nach Dubai.

Zwar hat die niederländische Regierung für diese Projekte Exportgarantien abgegeben. Kann Dubai jedoch nicht zahlen, werden die Garantien schlagend. Finanzexperten beziffern die möglichen Ausfälle mit einigen hundert Millionen Euro oder mehr als einer Milliarde Euro. Das niederländische Finanzministerium hat dazu bisher zwar keine konkreten Angaben gemacht. Bestätigt aber, dass ,,umfangreiche Exportgarantien abgegeben wurden“.

Österreich betroffen

Auch die Raiffeisen Zentralbank (RZB) ist in Dubai engagiert. Sie hat im Rahmen eines Syndikats Kredite an Dubai World vergeben. Die Bank beziffert die möglichen Ausfälle auf rund 30 Mio. Euro. Erste Group und Bank Austria sind nicht in Dubai engagiert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2009)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

An investors looks at stock exchange information at the Dubai Financial Market
International

Dubai: Umschuldung hängt an islamischer Anleihe

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben zwar genug Geld, um die Dubai-Krise allein zu bewältigen. Dennoch untersucht der IWF die geplante Umschuldung. Knackpunkt ist eine Anleihe nach islamischem Recht.
FILE- In this Oct. 18, 2006 File photo, A group of racing camels pass in front of Sheikh Zayed highwa
Geld & Finanzen

Arabische Börsen sacken trotz Milliardengewinn ab

Der kuwaitische Staatsfonds "KIA" verdiente mit dem Verkauf seiner Citigroup-Anteile über eine Milliarde Dollar. Dennoch sanken die Kurse an den arabischen Börsen am Montag erneut.
View from the Mandarin Bar in Dubai
International

Dubai: Die Vertreibung aus dem Paradies

Der Aufstieg Dubais ist vor allem indischen Arbeitskräften zu verdanken. Jetzt ist der Wüstenstaat in der Krise – und wirft die billigen Arbeitskräfte zu Zehntausenden aus dem Land.
Hochtief geht nicht an die Boerse
Home

Dubai-Krise: Größter deutscher Börsengang geplatzt

Es sollte der größte Börsengang des Jahres werden. Nun verzichtet eine Tochter des Baukonzerns Hochtief darauf. Man fand keine Käufer für die Aktien.
Josef Ackermann
Home

Dubai-Krise: Ackermann warnt vor weiteren Zeitbomben

Vor allem Finanzprobleme kleinerer Länder könnten durchaus noch zu Erschütterungen führen, sagt Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Auch die Immobilien-Krise in den USA sei noch nicht gelöst, so Ackermann.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.