Die Initiative zählt mittlerweile 116 Genussregionen in ganz Österreich.
Es sind großflächige Plakate mit glücklichen Schweinen, knackigem Gemüse, bunten Bergkräutern oder goldenem Getreide, die einem in der jeweiligen Genussregion willkommen heißen. Wer in Österreich abseits der Städte unterwegs ist, entkommt ihnen kaum mehr. Mehr als 100 Genussregionen gibt es hierzulande. Das reicht von bekannteren Regionen oder Produkten wie der Wachauer Marille, der südsteirischen Käferbohne oder dem Bregenzerwälder Alp- und Bergkäse bis hin zu besonderen Spezialitäten wie der Wildschönauer Krautingerrübe, dem Schlägler Bioroggen oder dem Lilienfelder Voralpenwild.
2005 wurde die Initiative mit den ersten 25 Genussregionen ins Leben gerufen – damals noch unter dem Landwirtschaftsminister Josef Pröll. Mittlerweile ist die Anzahl der Genussregionen gestiegen: Derzeit sind es 116 verschiedene Regionen. Allein in Niederösterreich gibt es knapp 30 Genussregionen, sogar Wien hat mit dem Wiener Gemüse eine Genussregion. „Wir haben es geschafft, dass Österreich den Ruf als junges Kulinarikland hat. Es gibt viele Anfragen aus dem Ausland, wie wir das gemacht haben. Zuletzt hat sich sogar jemand aus Japan informiert“, sagt Margareta Reichsthaler, Obfrau des Dachverbands der Genussregionen Österreich. Sie ist besonders stolz darauf, dass die Initiative spartenübergreifend funktioniert, der Tourismus also genauso eingebunden ist wie der Handel und die Gastronomie.
Reichsthaler schätzt, dass sich die Zahl der Genussregionen auf rund 100 einpendeln wird. Immerhin werden die Regionen alle fünf Jahre überprüft. Wer die Kriterien nicht erfüllt, verliert das Siegel. „Es kommen immer welche dazu und einige wieder weg.“ Neu ist derzeit etwa die Genussregion Ötztaler Bergschaf und Berglamm. Weitere vier Anwärter sind in der Warteschleife. Bis sie sich aber offiziell Genussregionen nennen dürfen, kann es noch dauern.
Neues kulinarisches Netzwerk
Derzeit soll nämlich die Menge an Initiativen und Gütesiegeln rund um das Thema Kulinarik und Landwirtschaft gebündelt und strukturiert werden. Immerhin gibt es neben den Genussregionen auch noch anderen Initiativen – vom Genussland Oberösterreich bis hin zum Kuratorium Kulinarisches Erbe Österreich. Das Landwirtschaftsministerium hat deshalb im Vorjahr das Netzwerk Kulinarik ins Leben gerufen, über das in Zukunft alle Förderungen für den ländlichen Raum beantragt werden sollen. Bis zum Jahr 2022 stehen dafür 10,5 Millionen Euro zur Verfügung, zusätzlich kann noch um sieben Millionen Euro aufgestockt werden.
Laut dem Geschäftsführer des Netzwerks, Thomas Müller, hat sich die anfängliche Aufregung rund um das Netzwerk mittlerweile gelegt. Kritik gab es nämlich nicht nur vonseiten der Genussregionen, die Angst um ihre jahrelang aufgebauten Strukturen hatten, sondern auch vonseiten des Handels. Die Vernetzungsstelle wird nämlich von der Bietergemeinschaft Fairify und Agrarmarkt Austria (AMA) betrieben. Erstere ist allerdings die Beratungsfirma von Werner Lampert, der zuletzt die Hofer-Marke „Zurück zum Ursprung“ aufgebaut hat. Müller spricht heute von einer „künstlichen Aufregung“, die sich gelegt habe. Er versichert, dass die einzelnen Initiativen durchaus bestehen bleiben sollen, lediglich die Fördervergabe soll nun gebündelt über das Netzwerk laufen. Operativ werde bereits gearbeitet, die endgültige Absegnung von offizieller Seite steht aber noch aus. Müller rechnet im Spätsommer damit. Der Konsument soll von dem neuen Netzwerk aber nur indirekt etwas mitbekommen.
Fakt ist, dass all diese Initiativen – auch wenn sie so manchen Konsumenten mittlerweile verwirren mögen – den einzelnen Regionen durchaus etwas bringen. „Wir haben es zum Beispiel geschafft, dass die Streuobstpreise von zehn oder 15 Cent pro Kilo auf 30 Cent erhöht worden sind. Es lohnt sich also wieder, Streuobst zu produzieren“, sagt Reichsthaler. Auch die Görtschitztaler Milchbauern können selbst nach dem Umweltskandal vor zweieinhalb Jahren einen höheren Milchpreis von „45 bis 70 Cent pro Liter“ verlangen, wie Reichsthaler sagt.
Insgesamt 3700 Betriebe, die einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro erwirtschaften, arbeiten mit den Genussregionen zusammen. Bis 2014 haben die Genussregionen im Rahmen der ländlichen Entwicklung pro Jahr zwischen 2,5 und drei Millionen Euro an Fördergeldern bezogen (aktuelle Zahlen gibt es aufgrund der Umstellung nicht). Die Plakate mit dem Südoststeirischen Woazschwein, dem Eferdinger Landlgemüse oder den südburgenländischen Kräutern werden Autofahrern also noch länger begegnen.
Ochsenkessel
Zutaten für 4−5 Portionen
150 g Moorochsenfleisch ( Hals oder Wadschunken), 150 g Zwiebel, 20 g Mehl, 50 g Fett, 10 g Paprika edelsüß, 5/4 l Rindsuppe vom Moorochsen, 250 g kochfeste Erdäpfel (in zirka 1,5 cm große Würfel schneiden), 200 g Rote Bohnen
Zubereitung
Fein geschnittene Zwiebel in Fett goldgelb rösten, Paprika beigeben, stauben, mit verdünntem Uhudleressig ablöschen.
Mit Rindsuppe aufgießen, kleinwürfelig geschnittenes Fleisch (1,5 cm) und Gewürze dazugeben. Nach halber Kochzeit gewürfelte Erdäpfel und zum Schluss die fertig gekochten Bohnen dazugeben, und noch einmal aufkochen.
Mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Majoran, Knoblauch, Bohnenkraut, Lorbeerblatt und Petersilie fein abschmecken.
Quelle: Gasthaus Supper, Rohr im Bgld.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2017)