OeNB: Keine Hinweise auf eine Kreditklemme

(c) Clemens Fabry
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Kredite für Firmen und Privatkunden waren im Jahr 2009 billiger. Aber nicht alle profitieren davon.

wien (ker). Geht es nach der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), dann war 2009 ein gutes Jahr für heimische Kreditnehmer: Die Unternehmen müssen weniger für die Zinsen zahlen, bei Neukrediten (mit einer Bindungsfrist von bis zu einem Jahr) haben die Banken die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) vollständig weitergegeben. Auch bei den Darlehen für Privatkunden seien die Zinsen „in hohem Ausmaß“ weitergeben worden, heißt es in einer OeNB-Aussendung.

Aber es gibt nicht nur Gewinner unter den Kreditnehmern:
•Niedrige Kreditzinsen bedeuten noch lange nicht, dass alle Firmen und Privatkunden davon profitieren. Denn schließlich muss man erst einmal ein Darlehen bei der Bank bekommen. Und das war heuer nicht einfach. Darüber geben die Zinsstatistiken wenig Auskunft, daher hat die OeNB eine Umfrage unter 500 Unternehmen durchgeführt. Mit dem Ergebnis, dass sich die Konditionen, zu denen Kredite vergeben werden, deutlich verschärft haben. Demzufolge war die Nachfrage nach Krediten höher als das Angebot. Aber: Es gebe keine Hinweise auf eine Kreditklemme, sagt die OeNB.
•Jene Kunden, die vor den EZB-Leitzinssenkungen Kredite mit Fixverzinsung gekauft haben, profitieren selbstverständlich nicht von den aktuellen niedrigen Zinsen.
•Wie die OeNB anmerkt, sind die Kreditzinsen für Privatkunden „in hohem Ausmaß“ – also nicht vollständig – weitergegeben worden. Laut der OeNB-Zinsstatistiken (die bis September 2009 gehen) hat sich außerdem zwischen Kredit- und Sparzinsen eine größere Lücke aufgetan. Überziehen Kunden ihr Konto, müssen sie dafür 6,34 Prozent Zinsen (Stand September) zahlen. Das sind um satte 20 Prozent weniger als im Jahr 2008. Auf der anderen Seite bekommen die Konsumenten deutlich weniger Sparzinsen. Für täglich fälliges Geld haben die Sparer laut OeNB-Statistik im September durchschnittlich 0,68 Prozent bekommen – um 66 Prozent weniger als im Jahr 2008.

Die Lücke zwischen Kredit- und Sparzinsen regt besonders Konsumentenschützer auf. Die Banken argumentieren dagegen, dass sie höhere Aufschläge bei Neukrediten verlangen müssen, da die Refinanzierungskosten gestiegen seien.

Absicherung gegen hohe Kreditkosten

Derzeit befinden sich die Zinsen noch auf einem Tiefstand. Die meisten Prognosen gehen davon aus, dass die EZB den Leitzinssatz 2010 wieder erhöhen wird, infolge dessen werden auch die Kreditzinsen steigen. Trotzdem sollten die Konsumenten vorsichtig sein, sich nicht zu früh und zu teuer mit Fixzins-Darlehen abzusichern. Für einen Hypothekarkredit (100.000 Euro, 20 Jahre Laufzeit) zahlt man derzeit einen fixen Zinssatz für fünf Jahre von effektiv fünf bis 5,5 Prozent. Das ist keine Kleinigkeit.

Eine neuartige Form, niedrige Zinsen abzusichern, sind Zinscaps. Das sind Instrumente, die unabhängig vom Kredit bei fast jeder Bank erworben werden können. Der Kreditnehmer zahlt dafür eine Prämie, sichert sich aber mit einer Obergrenze (auf Basis eines Referenzzinssatzes) ab. Wenn die Zinsen diese Obergrenze übersteigen, muss die Bank die Differenz zwischen dem Zinssatz und der vereinbarten Grenze zahlen. Damit schaut der Kreditnehmer auch bei niedrigen Zinsen nicht durch die Finger.

Diese Zinscaps können auch für bestehende Kredite eingesetzt werden und müssen nicht bei der gleichen Bank gekauft werden, bei der auch der Kredit läuft. Somit können die Kunden das billigste Angebot auswählen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2009)

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