Schnellauswahl

Raimund Theater: Lautstarkes „Musical Christmas“

Szenischer Liederabend mit Lisa Antoni, Drew Sarich, Uwe Kröger u.v.a.: Konventionell.

Das „Rudolf“-Musical funktioniert mäßig. Umso stolzer sind die Vereinigten Bühnen Wien (VBW), dass die DVD auf Platz drei der „Ö3-Top40-Musik-DVD-Charts“ liegt. Linderung verspricht ferner ein seit einigen Jahren übliches Christmas-Special, das Montag im Raimund Theater Premiere hatte. Es gab viel Angelsächsisches zu hören und zum Kontrast ein paar bekannte Weihnachtslieder, die hierzulande unter dem Baum erklingen. Das Publikum freute sich.

Die Tonanlage schien eigenwillig eingestellt. Die Stimmen dröhnten teilweise laut und hässlich. Das Orchester war auf der Bühne platziert, die Kommunikation zwischen Sängern und Dirigent respektive Musikern lief dennoch klaglos. Das lag vermutlich an Caspar Richter; der VBW-Musikdirektor, ein eminenter Musikus, tritt 2010 in den Ruhestand, der Niederländer Koen Schoots löst ihn ab.

An Musicalbühnen gibt es heute oft keine Livemusik mehr. Vielleicht hatte Richter die RSO-Wien-Turbulenzen vor Augen, als er am Montag die vielfältigen Gaben seiner Musiker mit herzlichen Worten lobte: Sie wechseln nicht nur die Stile, Sie arrangieren und komponieren.

Bei „Musical Christmas“ gibt es auch eine Uraufführung: Pianist Thomas Bartosch konfrontierte in Wort und Ton das Weihnachtsevangelium mit der heutigen Lage in Bethlehem: ein dramatisches Stück. „Wunder der Geburt“, gewidmet „allen neuen Erdenbürgern“, erwies sich auf schlichte Weise als wahrhaft bewegend. Vielleicht lässt sich aus dieser Idee ein neues Konzept für Veranstaltungen dieser Art entwickeln, statt bloß beliebte Nummern aneinanderzureihen und wenig glücklich das TV zu kopieren. bp

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2009)