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Wissenschaft

Weniger Todesfälle durch Klimaschutz

Von den Autos getrennte Radwege haben den stärksten Effekt auf die Gesundheit der Radfahrer.
Von den Autos getrennte Radwege haben den stärksten Effekt auf die Gesundheit der Radfahrer.(c) APA (BARBARA GINDL)
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Ökologie. Klima- und Gesundheitspolitik sollen enger verknüpft werden, raten Forscher. Sie zeigen, dass etwa der Ausbau von Radwegen und öffentlichem Verkehr nicht nur die Umwelt schont, sondern auch unsere Gesundheit stark verbessert.

Was brachte die Preissenkung der Jahreskarte der Wiener Verkehrsbetriebe auf 365 Euro? Kurzfristig stiegen 2012 viele auf den öffentlichen Verkehr um, danach gab es einige Zeit weniger Neukunden. „Aber wir haben nur den langfristigen Effekt ausgewertet: Nämlich, dass jetzt mehr Wege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden als davor“, sagt Willi Haas vom Institut für Soziale Ökologie der Uni Klagenfurt.
Dies ist nur einer der zahlreichen Aspekte, mit denen sein Team berechnete, welche Maßnahmen für den Klimaschutz auch der Gesundheit der Menschen etwas bringen. Die Zusammenarbeit der Uni Klagenfurt mit der Abteilung für Umwelthygiene und
Umweltmedizin der Med-Uni Wien, dem Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Uni Graz und der TU Graz wurde im Projekt ClimBHealth vom Klima- und Energiefonds (Lebens- und Technologieministerium) gefördert.
„Die Zusammenhänge bei Maßnahmen zum Klimaschutz sind so komplex, dass viele Leute nicht wissen, wem es zugutekommt, wenn sich alle Länder Europas daran halten. Der Vergleich mit der Gesundheit der Menschen ist viel klarer: Wenn man in Wien Maßnahmen setzt, kommt das der Gesundheit der Menschen in dieser Stadt zugute“, sagt Haas. Ko-Benefit heißt es, wenn von Veränderungen, die eigentlich zum Schutz des Klimas gedacht sind, auch die Bevölkerung profitiert.

Weniger Luftverschmutzung

Die Forscher konzentrierten sich nun auf Maßnahmen, die sich in der städtischen Mobilität umsetzen lassen, um die Luftverschmutzung zu verringern und die aktive Bewegung der Menschen zu fördern. In Modellen kombinierten sie dies mit der Auswirkung auf die Gesundheit und konnten beziffern, wie viele Todesfälle pro Jahr vermieden werden könnten.
Dies wurde für die drei größten Städte in Österreich durchgerechnet: Als Basis dienten Messungen zur Feinstaubverbreitung und Schadstoffbelastung in Wien, Graz und Linz und Daten, welche Wege pro Tag mit welchem Fortbewegungsmittel zurückgelegt werden, sowie internationale Studien.
Das Team suchte aus den Maßnahmenlisten, die heimische Gemeinden zum Klimaschutz führen, jene Punkte heraus, die relativ schnell zu positiven Veränderungen führen. „Die City-Maut hat sich zum Beispiel als Maßnahme entpuppt, die wenig bringt. Erstens verringert sich die Schadstoffemission wenig, zweitens trifft eine City-Maut Leute mit geringem Einkommen stärker. Jemandem, der sich ein teures Auto leisten kann, tut der Mautbetrag nicht weh“, sagt Haas.
Maßnahmen, die sich hingegen als effizient erweisen, sind etwa, das Radwegenetz deutlich zu verbessern und die öffentlichen Verkehrsmittel bei Taktzeiten und Netzausbau zu unterstützen.
Dabei beachteten die Forscher auch den Aspekt, dass eine Verstärkung des Radverkehrs zu mehr Unfällen führen kann, da Radfahrer in der Nähe von Autostraßen häufiger Kollisionen auslösen. Der Effekt für die Gesundheit der Menschen wirkt nur dann am stärksten, wenn man die Radwege städtebaulich von den Autos trennt, wodurch es zu weniger Unfällen kommt und zugleich die Atemluft der sich körperlich anstrengenden Radler sauberer bleibt.