Im Jahr 2011 soll die Fusion von Porsche und Volkswagen abgeschlossen sein, für den ersten Porsche-Anteil von 49,9 Prozent braucht VW noch heuer 3,9 Millairden Euro. Kritik kommt von Minderheitsaktionären.
VW-Aktionäre sollen Milliarden für den Porsche-Kauf locker machen. Der Volkswagenkonzern will sich am Donnerstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Hamburg eine Kapitalerhöhung genehmigen lassen. In den kommenden fünf Jahren plant der Konzern dafür bis zu 135 Millionen neuer stimmrechtsloser Vorzugsaktien auszugeben. Mit dem Geld will VW Teile des mit 12,4 Milliarden Euro bewerteten Sportwagenbauers Porsche bezahlen sowie das 3,55 Milliarden Euro teure österreichische Autohandelshaus Porsche Holding Salzburg. Die Zustimmung gilt als sicher, weil die drei VW-Großaktionäre den Plan stützen.
Das frische Kapital soll nur aus Vorzugsaktien kommen. Diese Papiere haben anders als Stammaktien kein Stimmrecht, bekommen dafür eine etwas höhere Dividende. Die mächtigen Stammaktionäre, die Familie Porsche/Piech, das Land Niedersachsen und das Öl-Scheichtum Katar, bringen über die Stammaktien kein frisches Geld ein. Wie viel durch die Ausgaben der 135 Millionen neuen Papiere in die VW-Kasse kommt ist, unklar. Am Mittwoch lag der Kurs der Vorzugsaktie bei 60 Euro. Bei diesem Kurs könnte VW auf 8 Milliarden Euro hoffen.
VW könnte Porsche schon jetzt zahlen
VW könnte Porsche eigentlich schon jetzt aus eigener Kasse bezahlen. Die Wolfsburger verfügten dieses Jahr über eine Netto-Liquidität von 13,4 Milliarden Euro. Ohne dieses Geld aber würde die Kreditwürdigkeit von VW sinken, Kredite müssten teurer bezahlt werden. Das lehnt der VW-Vorstand ab. Für den ersten Porsche-Anteil von 49,9 Prozent müssen die Wolfsburger noch in diesem Jahr rund 3,9 Milliarden Euro überweisen.
Auf der Hauptversammlung soll außerdem die Satzung des Konzerns zugunsten des Landes Niedersachen geändert werden, das knapp über 20 Prozent an VW hält. Niedersachsen will sich das Recht auf zwei Aufsichtsratsposten festschreiben lassen. Außerdem soll in der Satzung die Sperrminorität im Aufsichtsrat bei 20 Prozent festgelegt werden, statt 25 Prozent wie nach dem Aktienrecht üblich.
Kritik von Minderheitsaktionären erwartet
Bei dem Aktionärstreffen wird Kritik vor allem von Minderheitsaktionären wie etwa Fonds erwartet. So hat sich der norwegische Staatsfonds NBIM bereits kritisch geäußert. Einige Aktionäre klagen, die Bewertung von Porsche sei undurchsichtig. Außerdem würden die Interessen der Großaktionäre über die der kleineren Investoren gestellt. Volkswagen weist diese Kritik zurück.
Die Beschlüsse der VW-Hauptversammlung sind eine weitere Etappe im Übernahmeprozess von Porsche durch Volkswagen. Am Ende soll die Verschmelzung von VW und Porsche im Jahr 2011 stehen.
Porsche wollte ursprünglich Volkswagen schlucken und hatte dazu VW-Aktien im großen Stil gekauft. Allerdings übernahm sich Porsche dabei und wird nun Teil des VW-Konzerns. Haupteigentümer des VW-Konzerns werden dann langfristig die Porsche-Eigentümerfamilien Porsche und Piech sein, sowie das Land Niedersachsen und das neu eingestiegene Emirat Katar. VW verspricht sich von der Porsche-Übernahme zusätzliche Gewinne. So könnten zum Beispiel kleinere Modelle aus dem VW-Konzern als Grundlage für neue Porsche-Baureihen dienen.
(APA)