Die Europäische Zentralbank beginnt damit, ihre Liquiditätshilfen zurückzufahren. Der 12-Monats-Tender im Dezember ist der letzte seiner Art. Der Leitzins der EZB bleibt indes unverändert bei 1,0 Prozent.
Im Kampf gegen die Rezession hat die Europäische Zentralbank zuletzt die Märkte mit billigem Geld überflutet. Nun beginnt die EZB damit, ihre Liquiditätshilfen zurückzufahren. Nach dem 12-Monats-Tender im Dezember wird es kein Refinanzierungsgeschäft mehr mit einer Laufzeit von zwölf Monaten geben. Durch die lange Laufzeit sollten die Banken Planungssicherheit bekommen.
Zudem soll das letzte Geschäft mit einer Laufzeit von sechs Monaten im März 2010 erfolgen. Die verbesserten Bedingungen an den Finanzmärkten hätten signalisiert, dass nicht mehr alle Maßnahmen der EZB im selben Umfang wie in der Vergangenheit gebraucht würden, begründete Trichet die Entscheidung.
EZB vor Dilemma
Die EZB steht dabei vor dem Dilemma, dass eine zu lange zu hohe Liquidität im System zu neuen Finanz-Exzessen und hoher Inflation führt. Zugleich will sie aber die Konjunkturerholung nicht durch eine abgewürgte Kreditvergabe gefährden.
Die EZB und andere Zentralbanken hatten auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor gut einem Jahr ihre Geldschleusen immer weiter geöffnet und Liquidität in das Finanzsystem gepumpt.
"Am Tropf der EZB"
Experten warnen vor einem zu aggressiven Rückzug vom Geldmarkt. "Einige Banken hängen noch zu sehr am Tropf der EZB", sagte ein Geldhändler laut "Financial Times Deutschland". Einige Banken könnten ein zu rasches Zurückfahren der Geldpolitik nicht verkraften. Eine Zuspitzung der Lage am Markt wird befürchtet. "Für einen richtigen Ausstieg der EZB ist es noch zu früh", zitiert das Blatt Peter Pawlik, Leiter Geld- und Devisenhandel der LBBW.
Eine richtige Bewährungsprobe dürfte der Juni 2010 darstellen, wenn der erste 12-Monats-Tender ausläuft. Die Banken müssen dann 442 Milliarden Euro zurückzahlen.
Leitzins bleibt unverändert
Indes hat die Europäische Zentralbank EZB ihren Leitzins wie erwartet unverändert belassen. Der Leitzins für den Euroraum liege weiterhin bei 1,0 Prozent, teilte die EZB mit. Ökonomen hatten dies einhellig erwartet. Damit liegt der Leitzins weiterhin auf dem tiefsten Niveau seit Gründung der europäischen Währungsunion im Jahr 1999.
Obwohl die Wirtschaft in den 16 Euro-Ländern das tiefe Tal der Rezession allmählich verlässt, erwarten die meisten Volkswirte eine Erhöhung des Leitzinses erst in der zweiten Jahreshälfte 2010. Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 hat die EZB das Zinsniveau um insgesamt 3,25 Punkte reduziert. Zuletzt hatte sie den Leitzins im Mai um 0,25 Punkte gesenkt.