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Worauf wurden Bibeln geschrieben?

Symbolbild Pergament.
Symbolbild Pergament.(c) imago/epd (Matthias Schumann)
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Mit Genanalysen kann man auf die Pergamentlieferanten schließen, ein wenig auch auf die Bücherbenützer.

„Ist Pergament nicht aus Schafshäuten gemacht?“, fragt Hamlet, und Horatio antwortet: „Ja, mein Herr, und aus Kalbshäuten auch.“ Aber woraus sind sie nun wirklich, die hauchdünnen Seiten, auf denen etwa in Canterbury um das Jahr 990 die „York Gospels“ geschrieben wurden? Historiker können es nicht entscheiden, aber Genetiker können zu Hilfe eilen und nicht nur das Material erkunden, sondern auch Spuren seiner Benutzer aufnehmen, und die von denen, die dem Material zu Leibe rückten: Insekten.

Was das für welche waren, lässt sich aus ihrem Kot rekonstruieren, deshalb wühlen Forscher in alten Wurmlöchern. Im Pergament können sie das nicht tun, aber es gibt nun zerstörungsfreie Methoden zur Entnahme von DNA und Proteinen: Mit denen hat Matthew Teasdale (Dublin) eruiert, dass das Pergament des York Gospel zum kleineren Teil von Schafen stammte, zum größeren von Kälbern, von weiblichen. Das ist insofern erklärungsbedürftig, als Milchkühe damals wichtiger waren als Ochsen. Es könnte sich dadurch lösen, dass kurz zuvor die Rinderpest wütete und viele Totgeburten brachte, erwägt Teasdale (biorxiv 24. 7.).

Umblättern hinterließ Spuren

Es könnte aber auch sein, dass für diese Heiligen Schriften das Beste gerade gut genug war. Zum Entscheiden müsste man wissen, wie die damaligen Nutzer der Bücher dachten. Das wird man natürlich nie, aber auch sie haben Spuren im Metagenom der Bücher hinterlassen, als sie Seiten umblätterten oder küssten, oder hinein husteten: Fast ein Fünftel der DNA, die Teasdale fand, stammt von Menschen oder ihren Bakterien, vor allem Propionibacterium, es verursacht Akne.

Die Bakterien können aber auch aus späterer Zeit stammen – das York Gospel wird bis heute verwendet –, Tensdale ist deshalb auf der Suche nach alten Büchern, die nur von wenigen Personen berührt wurden, im Idealfall von einem. Andere spinnen die Idee schon weiter: Man könne etwa die Bibliothek von Newton nach seinen Genen durchsuchen und etwa Augen- und Haarfarbe daraus lesen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2017)