Der französische Präsident will mit außenpolitischen Alleingängen punkten: Er spielt Friedensstifter in Libyen, empfängt Granden wie Trump oder Putin. Die Franzosen lässt das kalt.
Emmanuel Macron genießt es, auf internationalem Parkett zu tanzen: Schüchternheit des Neulings ist ihm fremd, wenn er den mächtigsten Politikern nonchalant auf die Schulter klopft, selbstbewusst begegnet er den routiniertesten Granden auf Augenhöhe. Am besten gefällt sich der Präsident derzeit in der Rolle als internationaler Friedensstifter – zuletzt in Celle-Saint-Cloud, nahe Paris: Macrons triumphierendes Lächeln sprach Bände, als sich der libysche Premier Fayez al-Sarraj und dessen Rivale, General Khalifa Haftar, die Hand schüttelten.
Immerhin hatten sich am Dienstag die beiden Bürgerkriegs-Erzfeinde dazu aufgerafft, einem Friedensfahrplan mündlich zuzustimmen – und Macron internationale Publicity verschafft. Gar nicht gut kam das in Rom an, wo die Regierung offenbar über das Treffen nicht informiert worden war. Italien bemüht sich gemeinsam mit der EU seit Jahren um einen Frieden in Libyen – aus dem nordafrikanischen Land kommen die meisten Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Italien. Rom hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie sehr es Haftar misstraut. Und Macron behandelt den General als gleichberechtigten Verhandlungspartner. „Derzeit gibt es zu viele Mediatoren, zu viele Friedeninitiativen für Libyen“, schäumte Außenminister Angelino Alfano.