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Müll: Grüne wollen Mehrwegbecher fördern

(c) imago/Westend61
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In Wien werden jedes Jahr 70 Millionen Coffee-to-go-Becher entsorgt. Die Grünen wollen dem entgegenwirken, indem sie nachhaltige Bambusbecher verschenken.

Wien. Stapelt man alle Kaffeebecher aufeinander, die täglich in Wien weggeworfen werden, ergibt das alle zehn Minuten die Höhe des Stephansdoms. Und wenn man sie nebeneinanderstellt, reicht die tägliche Becherkette drei Mal um den Ring.

Statistisch gesehen trinken 90 Prozent der Wiener zum Frühstück einen Kaffee – davon immer mehr „to go“. Und das produziert jährlich einen knapp 1000 Tonnen schweren Müllberg. Müll, der nicht einfach zu recyceln ist, weil die Pappbecher mit Kunststoff beschichtet sind und darum verbrannt werden müssen.

Die Grünen wollen diesen Müllberg reduzieren – und dem Vorbild deutscher Städte folgen, wo sich Mehrwegbecher etabliert haben. So gibt es etwa in München, Rosenheim oder Hamburg ein Pfandsystem für Becher, ähnlich, wie man es von Festivals kennt. Heißt: Man kauft sich einen Kaffee in einem Mehrwegbecher, den man auch in einem anderen Café wieder abgeben kann.

Berlin hat einen anderen Weg gewählt: Die Stadt hat einen Becher entwickelt, den jeder Kunde kaufen und behalten kann. Man wäscht ihn nach Gebrauch selbst und bringt ihn ins Lokal mit – dafür bezahlt man dann in Partnerbetrieben 20 Prozent weniger.

 

Gastronomen sind interessiert

„Wir wollen gemeinsam mit den Wiener Betrieben ein Modell entwickeln – nicht etwas verbieten“, sagt der grüne Gemeinderat Peter Kraus am Donnerstag. Dabei könnte er sich etwa einen nachhaltigen Mehrwegbecher aus Materialien wie Bambus vorstellen, den die Stadt entwickelt und billig verkauft oder auch verschenkt. „Da gibt es verschiedenste Ideen“, sagt Kraus. Die Kunden hätten den Vorteil, dass ihr Kaffee günstiger werde – aber auch die Betriebe hätten Vorteile: nämlich weniger Kosten für Anschaffung und Müllentsorgung.

Die Gastronomen zeigen durchaus Interesse an den nachhaltigeren Coffee-to-go-Ansätzen. „Wir hielten das prinzipiell für eine gute Lösung“, sagt Wolfgang Binder, Spartenobmann der Kaffeehäuser der Wiener Wirtschaftskammer zur Austria Presse Agentur. Man müsse aber genau überlegen, wie so etwas umgesetzt werden könnte. In Sachen Pfandsystem müsse etwa geklärt werden, wie die Reinigung erfolge und auf welches Design man sich einigen könne. Konkrete Gespräche zwischen Rathaus und Wirtschaftskammer gebe es zwar derzeit nicht – man würde diese aber begrüßen. (ath)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2017)