Sally Potter schmeißt im Kino gerade „The Party“. Dort knallen keine Korken, sondern Ohrfeigen. Kino-Festivitäten bergen oft Katastrophenpotenzial – aber nicht nur. Fünf Einladungen zu famosen Filmfeten.
Project X
Von Nima Nourizadeh, 2012
Auf Netflix
Thomas Cub hat sturmfrei und will an seinem Geburtstag eine kleine Hausparty schmeißen – mit Betonung auf „klein“. Doch sein vifer Freund Costa weiß: Wer im Popularitätswettbewerb namens High School punkten will, muss klotzen, nicht kleckern. Also lädt er kurzerhand die ganze Nachbarschaft ein. Und das gemütliche Beisammensein mutiert in Nullkommanichts zur Sause des Jahrhunderts. Anfangs heißt das nur: Alkohol in Strömen, Gaudi in der Hüpfburg, Nacktbaden im Pool. Doch irgendwann wird auch die Vorstadtstraße zur Tanzfläche. Und ehe man sich's versieht, kippt der feucht-fröhliche Rummel in totale Anarchie – mit flammenwerfenden Psychopaten und Polizeihubschraubern am Nachthimmel. „Hangover“-Schöpfer Todd Phillips konzipierte „Project X“ als formales Experiment, eine Übertragung des Horror-affinen Found-Footage-Genres auf die Teenie-Komödie. Das Resultat bietet eine ziemlich außergewöhnliche Immersion in eskalierende Exzess-Panoramen, die überraschend authentisch anmuten – auch weil man nie genau weiß, ob sie nun abgefahren sind oder verstörend. Und obwohl sich die Handlung affirmativ gibt, bleibt am nächsten Morgen ein schaler Nachgeschmack. Amerika als Bosch-Gemälde, Hedonismus als Reifeprüfung der abgesicherten Mittelschicht, Ruhm als ultimative Belohnung.