„3“ greift A1-Telekom an

Ab jetzt Partner: Jan Trionow („3“) und Alfred Pufitsch (Tele2), v. l.
Ab jetzt Partner: Jan Trionow („3“) und Alfred Pufitsch (Tele2), v. l.(c) Hutchison Drei Austria GmbH/APA-Fotoservice/Godany (Jacqueline Godany)
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Mit der Übernahme von Tele2 fischt der chinesische Mobilfunker im lukrativen österreichischen Geschäftskundensegment.

Wien. Der große Coup liegt fünf Jahre zurück: Damals kaufte die chinesische Hutchison, mit der Marke „3“ schon als Mobilfunker auf dem österreichischen Markt tätig, den Konkurrenten Orange um 1,3 Mrd. Euro. Jetzt dreht sich das Konsolidierungskarussell wieder. Und wieder ist Hutchison an den Hebeln. Mit der Übernahme von Tele2 erweitern die Chinesen ihr Geschäft um das lukrative Segment der Firmenkunden – und nehmen damit den Marktführer Telekom Austria ins Visier.

Tele2, Ableger des in neun europäischen Ländern agierenden schwedischen börsenotierten Konzerns, bietet nämlich zuvorderst Festnetz, Bereitbandinternet, Daten- und Mobilfunkdienste für Unternehmen an. Eigenen Angaben zufolge ist jedes dritte heimische größere Unternehmen Kunde von Tele2. Insgesamt hat Tele2 hierzulande 217.000 Kunden und erzielte im Vorjahr mit 241 Mitarbeitern 115 Mio. Euro Umsatz und ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 19,3 Mio. Euro.

Der Kauf, der mit einem Preis von 95 Mio. Euro im Vergleich zur Orange-Übernahme ein Schnäppchen ist, lässt ein Unternehmen mit knapp einer Mrd. Euro Umsatz, 1500 Mitarbeitern und vier Millionen Kunden entstehen.

Damit ist der Abstand zur Telekom, die hier 5,4 Millionen Handy- und 3,4 Millionen Festnetzkunden hat und 2,6 Mrd. Euro umsetzt, immer noch gewaltig. Knapp wird es indes für die bisherige Nummer zwei: T-Mobile Austria hat laut dem Telekomregulator RTR einen Marktanteil von 29,5 Prozent, „3“ kam auf 26,8Prozent. „Sportliche Herausforderung, die T-Mobile gern annimmt“, twitterte T-Mobile-Chef Andreas Bierwirth prompt.

„Einzige Alternative“

Die Aufholjagd ist eröffnet – „wir sind die Herausforderer in einem hart umkämpften Markt“, sagte Tele2-Chef Alfred Pufitsch. Das dürfte die Kunden freuen – mehr Wettbewerb wirkt sich erfahrungsgemäß positiv auf die Preise aus.

„Durch die Übernahme schließen wir unsere letzten Angebotslücken und rücken damit nicht nur bei Privat-, sondern auch bei Geschäftskunden noch näher an die Nummer eins auf dem Markt heran“, sagte „3“-Chef Jan Trionow. „Für Großunternehmen sind wir künftig die einzige echte Alternative zum ehemaligen Monopolisten. Für die privaten Haushalte stellen wir sicher, dass es auch in Zukunft einen Preis- und Angebotswettbewerb im Festnetz geben wird.“ Der Zusammenschluss, der von der Bundeswettbewerbsbehörde genehmigt werden muss, soll beiden Unternehmen Wachstumschancen geben. Der Umsatzanteil mit Geschäftskunden steigt bei „3“ von zwölf auf 22 Prozent, mittelfristig sollen es 25 Prozent werden.

Tele2 ist seit 1999 hierzulande tätig. Mit der Übernahme der UTA Telekom 2004 und des Internetserviceproviders Silver Server 2011 wurde Tele2 der größte alternative Telekom-Komplettanbieter. 2005 wollte Tele2 den Mobilfunker One übernehmen – ihn kaufte freilich dann Orange, um später von Hutchison geschluckt zu werden. (eid)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2017)

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