FACC: Größter Kauf Chinas in Mitteleuropa

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Der oberösterreichische Flugzeugzulieferer FACC gehört nun Chinesen. Hauptgrund für deren Einstieg ist eine dringend benötigte Kapitalspritze von 40 Millionen Euro.

Wien (jaz).Dass österreichische Firmen in China Tochterunternehmen gründen, ist inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr. Dass ein Investor aus dem Reich der Mitte jedoch ein heimisches Unternehmen übernimmt, ist doch eine Novität. Entsprechend groß war daher am Donnerstag der Andrang im noblen Wiener Palais Pallavicini, als die bisherigen Eigentümer des oberösterreichischen Flugzeugzulieferers FACC den Kaufvertrag mit dem neuen chinesischen Eigentümer XAC unterschrieben. Die Entscheidung darüber ist bereits Anfang Oktober gefallen, „Die Presse“ berichtete.

„FACC hat sich in den vergangenen Jahren weit entwickelt. Mit der Produktion von Skiern wurde begonnen, heute ist das Unternehmen ein weltweit respektierter Zulieferer in der Flugzeugindustrie“, sagte Hannes Androsch, der künftig nur noch einen Minderheitsanteil an FACC halten wird. Bisher gehörte das Unternehmen zu je 48,125 Prozent Androschs Salinen und einer Treuhandkonstruktion von Androsch zusammen mit der Raiffeisenbank Oberösterreich sowie FACC-Chef Walter Stephan. Künftig wird XAC 91,26 Prozent der Anteile an der 1600-Mitarbeiter-Firma halten. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Deal ist aber der größte Kauf eines chinesischen Unternehmens in Mitteleuropa.

Kapitalspritze von 40 Mio. Euro

XAC will vor allem neue Chancen für FACC auf dem zukunftsträchtigen chinesischen Markt bringen, sagte XAC-Chef Meng Xiankai. Dazu gehören auch „Investitionen in der in Österreich beheimateten Produktion“ von FACC. Der Name und das Management sollen ebenfalls erhalten bleiben. Allgemein wird jedoch erwartet, dass einzelne Projekte künftig nach China wandern dürften, da FACC aufgrund des starken Euro zuletzt stark an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt hat.

Hauptgrund für den Einstieg der Chinesen ist jedoch die dringend benötigte Kapitalspritze von 40 Millionen Euro, die im Rahmen einer Kapitalerhöhung mit dem Verkauf einhergeht. „Wir (die bisherigen Eigentümer, Anm.) hatten nicht die notwendigen finanziellen Mittel“, sagt Androsch.

Das finanzielle Problem von FACC liegt im eigenen Geschäftsmodell. Das Unternehmen ist bevorzugter Lieferant der beiden großen Flugzeughersteller Boeing und Airbus. Grundsätzlich eine gute Sache. So hat FACC auch einen Auftragspolster im Volumen von rund 1,5 Milliarden Dollar (einer Milliarde Euro). Allerdings gab es in den vergangenen Jahren deutliche Verzögerungen bei den wichtigen Flugzeugprojekten Airbus A380 und Boeing 787. FACC musste die Forschungs- und Entwicklungskosten jedoch vorfinanzieren. In Summe machte dies eine Belastung von rund 110 Millionen Euro aus – FACC schrieb zuletzt rote Zahlen. Dieses Geld fließt erst dann zurück, wenn die Flugzeuge in großer Stückzahl gebaut werden. Dies soll beim A380 ab dem Jahr 2010 erfolgen.

Ende einer jahrelangen Suche

Die Kapitalstärke des Partners war daher ein Hauptkriterium bei der jahrelangen Suche. Ursprünglich überlegte man im Frühjahr 2007 sogar einen Börsegang. Die Pläne wurden jedoch wieder verworfen. Seither suchte FACC mit Hilfe der Deutschen Bank einen Investor.

Auf einen Blick

Der chinesische Konzern XACist der neue Eigentümer des oberösterreichischen Flugzeugzulieferers FACC. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, der Deal ist aber die größte Übernahme von Chinesen in Mitteleuropa. XAC will den Standort Österreich weiter stärken.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2009)

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