Drama, Baby, Drama!

Und zur Eröffnung eine Performance, natürlich. Aktionskunst dient in Wien gerade einmal als Cocktail-Schreck. Sonst ist sie unsichtbar. Wer will schon ewiger Narr am Vernissage-Hof sein? Mit der Tanzszene in einem Quartier konkurrieren müssen? Und sich dabei noch mit dem blutigen Ballast des Wiener Aktionismus abschleppen? Von diesem zermürbenden Vergleich erzählen zumindest junge Performer gern. Sie dürfen sich zur Zeit sicher fühlen – der Wiener Aktionismus, für den wir immerhin weltberühmt sind, ist museal schlicht nicht präsent in Wien, im Mumok abgehängt, im Belvedere in der Wartschleife aufs 20er Haus. Skurrilerweise hat gerade das Leopold Museum zwei, drei Brus-Fotos in die Dauerausstellung gestreut.

Schön blöd, dass Performancekunst international gerade als Wiederentdeckung der späten Nullerjahre gefeiert wird. Einerseits lässt uns die Krise sensibler werden für das Ephemere, Politische, Unbequeme. Andererseits sind theatralische Inszenierungen eine logische Folge eskapistischer Multimedia-Environments, die wir von Messen, Biennalen kennen.

Wien mit seiner Theater- und Aktionismustradition hätte bei diesem Revival historisch gesehen eine Rolle spielen können. Wien hätte zumindest versuchen können, eine Rolle zu spielen! Aber nein. Alles gehört New York. Hier findet die Performance-Biennale statt, bereitet das Museum of Modern Art eine Marina-Abramović-Retrospektive vor, wird Tino Sehgal im Guggenheim seine Statisten instruieren – „This is so contemporary, contemporary, contemporary“, ließ er sie schon 2005 im Deutschen Pavillon in Venedig singen. Selbst Linz wird zur Konkurrenz, mit einer großen Valie-Export-Ausstellung. Also bitte Wien – Drama, Baby, Drama!

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.12.2009)

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