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Deutschland: Sorge über undurchsichtigen Investor aus China

(c) REUTERS
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Demnächst soll der Konzern HNA den Flughafen Frankfurt-Hahn übernehmen. Auch bei der Deutschen Bank sind die Chinesen bereits Großaktionär. Wer hinter dem hoch verschuldeten Konglomerat steht, ist aber unklar.

Wien. Um wen handelt es sich eigentlich bei dem chinesischen Investor HNA? Diese Frage stellen sich mittlerweile viele. Etwa die Deutsche Bank. Mit knapp zehn Prozent ist der geheimnisvolle Konzern nämlich seit diesem Frühjahr ihr größter Aktionär. Auch das deutsche Bundesland Rheinland-Pfalz hat ein dringliches Interesse herauszufinden, wer hinter den Chinesen steht. Schließlich soll der Flughafen Frankfurt-Hahn in wenigen Tagen an HNA übergehen. Erst vor zwei Tagen hat die Europäische Kommission den Deal und damit verbundene Staatshilfen für den defizitären Flughafen abgesegnet.

Und das Land wünscht sich nichts mehr als einen reibungslosen Ablauf der Transaktion, hat es sich doch zuletzt in dieser Sache bis auf die Knochen blamiert. Stolz präsentierte das Land im Sommer 2016 den Käufer für den defizitären Flughafen Hahn. Doch den chinesischen Interessenten SYT kannte in China kein Mensch. Schließlich entpuppte sich SYT als reine Briefkastenfirma und nicht als seriöser Geschäftspartner. So etwas möge bitte nicht noch einmal passieren, so die Stoßgebete der rheinland-pfälzischen Regierungsmitglieder.

Banken auf Rückzug

Ob sie erhört werden? Die Bank of America ist von der Seriosität des global tätigen Konzerns jedenfalls nicht mehr überzeugt. Sie beschloss kürzlich, keinerlei Geschäfte mehr mit HNA zu machen. Und dafür hat das größte Kreditinstitut der Vereinigten Staaten gute Gründe. Auf die eingangs gestellte Gretchenfrage „Wer steckt hinter HNA?“ konnte die Bank trotz großer Bemühungen keine Antwort finden. In einem internen Mail, das der „New York Times“ vorliegt, erklärte Matthew Koder, der Asien-Chef der Bank of America, den Abbruch der Geschäftsbeziehungen mit der nicht durchschaubaren Aktionärs- und Konzernstruktur, dem diffusen Geschäftsmodell, zweifelhaften politischen Beziehungen und dem Fehlen jedweden Compliance-Verständnisses. So ist es für HNA offenbar kein Problem, Geschäfte mit Verwandten und Freunden der eigenen Topmanager zu machen. Investoren werden über diese Deals freilich nicht informiert. „Wir wissen einfach nicht, was wir nicht wissen, und deshalb sind wir nicht bereit, das Risiko einzugehen“, schreibt Koder.

Die Ratingagentur S & P schätzt das HNA-Konglomerat offenbar ebenfalls als unguided missile ein. Es stufte die Gruppe ab und bezeichnet ihr Geschäftsmodell als „hochriskant“. Tatsächlich lässt das Finanzierungskonzept aufhorchen: Um seine Übernahmen zu stemmen, setzte es Anteile von anderen Beteiligungen als Sicherheit für Kredite ein. Dabei werden auch Aktien verpfändet, die sich noch gar nicht im Firmenbesitz befinden.

Das riskante Treiben beobachtet seit geraumer Zeit auch die chinesische Finanzaufsicht mit Argusaugen. Schließlich soll HNA bereits mehr als 100 Milliarden Dollar Schulden haben. Doch nachdem Chinas Aufsicht öffentlich darauf hingewiesen hat, dass der Großinvestor ein massives Risiko für die Banken des Landes sei, ist deren Bereitschaft, HNA neue Kredite zu geben, abrupt gegen null gesunken.

HNA-Chef Tan irritiert

Doch zurück zu dem ungelösten Rätsel, wem HNA eigentlich gehört. Bisher nannte der Konzern den Chinesen Guan Jun als seinen größten Aktionär. Als Journalisten der „Financial Times“ den Milliardär an seiner Geschäftsadresse aufsuchen wollten, stießen sie allerdings auf einen Schönheitssalon mit dem Namen Oriental Aphrodite Beauty Spa. Adam Tan, der Vorstandsvorsitzende von HNA, erklärte daraufhin in einem Interview, Guan Jun hätte gar nie Aktien besessen, sondern „nur für uns gehalten“. Was das genau bedeuten soll, konnte er nicht erklären. Mittlerweile seien Juns Anteile an eine gemeinnützige Stiftung in New York übertragen worden, setzte er nach. Überdies habe HNA nichts zu verbergen. „Ich denke, wir führen unser Unternehmen legal.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2017)