Hundert Jahre lang gab es in der Mitte Europas eine völkerrechtliche Notlösung: ein Land namens Neutral-Moresnet. Umstritten war es durch sein Zinkbergwerk.
Napoleon, der leicht fror, liebte es, unterwegs in einer beheizbaren Zinkbadewanne zu entspannen. Das war auf anstrengenden Feldzügen ziemlich praktisch. Die Pariser Stadtplaner ordneten an, dass alle Dächer der Stadt aus Zink bestehen sollten. Das spottbillige Metall rostet nicht und lässt sich gut bearbeiten, freilich: Im Schmelzofen verträgt es keine allzu hohen Temperaturen, dann verdampft es und verschwindet mit den Verbrennungsgasen durch den Schlot. So haben es Schmiede und Gelehrte jahrhundertelang übersehen. Nur Paracelsus war schlauer als die Übrigen: Er nahm den Schmelzofen genauer unter die Lupe, und da die Kristalle, die er entdeckte, so spitz waren, nannte er seinen Fund lautmalerisch Zink. So oder so ähnlich wurde das Wort in alle Sprachen übernommen. Verschmolzen Zinkkristalle mit Kupfer, entstand aus der Legierung Messing, das war schon lang bekannt, Zink in Reinform hingegen tauchte in Europa erst im 18. Jahrhundert auf.
Ein Bergwerk genau an der Grenze
Plinius der Ältere, der Alleswisser der Antike, schrieb: In Germanien gibt es Zink (Cadmia). Er hatte recht. Die wichtigste Zinkgrube lag im alten Herzogtum Limburg in der Nähe der Städte Maastricht und Aachen, in einem Nest, das die Franzosen La Calamine und die Deutschen Kelmis nannten, und da man hier Bergbau betrieb, findet man auch oft den Namen Altenberg. Die Grube war so ergiebig, dass die Nachbarn ständig darum stritten. 1809 war man technisch endlich so weit, das reine Zink zu gewinnen, und so entstand hier die erste industrielle Zinkhütte der Welt. Das Jahrhundert des Zinks konnte beginnen: Dachrinnen, Gießkannen, Bottiche, Drähte, Schiffsrümpfe, überall wurde es gebraucht.