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Gefährliches Trinkwasser in Bad Pirawarth und Gaweinstal

Das Leitungswasser in Bad Pirawarth und Gaweinstal (Mistelbach) darf derzeit nicht getrunken werden.
Das Leitungswasser in Bad Pirawarth und Gaweinstal (Mistelbach) darf derzeit nicht getrunken werden.(c) REUTERS
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In zwei Gemeinden in Niederösterreich wurden im Trinkwasser gefährliche Bakterien gefunden. Eine Infektion kann tödlich sein.

Wien. Wer schon einmal einen Patienten gesehen hat, der sich mit dem Bakterium Pseudomonas Aeruginosa infiziert hat, wird dessen Geruch nicht vergessen. Das Bakterium sorgt für Entzündungen im ganzen Körper, die meist mit grünblauem Eiterausfluss und sehr unangenehmer Geruchsentwicklung einhergehen. Immer wieder führen derartige Infekte zum Tod, denn das Bakterium reagiert kaum auf Antibiotika und nur eingeschränkt auf Desinfektionsmittel. Neben Spitälern kämpfen derzeit auch die niederösterreichischen Orte Gaweinstal und Bad Pirawarth mit dem gefährlichen Bakterium. Dort wurde es am 25. Juli bei einer Routinetrinkwasserkontrolle entdeckt. Die Gemeinden haben eine gemeinsame Wasserversorgung aus vier Brunnen, die rund 5500 Einwohner versorgt.

Die Bürgermeister haben die Einwohner nun, einige Tage später, per Schreiben über die Probleme informiert. Ab sofort darf kein Leitungswasser mehr getrunken werden, ohne es vorher abzukochen. „Bei Säuglingen und Kleinkindern wird eine besondere Sorgfalt bei der Hygiene empfohlen“, heißt es. Weiters wird darüber informiert, dass man in das Wassersystem bereits Chlor eingebracht hat, um die Bakterien unschädlich zu machen. Wie lang das dauere, sei vorerst nicht absehbar.

Was in dem Schreiben nicht steht: Nicht nur das Trinken des Wassers ist gefährlich, sondern auch, wenn man damit duscht. Es reicht eine kleine Wunde, eine Entzündung – oder ein geschwächtes Immunsystem, um zu erkranken. „Mir haben die Experten vom Land Niederösterreich gesagt, man kann duschen gehen“, sagt Kurt Jantschitsch, ÖVP-Bürgermeister von Bad Pirawarth, auf „Presse“-Anfrage. Außerdem sei das Bakterium eigentlich nur für Schwerkranke gefährlich – immerhin sei dieses auch sonst natürlicherweise im Wasser zu finden. Kranke sollen das mit ihrem Arzt besprechen.

Duschen kann gefährlich sein

Mit einem hat der Bürgermeister recht: „Das Bakterium kommt natürlicherweise im Wasser vor – es ist also nicht so, dass das Wasser von außen verschmutzt wird, indem zum Beispiel jemand etwas hineingeschüttet hat“, sagt Regina Sommer, Leiterin des Instituts für Wasserhygiene an der Medizinischen Universität Wien. „Unter bestimmten Grenzwerten ist das Bakterium auch nicht gesundheitsgefährdend. Wenn es sich aber exzessiv vermehrt, dann kann es zu tödlichen Krankheiten führen.“

Vermehrung ist etwa dann begünstigt, wenn Leitungswasser länger in einer Wasserleitung oder einem Plastikschlauch steht. Dazu begünstige das derzeit warme Wetter die Vermehrung. Für die Gemeinden sei es nun eben essenziell herauszufinden, wo diese Vermehrung stattfindet, um diesen Ort zu desinfizieren. Das ginge etwa mit heißem Wasser ab 60 Grad – oder eben mit Chlor. Es könne allerdings mehrere Wochen dauern, bis das Wasser wieder rein sei.

Womit Jantschitsch nicht recht hat: Auch das Duschen kann zu Infektionen führen – so hat es auch in Österreich bereits Todesfälle von Babys gegeben, die in einem verseuchten Wasser gebadet wurden. Etwa dann, wenn sich eine abheilende Nabelschnur dadurch entzündet – und daraufhin der ganze Körper. Auch Ulrike Schauer, Leiterin der Abteilung der Umwelthygiene des Landes Niederösterreich, empfiehlt, mit dem Duschen vorsichtig zu sein. „Vor allem Personen mit Wundinfektionen, Atemwegserkrankungen, Harnwegsinfekten und Gehörgangsentzündungen ist vom Duschen sicherlich abzuraten.“

Personen mit Zahnfleischentzündungen sollten nur abgekochtes Wasser zum Zähneputzen verwenden. Stehendes Wasser in Pools oder Kübeln sollte gemieden werden. Schauer wünscht sich, dass seitens der Gemeinde dahingehend noch mehr Sensibilität geschaffen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2017)