Viele Beobachter prophezeien eine massive Geldentwertung, andere bleiben gelassen. Das Potenzial von Immobilien als Anlageform war Thema einer „Presse“-Expertendiskussion.
Sind Immobilien ein geeignetes Mittel gegen die Geldentwertung? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Diskussionsveranstaltung der „Presse“ am Mittwochabend in Wien. Doch die auf dem Podium besprochenen Themen gingen weit darüber hinaus: Wie wahrscheinlich ist eine Hyperinflation? Wie entwickelt sich der europäische Markt aus der Sicht der Anleger? Und wie steht eine österreichische Großstadt im internationalen Vergleich da?
Bevor man die besten Abwehrstrategien gegen Geldentwertung erörtert, ist naturgemäß zu klären, wie wahrscheinlich diese Geldentwertung überhaupt ist. Dabei gibt es zwei grundsätzliche Szenarien: Entweder man reduziert die Geldmenge, erhöht die Zinsen und blockiert so jede Gefahr einer Inflation – und bremst zugleich die Konjunktur massiv ab. Oder man nimmt eine gewisse Inflation in Kauf, damit die ersten Zeichen wirtschaftlicher Erholung anhalten. Bernhard Felderer, Direktor des Instituts für höhere Studien, gab sich hier betont gelassen. „Die Entwicklung einer Inflation hat die Europäische Zentralbank fest in der Hand, und die EZB folgt der Tradition der Deutschen Bundesbank. Wenn die Inflation ansteigt, werden Sie sehen, dass die Notenbank reagieren wird. Wie sie das tut, ist offen. Ich halte es für möglich, dass sie eher die Konjunktur gefährdet, als eine starke Inflation zuzulassen.“
Christoph Kraus, Vorstand der Privatgeschäftsbank Kathrein & Co., war da ganz anderer Meinung. „Ich teile die Ängste, die viele Kunden haben. Es ist genauso möglich, dass die Situation entgleitet. Ich weiß nicht, wie die derzeitigen Staatsschulden zu bedienen sind, und halte es für bedenklich, dass die Republik Österreich gleich hohe Margen zu zahlen hat wie wir als marktwirtschaftliches Unternehmen.“ Auch Johann Kowar, Direktoriumsvorsitzender des Immobilienunternehmens conwert, sieht die kommende Entwicklung eher skeptisch. „Wir haben gelernt: Wenn man die Geldmenge vergrößert, dann kommt die Inflation. Ich bin nicht der Einzige, der eine Geldentwertung fürchtet. Die Flucht in Sachwerte ist nicht zu übersehen – Stichwort Gold.“
Gold: nur bedingt zu empfehlen
Damit war das Gespräch beim zweiten großen Thema des Abends: geeignete Anlagestrategien gegen mögliche negative Einflüsse. Alle drei Experten waren sich darin einig, dass es hier keine einzig selig machende Anlageform gibt. „Immobilien sind eine Möglichkeit – aber bitte nicht nur Immobilien“, meinte etwa Kraus. Ihr Schutz vor einer Inflation sei begrenzt: „Bei einer Hyperinflation können Immobilienpreise runtergehen, denn das Erste, was steigt, sind die Zinsen. Und hohe Zinsen sind Gift für Immobilien.“ Ebenso sei bei Gold vor allem der Zeitpunkt des Kaufs entscheidend. Bei einem Einstieg 1972 ergäbe sich heute eine Verzinsung von drei Prozent. Seit 1980 dagegen komme eine negative Verzinsung von einem Prozent heraus.
Kowar stellte sich als Vertreter der Branche auf die Seite der Immobilieninvestoren. Auch wenn die globale Krise auf dem Immobilienmarkt ihren Ausgang nahm, Dubai kriselt und sich in China die nächste Blase aufbläht, biete der österreichische Markt eine hohe Wertbeständigkeit. Zudem sei conwert umfangreich in den deutschen und teilweise auch in den Schweizer Markt investiert. „In den letzten zwei Jahren haben wir für unsere Kunden eine Cash-Marge von 26 Prozent erzielt. Der Wohlstand in diesen Ländern Europas wird bleiben, und wegen des Zuzugs sind wir auch demografisch gut aufgestellt.“
Kowar erwartet mittelfristig einen moderaten Preisanstieg. Als Beispiel nannte er Wien: Die Nachfrage nach Wohnraum innerhalb des Gürtels halte an. Der Bedarf liege bei 9000 Wohnungen pro Jahr, doch produziert werden nur 4600. Steigende Scheidungsraten und der Trend zur Singlewohnung treiben die Nachfrage weiter in die Höhe.
Die grundlegende Frage, was denn nun für einen Anleger der richtige Weg sei, beantwortete Kraus angesichts der Unsicherheiten des Marktes mit einer Anlehnung an Sokrates: „Wir wissen, dass wir nichts wissen. Aber wir haben das Know-how, wie man sich verhält, wenn man nichts weiß.“ Dann empfahl der Banker, maximal fünf Prozent seines Vermögens in Gold zu investieren. Rohstoffe seien etwa besser geeignet als das gelbe Edelmetall. Als zuverlässiger Schutz seien auch inflationsgeschützte Anleihen sinnvoll. Schließlich sei empfehlenswert, 25 bis 30 Prozent des Portfolios in Immobilien zu investieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2009)