Unzufriedene Alte murren: Die Spitzenpolitiker sind viel zu jung, Erfahrung zählt in diesem Land nicht mehr. Welch ein Irrtum!
Unsere seit Jahren in stetigem Wachstum befindliche Seniorengruppe im „Gegengift“, die in diesem Sommer enthemmte Leidenschaft für die junge EM-Sportart Damenfußball entwickelt hat, schockierte in einer der Spielpausen folgende Meldung: Josef Cap wird auf der Bundesliste der SPÖ nur noch auf Platz 33 gelistet. Parbleu! Das ist doch mindestens so schlimm wie der angeblich vollzogene Verzicht der ÖVP auf die Expertise von Fritz Neugebauer oder eine Wahlliste der FPÖ, in der Altobmann H.-C. Strache hinter der pannonischen Kraft Norbert Hofer gereiht würde. An die SPÖ, die ja immerhin eine Traditionspartei ist, hätten einige Pensionisten in meiner Gruppe deshalb gern 33 Fragen gerichtet, die um folgendes Problem kreisen: Soll man sich wirklich dreist auf junge Mandatare verlassen, die wegen der Ungnade der späten Geburt nicht gegen den Vietnam-Krieg protestieren konnten? Die glauben, ein Sit-in wäre eine sonderbare Form des Chillens? Alle Parteien setzen derzeit offenbar eher auf Spätpubertäres als auf lange Erfahrung. Aber vielleicht täuscht das.
Von solch greisenhafter Raunzerei möchte ich mich nämlich bewusst abgrenzen. Es war nicht alles schlecht, was sich die Jungen bisher geleistet haben. Im Gegenteil! Die Geschichte spricht für sie. Selbst 30-Jährige haben lichte Momente. Und wenn man sich an großen historischen Figuren orientiert, dann ist dem unteren Alterslimit für Weltpolitik keine Grenze gesetzt.