Staatsanleihen: Republik nimmt 2010 bis zu 25 Mrd. Euro auf

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Das geplante Emissionsvolumen ist kommendes Jahr deutlich geringer als 2009. Ein Großteil der Anleihen diente der Umfinanzierung.

WIEN (ag./red.). Österreich plant, 2010 Bundesanleihen mit einem Volumen von 21 bis 25 Mrd. Euro zu begeben. Die erste Emission soll nach Angaben der Bundesfinanzierungsagentur (ÖBFA) am 12.Jänner stattfinden. Die Republik ist damit traditionsgemäß unter den ersten Emittenten am Kapitalmarkt. Jeden Monat ist eine weitere Emission geplant. Nur der Termin im August ist bloß zur Reserve.

Mit dem geplanten Volumen von bis zu 25 Mrd. Euro liegt Österreich deutlich unter dem Emissionsvolumen von 2009. Heuer hat die Republik bisher 33,15 Mrd. Euro aufgenommen, um das Haushaltsdefizit zu decken beziehungsweise um Umschuldungen vorzunehmen. Schließlich muss Österreich heuer ein wachsendes Haushaltsdefizit finanzieren. Ein Großteil der Anleihen diente aber der Umfinanzierung.

Österreich wird bei sämtlichen Ratingagenturen mit der höchsten Bonität eingestuft. Allerdings ist die Finanzierung vor gut einem Jahr deutlich teurer geworden, da Investoren Angst hatten, dass die Republik für das Engagement der Banken in Mittel- und Osteuropa geradestehen müsse. Der Renditeabstand zu den führenden deutschen Bundesanleihen ist auf bis zu 140 Basispunkte (1,4 Prozentpunkte) gestiegen. Mittlerweile wird das Risiko wieder geringer eingeschätzt.

Der Spread hat sich auf etwa 30 Basispunkte verringert, liegt damit aber noch immer klar über dem langjährigen Schnitt von 15 Basispunkten. Erst Ende November wurde eine für Anfang Dezember geplante Emission einer Bundesanleihe abgesagt. Die ÖBFA begründete das mit einem „geringeren Finanzierungsbedarf“.

Wie die meisten Staaten der Eurozone hat auch Österreich 2009 die Defizitkriterien für den gemeinsamen Währungsraum verpasst. Die Neuverschuldung aller Haushalte dürfte bei 3,5 Prozent des BIPs liegen, nächstes Jahr dürfte sie auf knapp fünf Prozent wachsen. Der Schuldenberg wächst. Ende 2008 hatte die Republik 160 Mrd. Euro Schulden, das entspricht etwa 62Prozent des BIPs. Bis Ende November 2009 hat sich die Schuldenlast der Republik auf 170,17 Mrd. Euro erhöht. Wirtschaftsforscher erwarten, dass die Verschuldung bis Ende 2011 auf weit über 70Prozent des BIPs wächst.

Defizite bringen hohe Anleihenvolumen

Die Kapitalmarktexperten der Erste Group erwarten, dass es 2010 aufgrund der wachsenden Budgetdefizite zu massiven Emissionen von Staatsanleihen kommen wird. Die Euroländer werden in Summe etwa 600 Mrd. Euro an Anleihen auf den Markt bringen, die USA planen die Neuemission von Staatsanleihen mit einem Volumen von 1400 Mrd. Dollar (928 Mrd. Euro) im Jahr 2010.

Dazu sollen noch etwa 200 Mrd. Euro von auf Euro lautenden Unternehmensanleihen kommen. Das Jahr 2009 hat bereits ein Rekordvolumen von bisher 284 Mrd. Euro an Euro-Unternehmensanleihen gebracht. Österreichische Unternehmen haben 5,1 Mrd. Euro über Anleihen aufgenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.12.2009)

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