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Gold bleibt gefangen im Seitwärtstrend

Die Goldminen melden für das Edelmetall starke Verkaufsrückgänge im ersten Halbjahr. Besserung ist nicht in Sicht.

Goldauguren sehen in regelmäßigen Abständen die Renaissance des Edelmetalls kommen. Aber die Realität will sich an die freundlichen Prognosen nicht so recht halten. Nach einem kurzem Aufschwung zu Jahresbeginn (dem im vergangenen Herbst allerdings ein knackiger Absturz vorangegangen war), mäandert die Goldnotierung seit dem frühen Frühjahr in einem Preisband zwischen 1220 und 1280 Dollar je Feinunze seitwärts dahin. Auf jeden kleinen Aufschwung folgt der nächste kleine Rückgang.

Für Goldanleger aus dem Euro-Raum sieht es wegen des jüngsten Kursanstiegs der Eurowährung noch ein bisschen betrüblicher aus. Dort ist das seit dem Juli des Vorjahres bestehende sehr breite Seitwärtsband zwischen 1100 und 1200 Euro je Feinunze soeben nach unten durchbrochen worden. So wenig wie jetzt, nämlich rund 1060 Euro je Feinunze, hat man für Gold zuletzt Anfang 2016 bekommen. Aus Sicht europäischer Goldanleger waren die vergangenen eineinhalb Jahre also eine ziemliche Nullnummer.

Daran wird sich so bald auch nichts ändern. Denn das Edelmetall ist derzeit nicht sonderlich begehrt. Für das erste Halbjahr haben die Goldminen einen Absatzrückgang um 14 Prozent berichtet, wobei sich dieser Rückgang im zweiten Quartal noch beschleunigt hatte. Die relative Goldpreisschwäche hat also keine spekulativen Gründe. Es ist einfach die Nachfrage nach physischem Gold eingebrochen. Schuld daran war vor allem, dass Notenbanken und vor allem Goldfonds ihre Ankäufe deutlich eingeschränkt haben. Vor allem die zahlreichen goldbasierten Exchange Traded Funds (ETFs) mussten ihre Goldankäufe mangels Anlegerinteresses recht kräftig zurückfahren.

Wie geht es jetzt weiter: Charttechniker zeigen sich relativ optimistisch, dass der Goldpreis in absehbarer Zeit innerhalb des Seitwärtsbandes wieder höhere Werte erklimmt beziehungsweise auf Eurobasis wieder in die bestehende Seitwärtszone zurückfindet. Nach unten, sagen die Chartisten, sei der Goldpreis nämlich auf dem bestehenden Niveau recht gut abgesichert.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Notierung selbst bei Eintritt dieser Prognosen bestenfalls seinen bestehenden Seitwärtskurs beibehält. Aus mittelfristigen Anlagegesichtspunkten zeigt das Edelmetall derzeit also reichlich wenig Glanz. Ein wirklicher Aufschwung auf alte Höhen ist nicht zu erkennen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.08.2017)