Ronald Leitgeb: Ein Mann der klaren Worte

Ronald Leitgeb
Ronald Leitgeb(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Walter Luger)
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Manager Ronald Leitgeb nimmt sich im Interview mit der "Presse" kein Blatt vor den Mund. Er rechnet mit Funktionären und Präsidenten ab, schämt sich für Thomas Muster und sieht Markus Rogan im Aufwind.

Mit Thomas Muster wurden Sie zu einem der bekanntesten Sportmanager Österreichs. Wie verstehen Sie sich heute mit ihm?

Ronald Leitgeb: Gar nicht, wir haben keinen Kontakt.

Wären Sie heute noch sein Betreuer, hätte er gegen Sybille Bammer spielen dürfen?

Wir haben vor zehn Jahren unsere Zusammenarbeit beendet, und ich habe mich seitdem nie in die Arbeit meines Nachfolgers eingemischt. Jetzt war es das erste Mal, dass ich zu Herwig Straka gesagt habe, dass ich mich für so eine Aktion schäme. Das war ein Kirtagszauber! Das ist einer ehemaligen Nummer 1 der Welt nicht würdig!

Mit dem Erfolg von Nikolaj Dawydenko beim ATP-Tour-Finale in London stehen Sie wieder im Tennis-Rampenlicht. Wie groß ist Ihr Anteil als Manager?

Ich glaube, dass das Selbstwertgefühl eines Sportlers vor allem vom Publikum abhängt, das ihn auf dem Weg zu seinen Erfolgen begleitet und anfeuert. Da gehört aber ein Manager dazu, der im Vorfeld alles für seinen Schützling getan haben sollte. Das klingt banal, ist aber so. Niko war immer ein Topspieler, nur passte das Umfeld nicht. Das habe ich verändert.

Spielen Sie da auf den Wettskandal von Sopot an, in den Dawydenko im Vorjahr verwickelt gewesen sein soll?

Ja. Eigentlich wollte ich nach sechzehn Jahren mit Thomas Muster und Andrea Gaudenzi nichts mehr in der Branche unternehmen, aber dann hat er mich um Hilfe gebeten. Das Problem war auch, dass er bei keiner Agentur wie IMG oder Octagon war, die für ihn alles regelt. Er war daher schnell der Prügelknabe. Ich habe aber Erfahrung als Einzelkämpfer. Mit dem Skandal hatte er nichts zu tun – mit Glücksspiel oder Casinos hat er nichts am Hut. Da gibt es andere Tennisspieler, von denen die Croupiers in der Kärntner Straße heute noch schwärmen.

Seit dieser Affäre aber hat man den Eindruck, Dawydenko spielt besser denn je.

Nach dem gewonnenen Verfahren gegen die ATP habe ich ihn zu Interviews begleitet, damit klar wird, was für ein Mensch er ist. Dadurch wandelte sich der Gesamteindruck, die negative Stimmung kippte. Er konnte befreit aufspielen. Er ist reingewaschen und heute ein respektierter Sportler.

Wie groß ist die Chance, dass er doch eines Tages für Österreich im Daviscup spielt? Es wurde ja an eine Einbürgerung gedacht.

Null! ÖTV-Präsident Ernst Wolner wollte es nicht. Er gab lieber in der heißen Phase des Skandals Interviews, dabei hätte er da Flagge zeigen können.

Wer sind die besseren Sportler: Exzentriker oder Langweiler?

Es gab immer zwei Kategorien von Sportlern, bleiben wir aber im Tennis. Es gab solche, die aufgrund ihrer extrovertierten Art faszinierten. Das begann bei Connors, McEnroe, Borg. Dann gab es introvertierte Spieler wie Ivanisevic oder Sampras, die waren still, aber auf dem Platz auch super. Jede Generation hat ihre Ausnahmekönner, in jeder Sportart. Es kommt auf den Charakter an. Wie will man sich zeigen, wer ist man? Wer aber der bessere Spieler ist, traue ich mich nicht zu sagen.

Beliebtheit hängt also nur vom Erfolg ab?

Wäre Roger Federer so populär, wenn er nicht so viel gewonnen hätte? Würden wir ihn nicht ansonst für den typischen faden Schweizer halten? Die Siege machen den Unterschied. Das war auch bei Muster so. Da hieß es anfangs noch, der kann nur blöd draufhaufen. Mit den Erfolgen war das Gerede vorbei.

Was müssen Manager machen, wenn Schützlinge in heikle Situationen schlittern? Nehmen wir Tiger Woods oder Markus Rogan. Ist es richtig, nur zu schweigen?

Mein Vater war Psychologe. Er hat mich gelehrt, dass die mentale Komponente die wichtigste ist. Du musst dem Sportler sofort Lösungen präsentieren, vor allem für den öffentlichen Umgang. Du musst für ihn da sein. Wie soll er sonst da rauskommen? Markus habe ich zu den Vorfällen in Rom Redeverbot erteilt. Da wurde zu viel geschrieben.

Sein Image war zerstört. Wurde deshalb der Raiffeisen-Sponsorvertrag nicht verlängert?

Wenn Markus nächste Woche in Istanbul Europameister wird, ist unser Konzept aufgegangen. Es wäre mir ein besonderer Genuss, zu wissen, was sich so mancher Herr dann denkt. Man muss zu jemandem auch in der Krise stehen. Mit allem, was dazugehört.

Wie hat Rogan den Vorfall verarbeitet?

In der Außenwirkung gut, innen aber noch lange nicht. Das hat nichts mit „Jetzt erst recht“ zu tun. Es ist die Kunst,zum richtigen Zeitpunkt wieder mit sich selbst im Reinen zu sein.

Auch zum Ende des Kitzbühel-Turniers gibt es unterschiedliche Meinungen. Wie ist Ihre?

Ich ärgere mich. In Hochzeiten kamen in Kitzbühel – bei freiem Eintritt – 21.000 Zuschauer pro Tag. Aber das Konzept gefiel dem Klub nicht mehr. Jetzt ist das Turnier in Nizza, ich habe meine Lizenz vermietet. Für mich ist es ein risikoloses Geschäft. Meine Frau hat es gut formuliert: „Warum bist du so deppert? Wenn sie es in Österreich nicht wollen, sollen sie es lassen.“

Tennisturniere und Formel 1 sind weg, Olympia bleibt ein Wunschkonzert. War die Euro unser letztes Großereignis?

In gewissen Sportarten haben wir in Österreich nicht realisiert, wie professionell im Ausland gearbeitet wird. Da sind Super-Apparate dahinter, wie bei der ATP, Fifa, Uefa oder dem ÖSV. Peter Schröcksnadel schätze ich daher sehr. Es gibt wenige in Österreich, die dieses hohe Maß an Professionalität haben. Salzburgs Bewerbung oder Senza Confini 2006 waren dilettantisch!

Wessen Schuld ist das?

Kleine Funktionäre. So war es auch in Kitzbühel. Schade, das war ja kein Kinderfest auf der Skiwiese. Viele Funktionäre in Österreich haben den Tunnelblick. Das sind Kleingärtner.

Wie sieht für Sie ein typischer Sonntag aus, wenn Sie nicht arbeiten müssen?

Golf, Tennis, Ski – ich habe immer etwas mit Sport zu tun.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2009)

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