ÖOC: Über Sport, Macht und Politik

The Imperial State Crown
The Imperial State Crown(c) REUTERS (Toby Melville)
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Bei der Besetzung der höchsten Sportämter des Landes spielen parteipolitische Interessen mit. Vor der Wahl des neuen Vorstandes des Österreichischen Olympischen Comités spitzt sich der Wahlkampf zu.

Einige ehemalige Spitzensportler machen sich Sorgen um den österreichischen Sport. Das weiß auch Karl Stoss, der Casinos-Austria-Generaldirektor und Lotterien-Geschäftsführer, im Oktober zum Präsidenten des Olympischen Comités (ÖOC) gewählt. Sein Vorgänger Leo Wallner hat ihm einen ziemlichen Trümmerhaufen hinterlassen, die Aufräumarbeiten gestalten sich mehr als schwierig. Es gibt jede Menge offener Fragen, noch keine Antworten. Mit Wallner ist auch der ÖOC-Vorstand geschlossen zurückgetreten, niemand weiß, was die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in Sachen Salzburger Olympiabewerbung für die Winterspiele 2014 noch ans Tageslicht befördern werden. Die Absegnung der neuen Statuten wurde bereits auf März 2010 verschoben.

Einige ÖOC-Vorstände mussten zum Rücktritt mehr oder weniger freundlich gezwungen werden, weil die Sesselkleber auch im heimischen Sport daheim sind. Damit haben sich die „Reformer“ nicht nur Freunde gemacht. Es geht um Macht und Einfluss, auch wenn es nur um die vielleicht schönste Nebensache der Welt geht.

Karl Stoss sollte die Gelegenheit gegeben werden, sich seine neue ÖOC-Familienmitglieder selbst auszusuchen. Aber den Vorstand wählen die ordentlichen Mitglieder laut Statut, das ist Sache des Wahlausschusses und Aufgabe der Hauptversammlung. Auf der Wunschliste befinden sich mittlerweile zwischen 30 und 50 Kandidaten, über die Zusammensetzung des neuen ÖOC-Vorstandes herrscht Uneinigkeit. Mit ein Grund, warum die Wahl kurzerhand verschoben wurde. Nicht auf die ganz lange Bank, aber immerhin um einen Monat auf 18. Dezember.

Mit der Verschiebung der Vorstandswahl wurde ungewollt auch der inoffizielle Wahlkampf verlängert. Und ehemalige rot-weiß-rote Olympiasieger sehen nun die Gefahr, dass die angekündigte Entpolitisierung des Österreichischen Olympischen Comités nur ein Wunschdenken oder Lippenbekenntnis war. Karl Stoss liegt als Präsident jedenfalls seit einigen Wochen eine Petition vor, die vor unverhältnismäßigem Eingriff der Politik warnt. Der „verstaatlichte Sport“ müsse entwirrt werden und wieder Angelegenheit von Fachmännern werden.


Dachverbänden den Kampf angesagt. Kaum ein heimischer Funktionär ist politisch nicht punziert, das bringen jahrzehntelange Tradition und die Organisation des Sports in Österreich mit den drei Dachverbänden mit sich. Die Mitgliedschaft der Dachverbände im ÖOC färbt unweigerlich ab, und dem Vernehmen nach denkt Stoss an einen nahezu revolutionären Plan. Der Casinos-Chef kann sich die neuen Entscheidungsträger im ÖOC sehr gut ohne gewichtigem Mitspracherecht von Union und Askö vorstellen.

In der Basis regt sich Widerstand, weil man Pfründe verteidigen will. „Es ist erst die Fülle der Ämter, die einen Funktionär mächtig macht“, sagt Anton Innauer in einem „Presse“-Interview. Die Multifunktionäre aber sind es in der Regel, die sich gegen Reformen aussprechen und gegen Entflechtung ankämpfen. Das Match zwischen Karl Stoss und den alten Vorstandsmitgliedern verspricht, ein spannendes zu werden. Die Entpolitisierung des österreichischen Sports wird aber auch dem neuen ÖOC-Präsidenten nicht leicht gelingen. Schon die Bestellung des neuen Generalsekretärs – der Posten ist bereits ausgeschrieben – wird richtungsweisend.

Längst versuchen die Fachverbände, ihre Kandidaten in Stellung zu bringen, das nimmt zum Teil seltsame Ausmaße an. Der Handball-Bund wollte mit Rudolf Hundstorfer den amtierenden Sozialminister (SP) ins ÖOC-Rennen schicken. „Aktive Politiker – das geht nun wirklich nicht“, sagt Karlheinz Kopf, der ÖVP-Klubobmann. Auch dann nicht, wenn er einst selbst aktiver Handballer war und Wiener Verbandspräsident ist. Auch bei einer Vera Lischka (SP) gehen die Meinungen auseinander.


Peter Schröcksnadels Comeback. Mehr Beachtung wird allerdings der Entscheidung geschenkt, ob Peter Schröcksnadel wieder in die ÖOC-Familie aufgenommen wird. Nach der Dopingaffäre von Turin hat sich der streitbare ÖSV-Präsident verbittert zurückgezogen, jetzt, wo er sich mit seinen Feindbildern Leo Wallner und Heinz Jungwirth nicht mehr auseinandersetzen müsste, spitzt der mächtige Tiroler auf eine Rückkehr. Und zwar als Vizepräsident.

Karlheinz Kopf will sich dazu offiziell nicht äußern. Er hat all seine Sportämter zurückgelegt, nur dem Altacher Fußball-Verein greift er noch unter die Arme. Aber auch an der Bestellung des ÖFB-Präsidenten war der Vorarlberger nicht unbeteiligt. Wobei Kopf behauptet, dass dies nichts mit parteipolitischen Interessen zu tun gehabt habe. „Leo Windtner war einfach der bessere Kandidat.“ Günter Kaltenbrunner, der ehemalige Internationale und Angestellte der Zentralsparkasse bzw. Bank Austria, hatte das Nachsehen.


Verärgerte Sponsoren. Zuletzt witterte Rudolf Edlinger anlässlich der Fußball-Bundesliga-Präsidentenwahl parteipolitische Interessen. „Offenbar darf ein Sozialdemokrat nichts werden“, fauchte der ehemalige SP-Finanzminister und Rapid-Boss, nachdem sein Wunschkandidat und tipp3-Vorstandsvorsitzender Hoscher keine Mehrheit bei den Vertretern des Spitzenfußballs gefunden hat. Dass Hans Rinner am Montag zum neuen Bundesliga-Präsidenten gekürt werden soll, das hatte aber laut ÖVP-Klubobmann Karlheinz Kopf mit der hohen Politik nichts zu tun. „Das war ein Match Groß gegen Klein.“ Salzburg: Rapid und Austria gegen den Rest der Liga, das führte nicht zum Erfolg, aber dazu, dass der Hauptsponsor der obersten Spielklasse verstimmt ist. Der Geldhahn bleibt dennoch aufgedreht.

Über Inhalte und Konzepte wird im österreichischen Sport selten diskutiert, was wiederum in erster Linie die Verhinderer auf den Plan ruft und ihnen oft die Gelegenheit für ein leichtes Spiel gibt. Auch Norbert Darabos (SP) stößt als umtriebiger Sport- und Antidopingminister an seine Grenzen. Die Trennung von Politik und Sport ist ihm in seiner nun zehnmonatigen Amtszeit trotz aller Bemühungen auch noch nicht gelungen. Auch räumlich nicht. Denn seine Sektion sitzt in Wien noch immer im längst abgewohnten „Haus des Sports“. Was wiederum irgendwie ins rot-weiß-rote Bild passt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2009)

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