Der erste Entwurf der Moschee von Bad Vöslau mit 25 Meter hohen Minaretten sorgte für Proteste. Mit dem Kompromiss von Werner Kosa kehrte nun Ruhe ein.
„Ich habe das eine oder andere Einfamilienhaus für türkische Familien geplant“, sagt Werner Kosa. Das war es auch schon. Mit der Religion der Zuwanderer oder gar dem Gedanken an Moscheen hatte der Architekt aus Bad Vöslau sich nie wirklich intensiv beschäftigt. Bis vor drei Jahren, als plötzlich Vertreter des türkischen Vereins Atib in seinem Architekturbüro auftauchten. Mit der Frage, ob er für sie nicht ein neues Kulturzentrum und Gebetshaus planen wolle.
Mit dabei hatten sie den Entwurf eines türkischen Architekten – klassisch osmanisch, mit Kuppel und zwei 25 Meter hohen, frei stehenden Minaretten. Auf dieser Grundlage sollte die Moschee entstehen – nur eben angepasst an die österreichischen Gesetze und Bauvorschriften.
Kosa überlegte nicht lange und sagte zu. Die Chance, ein solches Gebäude zu planen, gibt es schließlich nicht jeden Tag. Doch eines war klar– leicht würde es nicht werden. Denn sobald die Pläne des Vereins öffentlich wurden, regten sich Proteste, wurden rund 1600 Unterschriften gegen den Neubau gesammelt. Konzentriert entlud sich der Zorn auf die geplanten Minarette. „Die Türme waren aber wohl vor allem ein Vorwand, um Ausländerfeindlichkeit dahinter zu verstecken“, meint der Architekt. Gegen ein Bauwerk könne man eben leichter auftreten als gegen Menschen.
Friedliche Oase. Dabei war es nicht so, dass die bisher friedliche Oase Bad Vöslau plötzlich von Muslimen überschwemmt wurde. Schon seit Jahrzehnten leben in der Stadtgemeinde türkische Familien, vor allem im Bahnhofsviertel, wo sie auch schon in einem kleinen, halb verfallenen Gebäude ein Kulturzentrum betreiben. Und genau neben dem alten Gebetshaus sollte schließlich die neue Moschee errichtet werden.
Die nächsten Monate waren eine anstrengende Zeit. Für Bad Vöslau, wo die Wogen der Empörung immer wieder hochgingen, Bürgermeister Christoph Prinz ein Mediationsverfahren einleitete – und Architekt Kosa rund 30 neue Varianten für den Bau zeichnete. In zähen Verhandlungen wurde um die Höhe der Minarette gefeilscht – bis von den ursprünglichen 25 Metern nur mehr knapp die Hälfte übrig war. Als weiteres Zugeständnis wanderten die Türmchen in den Innenhof, wo sie von außen kaum mehr sichtbar sind.
Am Ende blieb von den Entwürfen des türkischen Architekten nicht mehr viel übrig. Das neue Kulturzentrum zeigt sich als moderner Zweckbau, der von außen kaum vermuten lässt, dass hier ein muslimisches Gebetshaus steht. Kosa erzählt von einer Journalistin, die er für eine Führung treffen sollte – und die das Zentrum nicht fand. Als sie hinter einem Glasfenster einige Menschen Tee trinken sah, ging sie hinein. Und erst dann merkte sie, dass sie das Kulturzentrum gefunden hatte.
Nicht nur beten. Kulturzentrum, das ist übrigens ein viel passenderer Begriff für das Gebäude als das Reizwort Moschee, schließlich nimmt der Gebetsraum nur rund ein Viertel der Fläche ein. Der Rest: ein Teehaus, ein kleines Restaurant, Büros und ein Keller, der für Veranstaltungen genutzt werden kann – und in dem die Jugendlichen zwischendurch einfach Tischfußball spielen. Ein Zweckbau wie viele andere in Österreich auch. Nur wenn die Besucher den Gebetsraum betreten, zeigt sich der orientalische Einfluss. Prachtvolle Kalligraphien, ein riesiger Luster, der Raum voll ausgelegt mit einem Teppich. Am Kopf das Raumes der Mihrab, die Nische, in der der Imam die Gebete spricht, rechts davon eine hölzerne Minbar, die Kanzel, von der aus die Predigt gehalten wird. Klassisch, wie fast in jeder Moschee.
Wenn die Gläubigen hier am Freitag zum Gebet zusammentreffen, regt das kaum mehr jemanden auf. Viele Ängste wurden längst beseitigt. „Mit dem neuen Kulturzentrum ist die Hinterhofmentalität verschwunden“, meint Kosa. Durch das Mediationsverfahren habe man einander kennengelernt. Man verbinde mit dem Islam weniger eine fremde Religion, als vielmehr Gesichter von Menschen. Dementsprechend sind es bei Weitem nicht nur Muslime, die hierherkommen. Immer wieder schauen Einheimische vorbei, lassen sich von den stolzen Hausherren durch das Gebäude führen. Und, noch ein Nebeneffekt, das alte Industrieviertel sei durch den Bau auch noch aufgewertet worden – so wurde etwa die Straße neu gemacht.
Jederzeit wieder. Wenn Werner Kosa im Zentrum vorbeikommt, wird er freudig begrüßt. Er, der mit dafür gesorgt hat, dass die Muslime von Bad Vöslau nun ein würdiges Zentrum haben. Der damit aber auch ein gewisses Image bekommen hat. „Wie fühlt man sich als Mutter vom Moscheebauer?“, wurde seine Mutter etwa bei einer Veranstaltung gegen das Kulturzentrum gefragt. Der Großteil der Reaktionen sei allerdings „nicht unbedingt negativ“, meint Kosa. Und sollte er wieder einmal eine Anfrage für einen Moscheebau bekommen – er würde es wieder tun.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2009)