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Drück auf unsere Tränendrüsen, Sisi!

Der neue Fernsehfilm über Kaiserin Elisabeth folgt der Fassung mit Romy Schneider und wird vor allem den Fremdenverkehr erfreuen. Martina Gedeck brilliert als Sophie.

Kaiserappartements und Sissi-Museum in Wien verzeichnen jährlich 600.000 Besucher. Zu einschlägigen Gedenkstätten in Bayern, Italien, Ungarn und in der Schweiz lockt eine „Sisi-Straße“. Die österreichische Kaiserin war nicht nur der letzte Trumpf der Habsburgermonarchie, sie befeuert bis heute den Tourismus. Vor allem junge Mädchen schwärmen für Sisi.

In der Hofburg freut man sich schon auf den Schub, den der neue TV-Film bringen wird. Das Elisabeth-Musical bei den Vereinigten Bühnen Wien (VBW), die ihre Produktionen aufgrund der schwächelnden Nachfrage in immer kürzeren Abständen tauschen müssen, lief sieben (!) Jahre.

Bei der neuen TV-Fassung, die in der Dramaturgie Ernst Marischkas Sissi-Hit aus den 50ern mit Romy Schneider folgt, führte ein verlässlicher Routinier Regie und Kamera: Xaver Schwarzenberger erzählt die tausendmal gewendete Story („Lizzy und der wilde Kaiser“, der 3D-Jux von Michael „Bully“ Herbig kam 2007 heraus) in betörenden Bildern. Es rauscht der Samt (herrliche Kostüme: Enrica Biscossi), es wallen die Locken. Es schillern die Masken beim venezianischen Karneval, es klappern die Kutschen durch die Hofburg und die Puszta. Es glühen die Augen, es fließen die Tränen. Bestimmt auch bei den Sehern.


Betörende Bilder, gute Besetzung. Bei der Präsentation letzte Woche erzählte ORF-Fernsehfilm-Chef Heinrich Mis, wie so eine Koproduktion entsteht: Die Österreicher wollen historisch korrekte Darsteller, die Italiener wollen Gefühl, die Deutschen eine Art „Traumschiff“ und nicht zu viel Unglück. Genauso schaut dieser Film aus. Und doch ist er mehr und etwas anderes als bisherige Elisabeth-Versionen.Nach all den peinlichen, böswilligen, kitschigen Darstellungen, die wir von den Habsburgern, die doch ein wichtiger Teil unserer Geschichte sind, ertragen mussten, ist dies eine menschliche und plausible Version, auch kein staubiger Geschichtsunterricht, eine farbenfrohe Erzählung.

Die Italienerin Cristiana Capotondi ist nicht liebreizend wie Romy Schneider, aber auch weniger süßlich (Romy kann nichts dafür, sie war damals noch nicht „La Schneider“). Capotondis Elisabeth führt mit ihrem feschen, lieben und keineswegs blöden Franz (David Rott) eine partnerschaftliche Ehe.

Dass die Kaiserin sich so stark wie hier in die Politik eingemischt hat, ist zwar falsch, aber es passt zur intendierten Aussage dieser Geschichte und ist in sich logisch argumentiert. Die Besetzung kann sich durchgehend sehen lassen. Lauter ziemlich gute Schauspieler. Nur der sonst fast immer überzeugende Erwin Steinhauer ist als Frankreichs Napoleon III. fehl am Platze. Besonders markant: Xaver Hutter als Erzherzog Max, Franz Josephs Rivale, ein Mann mit Visionen, nicht wie sonst nur ein schwaches Opfer. Wunderbar ist Martina Gedeck als Erzherzogin Sophie, diese Rolle spielte bei Marischka immerhin die gefährlich spitze Grande Dame Vilma Degischer.

Martina Gedeck zeigt Sophie als unbeugsame Bewahrerin der Monarchie, die sich am Zeremoniell festklammert, weil sonst alles wackelt, starrsinnig, aber auch verzweifelt. Vor allem anderen ist diese Sophie aber Mutter. Als Max in Mexiko erschossen wird, bricht sie zusammen. Eine absolut kongeniale Erscheinung für diesen Film ist der sonst in deutschen Soaps als Bonvivant beliebte Friedrich von Thun. Er spielt sich selbst, in diesem Fall einen köstlich wortkargen, wissenden Feldmarschall Radetzky. Fritz Karl ist ein bildschöner Andrassy, Herbert Knaup als Bayern-Herzog Max vornehmer als Gustav Knuth bei Marischka.

Der Zweiteiler ist lang und manchmal langweilig. Die Texte sind teilweise einfach furchtbar: Der Stehsätze wie „Darf ich dich küssen?“, „Ich bin an deiner Seite“, „Du hast mich gelehrt, dich zu lieben“ ist kein Ende.

In zwei Teilen zu sehen: 16. und 20.12., jeweils 20.15h in ORF2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2009)