Warum man zum Jahresende den Profis folgen sollte und Staatsanleihen Probleme bringen könnten.
Der Dubai-Schock ist überraschend schnell verflogen. Wohl auch deshalb, weil der mögliche Ausfall nicht einmal ein Zwanzigstel der Lehman-Pleite ausgemacht hätte. Aber es hat sich gezeigt, dass in den Märkten viel Nervosität steckt, die sich beim Auftauchen von Problemen schnell in Verkäufen entlädt. Vorsichtsmaßnahmen wie strikte Verlustkontrolle (also rascher Verkauf, wenn entsprechende Signale auftreten) sind weiterhin Gebot der Stunde. Das ist kein Markt zum „Aussitzen“. Wobei: Diese Strategie ist ohnehin eine, die man seit Anbruch des neuen Jahrtausends vergessen kann.
Dass die Anleger noch wenig Vertrauen in den Markt besitzen, zeigt der Reinfall des deutschen Baukonzerns Hochtief: Der musste den geplanten Börsegang seiner Concessionssparte mangels Interesse absagen, was die Hochtief-Aktie auf Talfahrt schickte und wohl auch dem deutschen IPO-Markt einen Rückschlag versetzt.
Die Chartbilder der für heimische Anleger wichtigsten Indizes (DAX und ATX) zeigen eine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau an. Wobei ein Ausbruch nach oben nach dem vorerst milden Ende der Dubai-Malaise durchaus möglich ist. Eine kleine Jahresendrally könnte sich also doch noch ausgehen. Schon deshalb, weil viele Finanzunternehmen „Window Dressing“ betreiben (und einige Unternehmen und Banken zum Bilanzstichtag für bestimmte Aktien Mindestkurse brauchen).
In dem Fall empfiehlt es sich, den Profis nachzulaufen. In Deutschland haben Vermögensverwalter in der Vorwoche massiv bei der Deutschen Telekom(ISIN DE0005557508) zugegriffen. Die Telekoms sind zwar nicht gerade für aufregende Kurssprünge berühmt, aber im Fall der Deutschen Telekom reizt ohnehin weniger das Kursziel, sondern– wenn die Gewinnprognosen halbwegs halten– die wahrscheinliche Dividendenrendite von acht Prozent. Das ist gut das Doppelte von dem, was mit Staatsanleihen derzeit zu verdienen ist. Und die Telekom-Branche gehört in dieser Krise eindeutig zu den weniger gefährdeten Arten.
Interessant sieht auch die Aktie des an dieser Stelle schon oft empfohlenen deutschen Düngemittelherstellers K+S(ISIN DE0007162000) aus. Die Aktie, die lange Zeit wenig spektakulär unterwegs war, ist Anfang November auf die Überholspur gewechselt und zeigt sich charttechnisch stark. Da könnte noch einiges drin sein, zumal die Prognosen für den Düngemittelweltmarkt zuletzt angehoben wurden und auch die US-Konkurrenten Agrium(ISIN CA0089161081) und Potash of Saskatchewan(ISIN CA73755L1076) aufgewacht sind.
Auf die Beobachtungsliste nehmen sollte man den Windkraftanlagenbauer Nordex(ISIN DE000A0D6554). Der Tecdax-Wert ist der Liebling der Analysten, die ihm zwischen 15 und 17 Euro Kursziel zutrauen. Bei den Anlegern hat sich das offenbar noch nicht herumgesprochen, denn seit zwei Monaten befindet sich der Wert in einem stabilen Abwärtskanal. Am Freitag hat Nordex zwar auf 10,74 Euro zugelegt, aber das ist zu wenig, um eine Trendwende einzuleiten. Wenn die kommt und die Aktie Kaufsignale auslöst, heißt es zugreifen. Papiere mit 40 bis 50 Prozent möglichem Kurspotenzial gibt es derzeit ja nicht allzu viele auf dem Markt.
Aufpassen müssen jene, die auf dem Anleihensekundärmarkt unterwegs sind (das sind auch jene, die Anleihefonds besitzen): Das Kursniveau der Staatsanleihen beginnt abzubröckeln. Zuletzt haben Experten der Erste Group gewarnt, dass die Schuldenkrise der Staaten und die damit verbundene Anleihenschwemme die Sekundärmarktrendite steigen lassen wird. Klingt für Laien gut, aber für die, die Bundesanleihen zum Kurs von 120 und mehr auf dem Sekundärmarkt gekauft haben, heißt das, dass sie wohl Geld verlieren.
Auf dem Anleihensektor haben Privatanleger zuletzt ohnehin stärker bei Unternehmensanleihen zugegriffen. Wer längere Laufzeiten vermeiden will (weil er in drei, vier Jahren Inflationsraten fürchtet, die ihm die Renditen seiner Anlage wegknabbern), hat noch eine Möglichkeit: Aktienanleihen. Sie sind relativ hoch verzinst (eine Infineon-Anleihe rentiert etwa mit 9,75 Prozent), und ihre Laufzeiten sind kurz. Manchmal nur ein Jahr. Sie haben aber ein spekulatives Element: Wenn der Kurs der zugrunde liegenden Aktie unter den zu Laufzeitbeginn festgelegten Basispreis fällt, wird die Anleihe nicht in Geld getilgt, sondern in Aktien. Man sollte also noch stärker als bei Unternehmensanleihen auch auf die Qualität des betroffenen Unternehmens schauen.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2009)