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Mathematiker mit einer (neuen) Mission

Rudolf Taschner will ins Parlament. „Ich hätte mich geärgert, wenn ich nicht Ja gesagt hätte.“
Rudolf Taschner will ins Parlament. „Ich hätte mich geärgert, wenn ich nicht Ja gesagt hätte.“(c) APA/HERBERT NEUBAUER NEUBAUER)
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Rudolf Taschner bekommt Platz sieben auf der Liste. Bei der Ganztagsschule dürfte er nicht ganz auf Linie sein.

Wien. Der Mathematiker Rudolf Taschner hat bald einen der wenigen Berufe, die ohne Mathematik auskommen: Politiker sei so ein Job, sagte er einst selbst. Nun geht Taschner in die Politik. Der siebente Platz auf der Liste von ÖVP-Chef Sebastian Kurz beschert dem 64-jährigen Mathematikmissionar eine neue Mission: Er soll sich bei den Schwarz-Türkisen im Parlament mit Bildung und Wissenschaft befassen; der Ex-Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle tritt nicht mehr an.

In den vergangenen Jahren hatte er sich nach Theresianum, Promotion sub auspiciis und Lehramt der Aufgabe verschrieben, den Menschen Lust auf Zahlen zu machen. Als Lehrer und an der TU Wien, seit fast 15 Jahren auch im math.space im Museumsquartier. „Mathematik ist keine Wissenschaft für Nerds, sondern eine kulturelle Errungenschaft“, bekräftigte er gestern. In seinen zahlreichen Büchern ging es denn zumeist auch irgendwie um Mathematik. Taschner überschritt aber bisweilen auch die Grenze zur Philosophie, zuletzt etwa mit „Woran glauben. 10 Angebote für aufgeklärte Menschen“.

Auch sonst hielt der Professor, den selten Selbstzweifel plagen dürften, mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, unter anderem als Gastkolumnist in der „Presse“. Dabei ging es immer wieder – aber längst nicht nur – um Bildung. Taschner plädiert etwa für eine teilzentrale Matura, deren reduzierter, einheitlicher Pflichtteil zentral korrigiert wird. Bei der Ganztagsschule könnte er mit einigen in der ÖVP zusammenkrachen, forderte er doch vor einigen Jahren via „News“, sie zur Norm zu machen. „Wenn jemand sein Kind unbedingt um zwei Uhr zu Hause haben will, soll man ein Angebot an Privatschulen schaffen.“ Zum nächsten klassischen Streitthema sagte er bei der gestrigen Präsentation, eine gute Gesamtschule könne man nicht ohne Geld aufbauen, und das differenzierte Schulsystem habe sich „in gewisser Hinsicht außerordentlich bewährt“. Für die ÖVP ist das ein klares Bekenntnis zum Gymnasium.

ÖVP-Parteichef Sebastian Kurz bezeichnete ihn als jemanden, der wisse, was in der Bildung gut laufe und was verbessert werden sollte. Taschner sieht etwa bei der Lehrerausbildung noch viel Luft nach oben. Da könne man viel bewirken und insbesondere die Begeisterung steigern. Kurz' Anruf sei für ihn überraschend gekommen, sagte der zweifache Vater, dessen Frau, Bianca, auch mit ihm zusammenarbeitet. „Ich hätte mich geärgert, wenn ich nicht Ja gesagt hätte.“

 

Für Grüne „Klimawandel-Leugner“

Die Konkurrenz ließ nicht lange auf ihre Kritik warten. Wegen eines Beitrags, in dem Taschner basierend auf einer Studie des Max-Planck-Instituts „die Klimakatastrophe absagte“, attackieren die Grünen ihn als „Klimawandel-Leugner“. Mit Taschners Nominierung treibe Kurz seine „Klima-Ignoranz“ auf die Spitze, sagt die grüne Spitzenkandidatin, Ulrike Lunacek. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) meinte, er schätze den Mathematiker sehr. Gleichzeitig betonte er, es sei bekannt, dass Taschner zu den Neokonservativen zähle. Damit passe er zur Liste Kurz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.08.2017)