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Dieselskandal ändert Kaufverhalten beim Auto

Der Dieselskandal im VW-Konzern wurde bereits vor fast zwei Jahren publik. Auf das Kaufverhalten hat das erst seit heuer Einfluss.
Der Dieselskandal im VW-Konzern wurde bereits vor fast zwei Jahren publik. Auf das Kaufverhalten hat das erst seit heuer Einfluss.(c) APA/AFP/CHRISTOF STACHE (CHRISTOF STACHE)

Mit einer Verzögerung von mehr als einem Jahr hinterlässt der Dieselskandal nun auch am heimischen Neuwagenmarkt seine Spuren.

Wien. Österreich ist ein Dieselland. In kaum einer anderen Nation der Welt waren die Selbstzünder so populär wie hierzulande. Zur Hochzeit im Jahr 2003 betrug sein Anteil an den Neufahrzeugen 71 Prozent. Als die Menschen in den Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise vermehrt zu Kleinwagen griffen, stieg der Anteil der in diesem Segment stärker vertretenen Benziner, aber auch in jüngster Zeit waren Werte von 60 Prozent Diesel bei Neuwagen die Norm. Das hat sich inzwischen geändert. Denn wie die am Mittwoch veröffentlichten Daten der Statistik Austria zeigen, haben Dieselfahrzeuge im Juli zum dritten Mal in Folge nur mehr rund 50 Prozent aller Neufahrzeuge ausgemacht.

Der Dieselskandal und die davon angestoßene Diskussion über mögliche Einschränkungen für Dieselfahrzeuge haben inzwischen also auch beim konkreten Kaufverhalten deutliche Spuren hinterlassen. Allerdings reagierte der Markt wesentlich träger, als das im ersten Moment zu vermuten wäre. Denn aufgekommen ist der Dieselskandal ja bereits Anfang September 2015. Damals betrug der Anteil der Selbstzünder an den in diesem Monat zugelassenen Neufahrzeugen knapp 55 Prozent. Von der öffentlichen Diskussion rund um den Diesel, die in den ersten Monaten nach dem Aufliegen des Skandals heftig geführt wurde, ließen sich die Autokäufer aber kaum beeinflussen. Bis zum Dezember des Jahres 2015 stieg der Dieselanteil bei Neuwagen sogar auf über 64 Prozent an.

 

Effekte erst seit 2017 spürbar

Und auch im Jahr 2016 blieben die Österreicher von dem Thema eher unbeeindruckt. Über das ganze Jahr hindurch pendelte der Diesel-Anteil an den Neufahrzeugen je nach Monat zwischen 55 und 58 Prozent, um am Ende des Jahres im Dezember erneut mit über 60 Prozent einen zwischenzeitlichen Höchststand zu erreichen. Grund dafür dürfte nicht zuletzt gewesen sein, dass sich VW sowohl in Europa als auch in den USA relativ bald mit den Behörden auf Lösungen geeinigt hatte, und das Thema somit kurzfristig aus den Schlagzeilen verschwand. Das änderte sich zum Jahreswechsel allerdings wieder, nachdem auch bei anderen Herstellern wie Fiat, Renault oder Mercedes Ungereimtheiten beim Ausstoß von Stickoxiden entdeckt wurden. Hinzu kommt, dass der Neuwagenmarkt aufgrund der Lieferzeiten von einigen Monaten ein geändertes Entscheidungsverhalten erst zeitverzögert darstellt.

Auf jeden Fall sinkt seit Jahresbeginn der Anteil von Dieselfahrzeugen kontinuierlich. Waren es im Jänner noch 54 Prozent, ging dieser Wert im Mai erstmals auf unter 50 Prozent zurück. Kumuliert beträgt der Anteil von Diesel-Pkw zwischen Jänner und Juli nur mehr 51 Prozent. Im Gegenzug deutlich angestiegen ist der Anteil von benzingetriebenen Fahrzeugen. Ihr Anteil erhöhte sich von 40 Prozent im Vorjahreszeitraum auf nunmehr 45,3 Prozent. Den relativ größten Zuwachs konnten zwar die Elektrofahrzeuge vermelden, deren Verkäufe sich um fast die Hälfte erhöhten. Allerdings findet dieses Wachstum immer noch auf niedrigem Niveau statt. So verfügen nur 1,5 Prozent aller heuer zugelassen heimischen Neuwagen über einen Elektromotor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2017)