Rogan: "In Österreich ist man zu schnell zufrieden"

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Schwimmstar Markus Rogan meldet sich nach der Schlägerei von Rom zurück. Er will sich neu entdecken, stellt sich der Herausforderung und schwärmt von Los Angeles. Ein "Presse"-Interview.

„Die Presse“: Ihr Manager Ronald Leitgeb hat im Interview mit der „Presse am Sonntag“ gesagt, er habe Ihnen zu den Vorfällen in Rom Redeverbot erteilt. Stimmt das?

Markus Rogan: Ja, das wurde so vereinbart. Dazu sage ich nichts.

Gut. Sie meldeten sich also nach der Schlägerei mit eindrucksvollen Zeiten im Schwimmbecken wieder zurück. Jetzt wartet ab Donnerstag die Kurzbahn-EM in Istanbul. Welche Ziele haben Sie?

Rogan: Ich will wieder schwimmen, in erster Linie Erfolg haben. Mein Hauptaugenmerk liegt auf den 200 Meter Lagen. Gemeldet bin ich auch über 50 und 100 Meter Rücken sowie 100 Meter Lagen. Wie ich damit umgehe, weiß ich aber noch nicht.

Woher rührt plötzlich diese Liebe zu der Lagendisziplin?

Rogan: Spaß am Sport kommt für mich vom Potenzial. Roger Federer hat auch weniger Spaß, wenn er die Nummer eins der Welt ist und diesen Platz nur verteidigt, statt als Nummer zwei alles wieder aufzuholen. Als Laie habe ich es so gesehen. Über Rücken war ich Weltmeister und hatte den Weltrekord. Alles, was ich jetzt in Rückenbewerben erreiche, wird immer damit verglichen. Über Lagen habe ich noch nicht viel erreicht. Das gibt mir Auftrieb. Es hat für mich ein höheres Momentum.

Wie spürt man das als Sportler? Ist es wie bei einem Jobwechsel?

Rogan: Wo man seine Motivation sieht, sollte man es probieren. Wo die verschiedensten Komponenten für dich als Mensch, als Athlet, das beste Gesamtergebnis erbringen. Ich glaube, dass ich in Lagen besser sein kann als nur über Rücken. Beweisen kann ich es jetzt noch nicht, ich kann es derzeit nur fühlen. Ich brauche noch ein bisschen Zeit.

Haben Sie für sich privat und beruflich wieder alles auf Schiene gebracht?

Rogan: Wenn es eine Schiene wäre, wäre es langweilig. Dann könnte ich ja schauen, wo es genau hingehen würde. Ich finde es für mich spannender, es neu zu entdecken.

Wäre ein Erfolg in Istanbul nach den Rückschlägen in Peking oder Rom da eine Selbstbestätigung?

Rogan (lacht): Das weiß ich nicht. Selbstbestätigung kann ich nur für mich erlangen, in mir drinnen. Das kann ich nicht im Schwimmbecken schaffen.

Sie haben sich in Los Angeles einer neuen Trainingsgruppe angeschlossen. Warum, war es eine Flucht? Was läuft dort anders?

Rogan: Die Idee von Ronnie Leitgeb und mir war es, dass ich für mich einige Details neu entdecken muss, wenn ich wieder gut sein möchte. Elemente, die mich wirklich gut machen, die mich auszeichnen. Ich suche eine Herausforderung, deshalb schwimme ich Lagen. Und, was ist es, das mich dazu zwingt, hart zu trainieren? Das habe ich mir erst jetzt eingestanden: Es sind die Trainingspartner. Je besser die sind, desto mehr strenge ich mich an.

In Österreich waren solche Partner nicht zu finden?

Rogan: Das ist der Grund, warum ich nach Los Angeles gegangen bin und nicht nach Wiener Neustadt. Dort habe ich sieben Weltmeister in den Bahnen neben mir und in Wiener Neustadt keinen. Aber wären die hier, wäre ich sicher geblieben. Das hat nichts mit Kultur oder Land zu tun, das war eine rein sportliche Entscheidung. Dort finde ich die Voraussetzungen, die ich brauche.

Sie werden in Amerika wieder richtig gefordert, nur die Leistung zählt. Was machen die Trainer und Schwimmer dort anders?

Rogan: Dort kennt man keine Rücksicht. Auch Namen zählen nichts. Ich glaube, dass man in Österreich manchmal zu hoch getragen wird für vergangene Leistungen. Der Sport definiert sich doch über zukünftige Leistungen, nur die Gesellschaft über vergangene. In Amerika wird das brutaler getrennt. Dort ist man als Sportler, selbst wenn man Kobe Bryant heißt, nur so gut wie sein letztes Spiel und die Leistung aber beim nächsten Match gleich wieder erfüllt. Man wird laufend gefordert.

Fühlten Sie sich in Österreich „zu hoch getragen“?

Rogan: Ich glaube, dass man manchmal zu wenig als zu viel verkauft. In Österreich ist man mit zu wenig sportlichem Erfolg zu schnell zufrieden.

Damit setzen Sie sich aber wieder neue Ziele. Ist das auch Olympia 2012 in London?

Rogan: Das Allergrößte ist jetzt Istanbul 2009. Genauso wie ich nicht zu weit in die Vergangenheit schaue, um zu sehen, was ich nicht alles gewonnen habe und wie großartig ich nicht bin, schaue ich auch nicht zu weit in die Zukunft, was ich dann gewinnen könnte, wenn ich direkt vor einem Großereignis stehe. Es geht darum, eine bestimmte Leistung abzurufen. Der Rest ist irrelevant. Denn dafür habe ich noch nicht trainiert und bin ich nicht vorbereitet.

ZUR PERSON

Markus Rogan wurde am 4. Mai 1982 in Wien geboren. Der 1,95 Meter große Schwimmer gewann in Athen 2004 zweimal Olympiasilber, war Kurzbahnweltmeister und Weltrekordhalter.
Nach der Discoschlägerei
im August bei der WM in Rom tauchte er in Los Angeles unter und begann wieder hart zu trainieren.
Ab Donnerstag
steht er bei der Kurzbahn-EM in Istanbul wieder
im Rampenlicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.12.2009)

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