Schnellauswahl

Pariser Klimaabkommen ist nicht die Lösung

US-Präsident Trump hat die weltweite Kritik dafür, dass er sich aus dem UN-Klimaschutzabkommen zurückzieht, ohne einen alternativen Aktionsplan zu haben, redlich verdient. Doch die übrige Welt ist auch nicht viel besser.

Vor einer Woche haben die USA bei den Vereinten Nationen offiziell ihren Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen eingereicht. Dieser von Präsident Donald Trump forcierte Rückzug lässt das Land ohne eine politische Strategie in Bezug auf die globale Erwärmung zurück. Das ist alarmierend. Doch die weltweite Reaktion – eine verstärkte Betonung des Abkommens in Opposition zu Trump – bietet ebenfalls Anlass zur Sorge.

Trumps Entscheidung hat zwei einander widersprechende Antworten nach sich gezogen. Einerseits erzählt man uns, dass dieser Schritt den Planeten gefährde. Der frühere US-Vizepräsident Al Gore sagt, dass Trump „die Fähigkeit der Menschheit, die Klimakrise zu lösen“ beeinträchtige. Unternehmensführer Tom Steyer erklärt, dass das Pariser Abkommen „wesentlich dafür sei, unseren Kindern eine gesunde, sichere und wohlhabende Welt zu hinterlassen“, und poltert gegen den „verräterischen Kriegsakt“ des Präsidenten.

 

Widersprüchliche Argumente

Andererseits hören wir die trotzige Äußerung, dass Trumps Entscheidung vielleicht gar nicht so wichtig sei, weil erneuerbare Energien so billig würden, dass eine Zukunft ohne fossile Brennstoffe ganz nah sei. Gore behauptet, der Planet befinde sich auf halbem Weg zu einem „unvermeidlichen Übergang zu einer sauberen Energiewirtschaft“. Und Steyer erklärte, dass die Zeit, in der „erneuerbare Energien plus Speicherung billiger sind als fossile Brennstoffe“, bereits gekommen sei.

Diese Argumente widersprechen einander nicht nur, sondern sie sind auch falsch. Das Pariser Abkommen aufzugeben, stellt keine Gefahr für die Zukunft unseres Planeten dar, weil das Abkommen selbst kaum etwas dazu beiträgt, das Problem der globalen Erwärmung zu lösen. Und grüne Energien haben sich als preiswerte Alternative zu fossilen Brennstoffen noch lang nicht etabliert. Uns in diesen Punkten etwas vorzumachen bedeutet, den Klimawandel nicht wirksam zu bekämpfen.

Um den weltweiten Temperaturanstieg unter dem Zielwert von zwei Grad Celsius zu halten (gegenüber der vorindustriellen Ära), muss der Planet seine CO2-Emissionen im Lauf dieses Jahrhunderts um etwa 6000 Milliarden Tonnen reduzieren. Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen – Organisator des Pariser Abkommens – schätzt: Selbst wenn jedes Land die versprochenen Einschnitte vornimmt, würden die CO2-Emissionen bis 2030 nur um 56 Milliarden Tonnen sinken.

Die UN-Zahlen zeigen, dass das Pariser Abkommen selbst bei einem implausibel optimistischen Best-Case-Szenario 99Prozent des Klimaproblems ungelöst ließe. Das ist nicht gerade eine erfolgsbringende Politik zur Lösung des Problems der globalen Erwärmung.

 

Wirkungsloses Kyoto-Protokoll

Zudem war immer unwahrscheinlich, dass jedes Land jedes Versprechen einhalten würde. Man betrachte etwa das Kyoto-Protokoll von 1997 zum Klimawandel. Die Länder, die dieses Abkommen unterzeichneten, machten alle irgendwann nicht mehr mit oder ignorierten es einfach. Die Belege zeigen, dass das Kyoto-Protokoll letztlich nahezu wirkungslos war. Auch die Mängel des Pariser Abkommens wurden von Umweltschützern zum Zeitpunkt der Unterzeichnung bereits eingestanden.

Ein Problem ist, dass der Hype in Bezug auf Paris mit einer Menge marktschreierischer Verkündungen über den Zustand der erneuerbaren Energien einhergeht. 1984 versicherte uns das Worldwatch Institute, dass Windkraftsubventionen „in ein paar Jahren nicht mehr nötig sein werden“. Tatsächlich wird die Welt allein 2017 125 Milliarden Dollar für Subventionen für Wind- und Solarenergie ausgeben. Trotz vier Jahrzehnten finanzieller Unterstützung heißt es in einem Bericht der Internationalen Energie-Agentur (IEA), dass Windkraft nur 0,5 Prozent des heutigen Energiebedarfs deckt, und Solarzellen unbedeutende 0,1 Prozent.

Mehr als drei Billionen Dollar werden in den kommenden 25 Jahren allein für Subventionen in Windkraft und Solarzellen ausgegeben werden. Die IEA geht davon aus, dass selbst 2040 – und unter der Annahme, dass alle Zusagen des Pariser Abkommens erfüllt werden – erst 1,9 bzw. ein Prozent der weltweiten Energie durch Wind- und Sonnenenergie zur Verfügung gestellt werden. Eine Wirtschaft, die auf halbem Wege hin zu einem „unvermeidlichen“ Wandel weg von fossilen Brennstoffen ist, sieht anders aus.

 

Leichtgläubige Medien

Solar- und Windenergie sind von erheblichen Subventionen abhängig, weil sie in den meisten Kontexten nach wie vor teurer sind als fossile Brennstoffe. Als Großbritannien die Subventionen für Solarenergie senkte, sank die Zahl der Neuinstallationen drastisch. Spanien gab einst fast ein Prozent seines BIPs für Subventionen in erneuerbare Energien aus – das ist mehr als für höhere Bildung. Als es diese Subventionen zurückfuhr, brach die Windkraftproduktion zusammen.

Politiker und in grüne Energien investierende Anleger führen die PR-Kampagne an. Unterstützt werden sie von leichtgläubigen Medien, die freudig „Erfolgsgeschichten“ über grüne Technologien verbreiten. Doch wenn grüne Energien bereits mit fossilen Brennstoffen konkurrieren könnten, wäre das Pariser Abkommen unnötig. Die ganze Welt würde fossile Brennstoffe zugunsten einer billigeren, besseren Alternative aufgeben.

Die Auswirkungen des Pariser Abkommens und den Zustand der heutigen grünen Energietechnik zu übertreiben vermittelt uns ein falsches Gefühl von Sicherheit. Wir glauben, dass wir das Nötige tun, um „den Planeten zu retten“. Und wir konzentrieren uns nicht auf das, was wir wirklich tun müssten, um den Temperaturanstieg in Grenzen zu halten.

 

Subventionen stoppen

Es ist nicht besonders kompliziert. Wir müssen verschwenderische Subventionen sowohl für fossile Brennstoffe als auch für ineffiziente Solar- und Windenergie beenden. Und wir sollten uns auf Investitionen in Innovationen konzentrieren, um grüne Energietechnologien zu verbessern.

Regierungen und Spender müssen viel mehr für Forschung und Entwicklung ausgeben als bisher. Um die Erwärmung um mehr als nur den Bruchteil eines Grad Celsius zu verringern, bedarf der Planet einer mehr als sechsfachen Steigerung der Forschung und Entwicklung im Bereich grüner Energien. Das wäre immer noch sehr viel billiger als das Pariser Abkommen, das die Einführung teurer, ineffizienter Energietechnologien erfordert. Und es wäre sehr viel effektiver.

US-Präsident Trump hat die weltweite Kritik dafür, dass er sich aus dem UN-Klimaschutzabkommen zurückzieht, ohne einen alternativen Aktionsplan zu haben, redlich verdient. Doch die übrige Welt mit ihrer Realitätsverweigerung ist auch nicht viel besser.

Aus dem Englischen von Jan Doolan

Copyright: Project Syndicate, 2017.


E-Mails an: debatte@diepresse.com

Der Autor


Bjørn Lomborg
(*1965 in Frederiksberg, DK) studierte Politikwissenschaften in Århus und unterrichtete Statistik. Er schrieb mehrere heftig diskutierte Bücher über den Klimawandel, darunter „Cool It! Warum wir trotz Klimawandels einen kühlen Kopf bewahren sollten“. Derzeit Leiter des Copenhagen Consensus Center und ao. Professor an der Copenhagen Business School. [ Privat]

 

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2017)