Gern hätte sich Österreichs Feldherr Prinz Eugen von Savoyen seinen Neigungen gewidmet, der Philosophie, den Künsten, den Büchern, doch das Schicksal des Hauses Österreich war wichtiger. So stieg er 1717 mit 54 Jahren noch einmal aufs Pferd und zog gegen die Türken. Die Schlacht von Belgrad wurde sein größter Triumph.
Manchmal stand er in der Bibliothek seines Wiener Stadtpalais vor der astronomischen „Maschine“, die ihm die Bewegung der Gestirne nach dem System des Kopernikus anzeigte. Dann sinnierte er über die Konstellation der Mächte Europas. Ständig waren die Kreisbahnen in Bewegung, wer würde aufsteigen, wer dem Untergang entgegentaumeln? Wie lang konnte sich ein Staat im Mächtespiel auf dem Zenit halten?
Prinz Eugen von Savoyen bewährte sich nicht nur als überragender Feldherr im Dienste der habsburgischen Kaiser, er redete auch in der Außenpolitik ein gewichtiges Wort mit und beherrschte das Handwerk der Diplomatie. Als Pessimist gab er sich keinen Illusionen über das Wesen der Menschen und der Staaten hin. Wenn jemand bedingungslos an Thomas Hobbes' Spruch „Homo homini lupus“ glaubte, dann er. Als abgeklärter Elder Statesman hätte er sich seinen Büchern hingeben können, doch es sollte keine Ruhe geben: Die Türken, der alte Erbfeind, sorgten dafür, dass der nun über fünfzigjährige Eugen, der eigentlich schon zu alt war für Kriegszüge, noch immer nicht seinen ersehnten Frieden fand, sich noch nicht auf dem errungenen Lorbeer ausruhen konnte.