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Air Berlin meldet Insolvenz an

APA/AFP/AXEL SCHMIDT
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Großaktionär Etihad dreht der Niki-Mutter den Geldhahn zu. Der Betrieb soll mit einem Überbrückungskredit der Regierung weitergeführt werden.

Die schwer angeschlagene Niki-Mutter Air Berlin stellte am Dienstag Insolvenzantrag, nachdem ihr Großaktionär und Geldgeber Etihad Airways ihr den Geldhahn zugedreht hat. Damit sei keine positive Fortführungsprognose mehr gegeben, erklärte die Führung der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Diese ist Voraussetzung, dass ein überschuldetes Unternehmen um einen Insolvenzantrag herumkommt. Es sei derzeit nicht beabsichtigt, einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens für die Niki Luftfahrt und die Leisure Cargo zu stellen.

Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat am Nachmittag die Insolvenz in Eigenverwaltung angeordnet. Zum vorläufigen Sachwalter sei der Rechtsanwalt Lucas Flöther bestimmt worden, teilte das Gericht mit. Die Eigenverwaltung ist eine Variante des Insolvenzverfahrens, die auf die Erhaltung und Sanierung des Unternehmens zielt. Bei dieser Variante bleibt zudem das bisherige Management für die Geschicke des Unternehmens verantwortlich.

Flöther hatte zuletzt unter anderem den insolventen Fahrradhersteller Mifa aus Sangerhausen in Sachsen-Anhalt gerettet und die Pleite der Reiseportale fluege.de und ab-in-den-urlaub.de begleitet.

Etihad: "Äußerst enttäuschend"

"Diese Entwicklung ist äußerst enttäuschend für alle Beteiligten, vor allem da Etihad in den vergangenen sechs Jahren weitreichende finanzielle Unterstützung für Air Berlin während früherer Liquiditätskrisen und für deren Sanierungsbemühungen gewährt hat", gab die arabische Fluglinie am Dienstag bekannt. Erst im April habe Etihad weitere 250 Millionen Euro zugeschossen. "Doch das Geschäft von Air Berlin hat sich in einer beispiellosen Geschwindigkeit verschlechtert." Als Minderheitsaktionär könne Etihad kein weiteres Geld zuschießen und das eigene Risiko erhöhen. Die Fluggesellschaft war 2011 bei Air Berlin eingestiegen und hält knapp 30 Prozent an der Airline.

Regierungskredit sichert Flugbetrieb

Air Berlin soll in der Urlaubszeit mit Hilfe eines Überbrückungskredits der deutschen Regierung von 150 Millionen Euro weitergehen, erklärte Air Berlin. Dieser sichert den Flugbetrieb für ungefähr drei Monate. Davon geht die deutsche Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) aus, wie sie am Dienstag sagte.

Aufgrund des Insolvenzrechtes wäre Air Berlin eigentlich verpflichtet gewesen, den Flugbetrieb direkt nach Einreichung des Insolvenzantrags einzustellen, teilten das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium am Dienstag gemeinsam mit. Der Kredit werde durch die staatliche Kfw-Bank gewährt und sichere den Betrieb in vollem Umfang. 

Verhandlungen unter anderem mit dem Konkurrenten Lufthansa über einen Verkauf von Betriebsteilen liefen bereits, erklärte Air Berlin. Die Fluggesellschaft will sich in Eigenverwaltung, also ohne einen Insolvenzverwalter sanieren. Lufthansa bestätigte, dass sich die Fluglinie mit Air Berlin bereits in Verhandlungen über den Erwerb von Teilen des Unternehmens befinde und sich damit auch die Möglichkeit zur Einstellung von Personal biete.

Lufthansa hat Interesse an Weiterbetrieb

Die Lufthansa hat auch ein Eigeninteresse an dem Weiterbetrieb der Air Berlin. Schon jetzt sind mindestens 30 Mittelstreckenjets von Air Berlin samt Besatzung für den Lufthansa-Konzern im Einsatz. Die gemieteten Maschinen fliegen für die Lufthansa-Billigmarke Eurowings und die österreichische Konzerntochter Austrian Airlines (AUA).

Die Lufthansa will mit ihrer Unterstützung auch erreichen, dass der Betrieb dieser Flugzeuge reibungslos weitergeht. Derzeit verhandelt die Niki-Mutter Air Berlin mit der Lufthansa und weiteren Partnern darüber, dass diese Betriebsteile von Air Berlin übernehmen. Die Verhandlungen seien bereits "weit fortgeschritten", liefen "erfolgsversprechend" und könnten "zeitnah" abgeschlossen werden. Auch die Lufthansa erklärte, die Verhandlungen "zu einem schnellen und positiven Ergebnis" führen zu wollen.

Hürden für Komplettübernahme 

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann hatte die Führung der seit Jahren kriselnden Fluglinie erst im Februar übernommen. Er selbst kam von der Lufthansa, bei der er deren langjährige Billigmarke Germanwings aufgebaut und in die schwarzen Zahlen geführt hatte. Als er als Nachfolger von Stefan Pichler bei Air Berlin antrat, wurde bereits spekuliert, dass er eine Übernahme von Air Berlin durch die Lufthansa vorbereiten solle.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte für eine Komplettübernahme der Rivalin allerdings immer wieder hohe Hürden genannt. Neben wettbewerbsrechtlichen Fragen nannte er dabei die hohen Betriebskosten der Berliner sowie den hohen Schuldenberg des Unternehmens. Die Frage der Schulden könne nur Etihad lösen, hatte es zuletzt aus Frankfurt geheißen.

Dobrindt sieht keine Kartellprobleme

Aus Sicht des deutschen Verkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU) wäre eine Übernahme von Teilen der Air Berlin durch die Lufthansa kartellrechtlich unproblematisch. Die Kartellfrage stelle sich nicht, weil es sich nicht um eine Komplettübernahme handle, sagte Dobrindt am Dienstag in Berlin. Es gebe Gespräche mit mehreren Airlines für die Übernahme von Teilen der insolventen Fluggesellschaft. "Die Verhandlungen sind weit fortgeschritten, gerade auch mit der Lufthansa", sagte Dobrindt. Sie könnten in absehbarer Zeit abgeschlossen werden.

Aktie bricht ein

Die Aktien der Air Berlin sind am Dienstagnachmittag an der Frankfurter Börse um nahezu die Hälfte ihres Werts abgestürzt. In der Spitze verloren die Papiere rund 50 Prozent, gegen 14.30 lagen sie immer noch um satte 47 Prozent im Minus bei 0,405 Euro. Zwischenzeitlich wurde die Aktie sogar vom Handel ausgesetzt.

Die Aktien der Konkurrenz profitierten indessen von der Bekanntgabe des Insolvenzantrages von Air Berlin. An der Börse in Frankfurt zogen Lufthansa um rund 1,8 Prozent nach oben, in London kletterten Easyjet mit plus 2,9 Prozent an die Spitze im britischen FTSE-100 Index.

(APA/Reuters)