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Niki soll Schwester der AUA werden

allgemein Feature Randmotiv ein Flugzeug der Fluglinie NIKI rollt zum Terminal Ankunft der Dele
Lufthansa will Niki ganz.(c) imago/Sven Simon (Malte Ossowski/SVEN SIMON)
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Die mehrheitliche Übernahme der Air Berlin und deren Österreich-Tochter durch die Lufthansa wurde seit Monaten vorbereitet – und soll schon am Wochenende fixiert werden.

Berlin/Wien. Chefs hat die insolvente Air Berlin in ihrer 26-jährigen Geschichte etliche verbraten. Vor allem nach dem Abgang von Joachim Hunold, der die Airline gründete und 20 Jahre lang aufbaute, wobei sich sein Expansionskurs mittels Übernahme maroder kleiner Gesellschaften fatal auswirken sollte, ging es schnell. Im Zwei-Jahres-Takt folgten auf Hunold der ehemalige Deutsche-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der Österreicher Wolfgang Prock-Schauer und Stefan Pichler.

Als im Februar 2017 Thomas Winkelmann die Führung der bereits schwer angeschlagenen Air Berlin übernahm, war der Kurs eigentlich schon vorgegeben – auch wenn offiziell nichts bestätigt wurde. Winkelmann kam nämlich nicht nur von der Lufthansa, wo er die Tochter Germanwings zum Erfolg führte – er gilt auch als Vertrauter von Konzernchef Carsten Spohr. Weshalb es als offenes Geheimnis galt, dass er mit einer Mission antrat: den Weg für die mehrheitliche Übernahme der Air Berlin durch die Lufthansa, die nun wahrscheinlich ist, aufzubereiten. Allein aus kartellrechtlichen Gründen dürften ein oder zwei andere Interessenten kleinere Teile erhalten. Im Rennen sind Easyjet, die Thomas-Cook-Tochter Condor und der Ferienflieger TUIfly.

Verhandlungen am Wochenende

Zumindest für Brancheninsider ist daher nicht überraschend, dass die Lufthansa 90 der 140 Flugzeuge von Air Berlin sowie deren Österreich-Tochter, Niki, komplett übernehmen will. Die Lufthansa hat schon zum Jahreswechsel 38 Maschinen der Air Berlin samt Crews im Leasing übernommen – fünf davon gingen an die Tochter AUA. Schon über das Wochenende soll der Deal ausverhandelt werden. Ein Abschluss könne kommende Woche stehen, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.

Der Clou an dieser Lösung: Niki würde zur Schwester der AUA werden, eine Airline von Niki Lauda also wieder in die Nähe der AUA rücken. Diese hat sich einst mit der Übernahme der ersten Fluglinie von Lauda, der Lauda Air, mit einem großen Schuldenberg viele Probleme aufgebürdet.

Eine schnelle Auffanglösung schon im September gefällt naturgemäß auch der deutschen Regierung, die mitten im Wahlkampf alles andere braucht als ein Drama, bei dem gut 8000 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. „Wir brauchen einen deutschen Champion im internationalen Luftverkehr“, jubelte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) in einem Gespräch mit der „Rheinischen Post“. „Deswegen ist es dringend geboten, dass Lufthansa wesentliche Teile von Air Berlin übernehmen kann.“

Slots bleiben wertvoll

Der deutschen Regierung käme auch zupass, dass ihr 150 Mio. Euro schwerer Überbrückungskredit ausreicht. Bei einem ewig langen Übernahmekampf wäre nämlich die Gefahr groß, dass – beim erwarteten Einbrechen neuer Buchungen – der Flugbetrieb doch eingestellt werden muss. Das hätte das größte Asset, die Start- und Landerechte (Slots), wertlos gemacht. Deren Verkauf soll die Rückzahlung des Kredits ermöglichen. In der Bilanz 2016 standen sie mit 80 Mio. Euro.

Wenn alles klappt, kann sich Winkelmann, der dem Studium der Linguistik und Alten Geschichte einen Betriebswirtschafts-MBA in Harvard aufsetzte, einen doppelten Erfolg an den Hut heften: Zum einen hätte er zumindest einen Großteil der Jobs gerettet, auch wenn die Marke Air Berlin verschwinden dürfte. Und zum anderen hätte er mitgeholfen, dass Spohr seinem Ziel, mit Eurowings die größte europäische Billigfluglinie, Ryanair, vom Thron zu verdrängen, deutlich näherkommt. Denn wie die ersten 33 Flugzeuge soll auch der nun zur Disposition stehende Rest unter die Fittiche der Eurowings kommen.

Der große Knackpunkt ist jetzt die Prüfung durch die Kartellbehörden. Achim Wambach, der Chef der Monopolkommission, ließ bereits durchblicken, dass die Lufthansa mit strengen Bedingungen und Auflagen rechnen müsse. Sie wickelt schon jetzt 68 Prozent aller deutschen Inlandsflüge ab. Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, betonte, man müsse sich das sehr genau ansehen.

>> Bericht in der "SZ"

(Reuters)