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Deutscher Modezar will bei Air Berlin mitspielen

Hans Rudolf Woehrl uebernimmt Deutsche BA
dpa/dpaweb
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Der Unternehmer, der seit vielen Jahren in der deutschen Luftfahrt mitmischt, ist auch hierzulande kein Unbekannter. Er war einst Miteigner der Vorarlberger Intersky. Viele seiner Beteiligungen endeten allerdings in einer Pleite.

Er ist eine der schillerndsten Unternehmerpersönlichkeiten Deutschlands, der nicht nur den Textilhandel kräftig aufmischte. Der Hobbypilot Hans Rudolf Wöhrl wirbelt seit vielen Jahren auch die Luftfahrt durcheinander und hat bei etlichen Deals mitgemischt. Jetzt taucht der Modezar, der auch hierzulande kein Unbekannter ist, im Zusammenhang mit der Pleite der Air Berlin auf: Über eine Münchner Kanzlei gab seine Vermögensverwaltung Intro-Verwaltungs GmbH ein formelles Angebot ab. Für sein Vorhaben habe er Rückendeckung von weiteren "Partnern mit hoher Fachkompetenz" sowie Finanzinvestoren. Zu Details der Offerte wollte Wöhrl zunächst keine Angaben machen.

Die Gruppe habe schon seit Jahren Interesse an einer Beteiligung an Air Berlin signalisiert, sei jedoch nicht zu Sondierungsgesprächen eingeladen worden. Vom Insolvenzantrag der Airline habe man erst aus den Medien erfahren, teilte Wöhrls Unternehmen am Freitag mit.

"Wir halten Air Berlin nur als Ganzes für sinnvoll, weil nur so ein Monopol zulasten der Passagiere in Deutschland verhindert werden kann." Bislang sei es aber noch nicht zu einer Offerte gekommen. Grund seien Sorgen, "dass durch die Ausfallbürgschaft der Bundesrepublik hier bewusst eine Monopolstruktur gefördert wird, bei der Angebote von Investoren von vorneherein abgeblockt werden".

Wie berichtet will die AUA-Mutter Lufthansa, die schon 38 Flugzeuge der Air Berlin samt Crews betreibt, weitere 90 der 140 Maschinen übernehmen sowie die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki zur Gänze. Dazu wird seit heute, Freitag, verhandelt. Der Deals soll schon über das Wochenende fixiert werden - auch, wie die "Presse" erfuhr, um eine Folgeinsolvenz von Niki zu vermeiden. Aus kartellrechtlichen Gründen müssen Teile von Air Berlin jedoch an weitere Interessenten gehen. Dazu gehören vor allem EasyJet und Condor.

Weg von der Mode

Wöhrl stammt aus einer Textildynastie, die in Nürnberg ein Modehaus betrieb. Wöhrl zog sich 2011 zurück, die Modekette rutschte 2016 in die Insolvenz. Das zweite Standbein war die Fliegerei: Schon 1974 gründete er die regionale Linie Nürnberger Flugdienst, für die er immer wieder selbst flog. 1992 wurde die Fluglinie mit der Deutschen Regionalflug zur Eurowings verschmolzen - sie gehört jetzt zur Lufthansa.

Wöhrl stieg aus und stieg bei der Saarland Airlines ein, die allerdings pleite ging. Das hinderte Wöhrl nicht, 2003 aktiv in die Luftfahrt zurückzukehren. Über sein Beteiligungsvehikel Intro kaufte er von Britisch Airways deren deutsche Tochter dba um einen symbolischen Euro. Und da beginnt der Konnex zu Air Berlin, denn deren Gründer Joachim Hunold kaufte die dba Wöhrl im Jahr 2006 ab. Das war eine jener Investitionen, die Air Berlin nur Schulden und Probleme brachten. Dasselbe Spiel wiederholte Wöhrl mit der angeschlagenen LTU: Er kaufte sie 2006 und reichte sie 2007 an die Air Berlin weiter.

2011 gründet Wöhrl eine neue Fluglinie, die Flynext. Aber noch im selben Jahr verkaufte er sie an die Germania weiter. Anfang März 2008 wollte Air Berlin auch die Germania übernehmen, der Versuch scheiterte allerdings.

Kein Erfolg mit Intersky 

2012 beganns Wöhrls "Karriere" in Österreich: Er stieg über die Intro die Mehrheit an der Vorarlberger Intersky. Auch dieses Engagement war nicht von Erfolg gekrönt, Wöhrl wollte bald kein Geld mehr einschießen. Intersky wurde 2015 nach vielen vergeblichen Rettungsversuchen endgültig insolvent und stellte den Flugbetrieb ein.

Schon zuvor, 2008, hatte sich Wöhrl in die Diskussion um die Zukunft der damals vor der Pleite stehenden AUA eingemischt. Er riet damals zu harten Schnitten und einem Rückzug des Staates - genau das ist dann passiert. Allerdings wurde nicht British Airways die neue Eigentümerin der AUA, die Wöhrl für den besten Partner hielt, sondern die Lufthansa. Vor ihr warnte Wöhrl damals - aber die Kranichlinie war für den Nürnberger seit jeher der große Feind.