Universitäten: „Endlich überlegen, was uns Bildung wert ist“

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Privat-Uni-Chefin Betz fordert Geld für Forschung, einen Imagewandel bei den Privat-Universitäten und im Falle einer Einführung von Studiengebühren, eine spürbare Verbesserung der Studienbedingungen.

„Die Presse“:Die Studenten protestieren seit sieben Wochen. Haben Sie als Rektorenchefin der Privat-Unis, an denen es keine Besetzung gibt, dafür Verständnis?
Marianne Betz: Ja. Die Studienbedingungen werden immer schwieriger. Ich bin froh, dass es einen Dialog gibt. Die Politik muss sich endlich überlegen, was Bildung wert ist. Eines muss klar sein: Wir brauchen gute öffentliche Unis, die kostenlos allen offen stehen.

Sie sind also gegen Studiengebühren – obwohl die Privat-Unis selbst teils hohe Beträge einheben.
Betz: Wenn schon Gebühren, dann muss sich das Angebot verbessern. Wer an einer Privat-Uni studiert, kann sich auch mehr erwarten.

Inwiefern? Im Gegensatz zu anderen Ländern haftet Privat-Unis bei uns oft der Ruf an, Hochschulen zweiter Klasse zu sein.
Betz: Das liegt daran, dass die Privat-Unis noch jung sind. Es muss ein Imagewandel stattfinden. Wir sind nicht zweite Klasse, sondern bieten in elitären Bereichen Studien auf hoher Qualität. Wir haben ein besseres Betreuungsverhältnis und gute Kontakte zu den Bereichen, für die wir ausbilden.

Gegen genau diese „Ausbildung“, wie sie das Bachelorstudium vorsieht, wehren sich die Studenten.
Betz: Ein Studium muss Bildung vermitteln undarbeitsmarktfähig machen. Ich bin mir daher nicht sicher, ob der Bachelor wirklich dreijährig sein kann – oder ob wir nicht doch eine vierjährige Ausbildung brauchen. Und wenn wir dann die richtigen Inhalte vermitteln, kommt die Akzeptanz für den neuen Abschluss von selbst. Auch der Staat ist gefordert, diesen dem Magister gleichzustellen.

Bei den Protesten geht es auch ums Geld. Gerade eben musste eine Privat-Uni zusperren, weil sich kein Investor fand – und der Bund sich ein Finanzierungsverbot auferlegt hat. Werden Sie hier allein gelassen?
Betz:Jein. In der Privatwirtschaft kann eben nicht jeder überleben, das gilt auch für Privat-Unis. Trotzdem muss sich die Gesellschaft überlegen, was Bildung kosten darf – und ihre Spendenmentalität überdenken. In den USA ist die Bereitschaft viel höher, als Mäzen oder Sponsor aufzutreten. Was in Österreich fehlt, sind steuerliche Anreize. Von der Politik erwarten wir uns, dass wir stärker in Dialoge eingebunden werden.

Das Finanzierungverbot des Bundes ist für Sie aber in Ordnung.
Betz: Nicht überall. Forschungsgelder müssen allen offen stehen, allein die Qualität der Projekte sollte Entscheidungskriterium sein. Auch unsere Studenten sind benachteiligt. Wenn sie Erasmus-Auslandssemester absolvieren, bekommen sie niedrigere Stipendien.

2010 wird für die Hochschulen ein Qualitätssicherungsgesetz beschlossen. Ihre Forderungen?
Betz: Gleichbehandlung. Die hohe Messlatte, die in puncto Qualität bei uns angelegt wird, muss für alle gelten: Öffentliche Unis können derzeit einfach neue Studiengänge einrichten – wir hingegen benötigen eine Akkreditierung. Die Prozesse dauern somit zu lang. Bis wir eine Idee verwirklichen, hat sich der Markt oft verlaufen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2009)

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