Nach Vorbild von Renault-Nissan will Peugeot-Citroën bei Mitsubishi landen.
Paris.Sie gilt als bislang erfolgreichste transkontinentale Allianz von zwei Autoherstellern: 1999 beteiligten sich der französische Hersteller Renault und der japanische Nissan-Konzern kreuzweise aneinander. Seither profitieren beide Unternehmen von der gemeinsamen Entwicklung und dem zusammengelegten Einkauf. Bereits 2005 soll dies Einsparungen von in Summe mehr als zwei Mrd. Euro pro Jahr gebracht haben.
Nun will der zweite französische Autohersteller PSA (Peugeot-Citroën) es seinem Konkurrenten gleichtun. So verhandeln die Franzosen mit dem japanischen Autoproduzenten Mitsubishi über den Kauf von 30 bis 50Prozent der Aktienanteile. Dies soll die bisherige Kooperation weiter verstärken. In einem Communiqué bestätigte die PSA-Führung, dass es Gespräche über eine „strategische Partnerschaft“ gebe.
Laut der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ will PSA den Einstieg bei Mitsubishi durch eine Kapitalerhöhung mit neuen Aktien im Wert von 1,5 bis 2,3 Mrd. Euro finanzieren. Die Aussicht auf eine erneute französisch-japanische Hochzeit der Autofabrikanten hat in Tokio bereits die Börse beflügelt. Die Kurse von Mitsubishi legten in der Vorwoche kräftig zu.
Autoboom in Frankreich
Wie Renault profitiert auch PSA gegenwärtig von einem Boom der Verkäufe auf dem französischen Heimmarkt dank der bis Jahresende gewährten Verschrottungsprämie von 1000 Euro. Für 2009 rechnet PSA mit einer ausgeglichenen Bilanz, vorsichtiger sind die Erwartungen für 2010, das in Frankreich wegen des Wegfalls der „Umweltprämie“ schwierig sein dürfte.
Die bevorstehende Allianz mit Mitsubishi ist keine Überraschung, auch wenn noch unlängst über Kooperationen mit Fiat, BMW oder Renault spekuliert wurde. Mit Mitsubishi arbeitet PSA jedoch bereits seit Jahren zusammen. So entwickeln sie gemeinsam Fahrzeuge mit Allradantrieb und haben in Russland auch schon eine gemeinsame Produktionsanlage.
Für die Zukunft besonders wichtig ist jedoch die Kooperation bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen. So will PSA ab Ende 2010 ein Elektroauto von Mitsubishi in Europa unter der Marke Peugeot verkaufen. Zudem ist eine engere Zusammenarbeit mit Mitsubishi laut PSA-Chef Philippe Varin deshalb attraktiv, weil es für die Franzosen dadurch möglich wird, ihre Präsenz auf den wichtigen Märkten in den asiatischen Schwellenländern zu verstärken.
Etwas skeptischer sind die Analysten von der Credit Suisse. Sie meinen, dass die Partnerschaft vor allem für Mitsubishi eher durch unmittelbare Notwendigkeit als durch eine überzeugende Strategie begründet werde. Mitsubishi ist mit einer Produktion von 1,2 Mio. Autos pro Jahr einfach zu klein, um allein zu überleben und leidet zurzeit an finanziellen Schwierigkeiten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2009)