Der Wille allein reicht nicht

Wir sind mit der beängstigenden Aufgabe konfrontiert, Alternativen für fossile Brennstoffe zu finden.

Um unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu beenden, ist eine komplette Umgestaltung der Energiesysteme der Welt erforderlich. Keine alternative Energieform ist effizient genug, um in ausreichendem Umfang mit fossilen Brennstoffen mithalten zu können. Abgesehen von Atomkraft – die immer noch wesentlich teurer ist als fossile Brennstoffe – ist bei allen bekannten Möglichkeiten Forschung und Entwicklung in bedeutendem Ausmaß notwendig.

Betrachten wir beispielsweise die erschreckende, absurde Tatsache, dass in der Forschung ökonomische Modelle zur Anwendung kommen, die einfach davon ausgehen, dass technische Durchbrüche von allein erfolgen werden. Auf dem selbstgefälligen Weg, auf dem wir uns gegenwärtig bewegen, mit mageren zwei Milliarden Dollar an öffentlichen Mitteln, die jährlich weltweit für die Erforschung und Entwicklung umweltfreundlicher Energiequellen ausgegeben werden, werden die notwendigen Durchbrüche nicht rechtzeitig stattfinden.

Wachstum leidet

In diesem Fall werden Regierungen versuchen, Kohlendioxidemissionen durch Steuern und Handelssysteme zu reduzieren, ohne dabei für wirksamen Ersatz zu sorgen. Wir werden dann in Zukunft praktisch keinen Einfluss auf den Klimawandel nehmen, während das Wirtschaftswachstum erheblichen Schaden davonträgt.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass sich die weltweite Energienachfrage bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird. Die Nutzung fossiler Brennstoffe bleibt für die wirtschaftliche Entwicklung, den Wohlstand und unser Überleben absolut unerlässlich. Alternative Energiequellen sind von Unternehmenslobbyisten und leichtgläubigen Medien derart hochgejubelt worden, dass der Eindruck entstanden ist, sie seien wesentlich einsatzbereiter für eine verbreitete Nutzung als dies in Wirklichkeit der Fall ist.

Einer häufig wiederholten Behauptung zufolge erzeugt Dänemark ein Fünftel seines Stroms aus Wind, was den mit Abstand höchsten Anteil weltweit darstellt. Dänemark wird als Modell präsentiert, dem der Rest der Welt folgen sollte; als Beweis dafür, dass sich die Schaffung von Arbeitsplätzen im Bereich umweltfreundlicher Technologien als einfach erwiesen und Windkraft sich als kostengünstige Alternative bewährt hat.

Einer kürzlich erschienenen Untersuchung des dänischen Zentrums für politische Studien zufolge ist es in der Realität jedoch so, dass weniger als zehn Prozent der Elektrizitätsnachfrage in Dänemark durch Wind bedient werden, da ein Großteil des Stroms produziert wird, wenn keine Nachfrage besteht und zu sehr geringen Kosten an andere Länder verkauft wird. Das bedeutet auch wesentlich geringere CO2-Senkungen in Dänemark, wo die Vermeidung einer Tonne CO2-Emissionen sechsmal teurer ist als im gegenwärtigen EU-Durchschnitt.

Dänen zahlen die höchsten Elektrizitätskosten aller Industrienationen, im Durchschnitt etwa 0,38Dollar pro Kilowattstunde, verglichen mit 0,08Dollar in den Vereinigten Staaten. Die dänische Windindustrie ist beinahe völlig von Subventionen aus Steuermitteln abhängig, um eine bescheidene Anzahl an Arbeitskräften zu bezahlen. Jeder neue Arbeitsplatz im Bereich Windenergie kostet den dänischen Steuerzahler mindestens 119.000Dollar (81.000 Euro) pro Jahr. Durch die staatliche Subventionierung ist eine Verlagerung der Beschäftigung in eine weniger produktive Beschäftigung in der Windindustrie erfolgt, was bedeutet, dass das dänische BIP etwa um 270 Millionen Dollar niedriger ist, als es sein könnte, wenn die Beschäftigten im Bereich Windenergie anderswo angestellt wären. Der Bericht zieht die schonungslose Schlussfolgerung, dass „keine nennenswerte dänische Windindustrie existieren würde, wenn sie zu Marktbedingungen im Wettbewerb stehen müsste“.

Zusammengenommen liefern Wind- und Solarenergie einen winzigen Bruchteil – weniger als 0,6Prozent – des gesamten Energiebedarfs der Welt. Das liegt nicht allein daran, dass sie wesentlich teurer sind, sondern auch an massiven technologischen Hürden, die es zu überwinden gilt, um sie effizient werden zu lassen. Erstens müssen Gleichstromleitungen gebaut werden, die Solar- und Windenergie aus den Regionen mit der meisten Sonneneinstrahlung und den höchsten Windgeschwindigkeiten in die bevölkerungsreichsten Regionen leiten.

Zweitens muss eine Form der Speicherung erfunden werden, damit die Welt auch dann mit Strom versorgt wird, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht bläst. Chris Green und Isabel Galiana (McGill University) zufolge bedeuten die Periodizität und Variabilität der Wind- und Solarenergie, dass sie ohne massive Investitionen in solche Speichersysteme wahrscheinlich nicht in der Lage sein werden, mehr als zehn bis 15Prozent der netzgebundenen Elektrizität zu liefern.

Kaum Anreiz für Private

Damit das geschehen kann, müssen die öffentlichen Mittel für Forschung und Entwicklung drastisch erhöht werden. Ähnlich wie in der medizinischen Forschung werden frühe Innovationen keine bedeutenden finanziellen Erträge abwerfen, deshalb ist der Anreiz für private Investitionen heutzutage nicht sonderlich hoch.

Der Kopenhagener Konsens und auch die Weltbank unterstützten vor Kurzem die Forderung, dass Investitionen in Forschung und Entwicklung in einer Größenordnung von 100 Milliarden Dollar pro Jahr notwendig sind, wenn Windkraft und andere alternative Technologien wirklich tragfähig werden sollen. Das ist zehnmal mehr, als Regierungen zurzeit ausgeben.

© Project Syndicate, 2009. www.project-syndicate.org. Übersetzung: Sandra Pontow.

Bjørn Lomborg ist Direktor des Thinktanks Copenhagen Consensus Center sowie außerordentlicher Professor an der Copenhagen Business School.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2009)

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