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Diesel-Gipfel

ÖAMTC sind Software-Updates allein zu wenig

(c) APA/ROLAND SCHLAGER

Am Dienstag findet in Wien der Diesel-Gipfel statt. Der Autofahrerklub ÖAMTC fordert, dass dabei auch über Hardware-Nachrüstungen diskutiert wird. Sie kosteten zwar Geld, brächten aber tatsächlich eine Verbesserung.

Wien. Am Dienstag beginnt in Wien der Diesel-Gipfel. Verkehrsminister Leichtfried hat ihn vor wenigen Wochen initiiert, kurz nachdem ein solcher in Deutschland stattgefunden hatte. Dort war im Wesentlichen beschlossen worden, dass die Autoindustrie ein Software-Update zur Verfügung stellen muss, das den Schadstoffausstoß von Diesel-Pkw senken soll.

Von den Ergebnissen des deutschen Gipfels zeigte sich Leichtfried damals enttäuscht. Er bezeichnete sie als „mager, für Umwelt und Konsumenten wäre mehr drinnen gewesen“. Ob die geladenen deutschen Konzerne am Dienstag ausgerechnet für österreichische Kunden attraktivere Lösungen präsentieren werden als für die deutschen, wird sich zeigen.

Der Autofahrerklub ÖAMTC gibt sich mit seiner Erwartungshaltung da schon realistischer. Er hofft, dass die in Deutschland von der Industrie gemachten Zusagen auch für Österreich gelten werden. Allerdings sollte man auch über Hardware-Nachrüstung nachdenken, fordert ÖAMTC-Leiter Bernhard Wiesinger gestern vor Journalisten. Hardware-Nachrüstung würde zwar eine Menge Geld kosten, aber im Gegensatz zur Software-Nachrüstung funktionierten sie auch verlässlich. Das haben Messungen des ÖAMTC ergeben. Denn nach dem Einbau einer modernen Stickoxid-Filterung, wie es sie in manchen neuen Fahrzeugen bereits gibt (SCR), verringerte sich der Stickoxidausstoß eines alten VW Passats in allen Messungen um mehr als 90 Prozent. Aber mit dem Einbau des Filters allein – der Materialwert liegt bei rund 1500 Euro – ist es nicht getan. Auch der laufende Betrieb erfordert danach ein regelmäßiges Nachfüllen von Harnstoff (adblue), und zwar etwa einen Liter pro 1000 km, schätzt Friedrich Eppel, stellvertretender Leiter Technik, Test und Sicherheit beim ÖAMTC.

 

Nicht alle Betroffenen geladen

Bernhard Wiesinger macht sich im Vorfeld des Gipfels noch andere Sorgen. Er hofft, dass der Diesel-Gipfel von der Politik nicht als Wahlkampfthema missbraucht wird. Dazu sei das Thema für Autofahrer und Umwelt zu wichtig.

Überdies kritisiert er, dass nicht alle Betroffenen eingeladen worden seien. So vermisst der ÖAMTC-Chef den Umweltminister, kommunale Verantwortliche, die Landeshauptleute aber auch die Autofahrer als die eigentlich Betroffenen. Und was hält Wiesinger von einem Verbot der Verbrennungsmotoren ab 2030? „Nichts“, sagt er. Die Politik solle Grenzwerte vorschreiben, aber nicht die Technologie vorgeben, sagt er. Und fairerweise sollte man auch über Lkw, Schiffe oder Flugzeuge diskutieren und nicht nur über Diesel-Pkw. (hec/ag)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2017)