Friedensnobelpreis für Obama: "Krieg manchmal nötig"

Friedensnobelpreis für Barack Obama
Friedensnobelpreis für Barack Obama(c) REUTERS (KEVIN LAMARQUE)
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In seiner Rede verteidigt US-Präsident Obama den Afghanistan-Einsatz. Er hat den Preis für seinen Einsatz gegen Atomwaffen und für ein kooperatives Klima in der Weltpolitik bekommen.

Der neue Friedensnobelpreisträger Barack Obama hält Kriege für unvermeidlich. "Krieg ist manchmal notwendig", sagte Obama bei der Verleihung des Preises am Donnerstag in Oslo. "Wir müssen die harte Wahrheit anerkennen, dass wir während unseres Lebens gewaltsame Konflikte nicht ausmerzen werden", meinte der US-Präsident in seiner Dankesrede. Obama würdigte zwar gewaltlose Aktionen wie die von Mahatma Gandhi oder Martin Luther King. "Aber als Staatsoberhaupt, das geschworen hat, meine Nation zu schützen und zu verteidigen, kann ich mich nicht nur von deren Beispiel leiten lassen." Zugleich setzte sich Obama in seiner Rede für Menschenrechte und Abrüstung ein.

Der wichtigste Streitpunkt angesichts seiner Ehrung sei, dass er als Oberkommandierender einer Nation im Krieg ausgezeichnet worden sei, sagte Obama in Anspielung auf die Kriege in Afghanistan und im Irak. Einer davon nähere sich dem Ende, der andere sei einer, den Amerika sich nicht ausgesucht habe. "Dennoch sind wir im Krieg, und ich bin verantwortlich für die Stationierung von Tausenden junger Amerikaner, in in einem fernen Land kämpfen," sagte Obama. "Einige werden töten. Andere werden getötet." Er sei sich der Kosten der bewaffneten Konflikte bewusst. Eine gewaltlose Bewegung hätte weder Adolf Hitler bezwungen, noch könne sie al-Qaida-Anführer zur Aufgabe bewegen. Aber auch wenn es einen gerechten Grund für den Zweiten Weltkrieg gegeben habe, in dem das "Dritte Reich" vernichtet worden sei, so seien dabei mehr Zivilisten ums Leben gekommen als Soldaten.

Obama räumte die "beachtliche Kontroverse" ein, die die Vergabe des Preises an ihn ausgelöst habe. Ursache sei "zum Teil, dass er "am Anfang und nicht am Ende seiner Arbeit auf der Weltbühne" stehe. Verglichen mit anderen großen historischen Figuren wie Albert Schweitzer und Nelson Mandela sei das bisher von ihm Erreichte gering. "Zudem gibt es Männer und Frauen rund um den Erdball, die im Gefängnis sitzen und geschlagen werden, weil sie nach Gerechtigkeit streben". Er könne denjenigen nichts erwidern, die darauf verwiesen, das diese Menschen "die Ehre sehr viel mehr verdient haben als ich".

Komitee verteidigt Entscheidung

Der Vorsitzende des Komitees, Thorbjørn Jagland, hat die Entscheidung gegen alle Kritik verteidigt und lobte den Einsatz Obamas für eine Welt ohne Atomwaffen, im Kampf gegen den Klimawandel und für ein kooperatives Klima in der Weltpolitik. Er nahm Stellung zu dem Vorwurf, dass der Nobelpreis möglicherweise zu früh an Obama vergeben werde, aber der Nobelpreis sei auch ein "Aufruf zum Handeln" - so habe das auch Präsident Obama selbst bezeichnet.

Viele hätten eingewandt, der Preis für Obama sei zu früh gekommen, räumte Jagland ein. "Aber die Geschichte erzählt uns viel von verpassten Gelegenheiten." Obama habe bereits viel erreicht. Die Rolle der Vereinten Nationen und anderer internationaler Organisationen sei gestärkt worden. Der Kampf gegen den gewalttätigen Extremismus in Afghanistan basiere auf einer breiten internationalen Grundlage. Allerdings könnten die Probleme nur durch die Afghanen selbst gelöst werden. "Das ist die fundamentale Logik hinter der neuen Strategie des Präsidenten."

Die Wahl Obamas sei deshalb keine schwierige Entscheidung gewesen, sagte Jagland. "Nur selten hat eine Person die internationale Politik im selben Ausmaß wie Obama dominiert, oder in so kurzer Zeit so viele große Veränderungen angestoßen." Es müsse möglich sein, den Friedensnobelpreis einem politischen Führer zu verleihen. Diese müssten aber in der Lage sein, über die engen Grenzen der Realpolitik hinaus zu denken. "Ansonsten wird Politik zum puren Zynismus."

Debatte: Ist er der Richtige?

Vor der Verleihung hatte Obama gesagt, er selbst habe keinen Zweifel, dass es Würdigere als ihn auf der Welt für diesen Preis gebe. Er werde aber weiter für die Dinge arbeiten, die wichtig für die USA seien, die dem Frieden und der Sicherheit auf der Welt dienten. Dazu gehörten die Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen, der Klimawandel und die Stabilisierung Afghanistans.

Als die Entscheidung des Komitees im Oktober bekannt wurde, hatte dies ein geteiltes Echo ausgelöst, da die USA unter Obama derzeit im Irak und in Afghanistan Krieg führen.

Die norwegische Friedensbewegung hat zu einer Protestdemonstration aufgerufen, zu der etwa 5000 Teilnehmer erwartet werden. Sie haben überall in Oslo Plakate aufgehängt, die Obamas Motto "Change" (Wandel) mit einem Fragezeichen versehen.

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(Ag.)

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