Musik- und Sprachgeschichten aus der Heimat

Jasmin Meiri-Brauer
Jasmin Meiri-Brauer(c) Katharina Rossboth

Treffen sich ein Rabbi, eine Sängerin und ein Pianist in den Tiroler Bergen: Jasmin Meiri-Brauer gibt ihr musikalisches Debüt in Alpbach – zusammen mit dem Rabbiner Walter Rothschild und Max Doehlemann.

Höchst persönlich, tief traurig und schwarzhumorig soll es am Abend werden, verspricht Jasmin Meiri-Brauer. Die österreichische Sängerin tritt zusammen mit dem Rabbi – und Musiker – Walter Rothschild und dem Pianisten Max Doehlemann im Alpbacher Feuerwehrhaus auf; jüdische Lieder und Geschichten will das Trio erzählen – über Beschneidung etwa. Oder institutionellen Sexismus. Oder den König Vater.

Die Musiker vereinen ihre Lebensgeschichten zu einer musikalischen Gesamtheit; Rabbi Rothschild erzähle im Prinzip seine Lebensgeschichte – mit viel Humor, wie Meiri-Brauer betont: „Der Humor, den er an den Tag liegt, lockert die ganze Strenge, diese Trockenheit der orthodoxen Religiosität auch irgendwo auf.“ Wobei Rothschild freilich der Rabbiner der jüdischen liberalen Wiener Gemeinde ist. „Man soll sich einfach nicht so ernst nehmen“, fügt Meiri-Brauer als Nachsatz hinzu.

Jiddisch als Seltenheit

Anekdoten, Witze, Lieder also. Rothschild und der Berliner Pianist Doehlemann sind bereits mehrmals zusammen aufgetreten, für Meiri-Brauer ist der Auftritt mit den beiden Musikern in Alpbach eine Premiere. Die 26-Jährige singt dabei auf Hebräisch und Jiddisch. Letzteres, sagt sie, sei eine Seltenheit in ihrer Generation, in der die alte Sprache schon fast verschwunden ist. Jiddisch erinnere sie vor allem an ihre polnisch-israelische Großmutter, die diese Sprache noch ganz alltäglich verwendete: „Jiddisch war früher die gesprochene Sprache, Hebräisch die heilige Sprache der Juden – die Sprache, in der man betet.“
Hebräisch hingegen ist eigentlich Meiri-Brauers erste Muttersprache. „Dann kommt Deutsch. Jetzt kann ich Deutsch mittlerweile besser als damals“, sagt die Wienerin. Die Lieder ihrer Kindheit wurden ebenfalls auf Hebräisch gesungen: „Die jüdische Musik ist mir in die Wiege gelegt worden.“

Wiegenlieder sind eine Sache. Wiegenlieder aus dem Hause Brauer eine andere. Mit der Sängerin Timna Brauer als Mutter und dem Pianisten Elias Meiri als Vater – und dem Maler und Musiker Arik Brauer („Köpferl im Sand“) als Großvater – wuchs Meiri-Brauer auf in einer Welt „umgeben von Melodien und Geräuschen“, wie sie sich heute erinnert.
Die jüdischen Skalen klingen nach Zuhause für sie. Die Lieder, die Meiri-Brauer in Alpbach singen wird, gehören zu dem Repertoire der Familie: Sie wurden gesungen, wenn man gemeinsam am Sabbat-Tisch saß. Religiös ist Meiri-Brauer dabei aber nicht. Das Kulturgut hat für sie vielmehr mit Tradition zu tun. „Man singt diese Lieder, wie man eben zu Weihnachten gewisse Lieder singt. Mit diesen Stücken fühle ich mich sehr wohl“, meint die Künstlerin; gerade bei den ersten Schritten auf ihrem Karriereweg – die sie nun einmal gerade tut – sei das etwas Gutes, findet sie.

Die nächste Brauer-Generation

All die Stücke seien auf gewisse Weise Lieblingslieder für sie, sagt die Sängerin, die die Stücke für den Abend in Alpbach selbst ausgewählt hat (wobei Meiri-Brauer anmerkt, dass sie das Lied „Unser Vater, unser König“ nicht aus inhaltlichen Gründen – „Der Titel allein ist sexistisch“ – präsentieren wird, sondern weil ihr die Stimmung so gut gefalle, die es verbreite).

In elterliche Fußstapfen steigen? Dazu sei sie nie gedrängt worden. Eine Last sei der Name Brauer ebenso keiner: „Vielmehr ein Geschenk.“ Sie wolle nicht damit hausieren gehen, genauso wenig sträubt sie sich aber gegen die Verbindung. Immerhin: Jasmin Meiri-Brauer ist ihr Künstlername, bürgerlich heißt sie schlicht Jasmin Meiri.

„Eine gewisse Distanz“ will sie dennoch zum künstlerischen Erbe der Familie halten, sagt sie, die die letzten Jahre häufig zusammen mit ihren Eltern auftrat, nun aber ihre eigenen Wege gehen will und sich auch noch nicht festlegt, ob sie ganz in der jüdischen Musik bleiben will. Meiri-Brauer studiert Jazzgesang und bildet sich auch in der klassischen Musik weiter: „Ich sitze noch nicht so fest wie meine Eltern.“

Und, apropos Erbe: Timna Brauer und Elias Meiri haben ihrer Tochter quasi die Bühne in Alpbach überlassen. Das Musikerpaar trat hier in der Vergangenheit ebenfalls auf. Die Mutter riet der Tochter zum Auftritt im Tiroler Bergdorf, und der gefällt es: „Ich finde es hier irrsinnig schön, ich finde es schön, etwas beizutragen.“