Vom riesigen Kuchen Sommerferien ist nur noch ein Stückchen übrig. Die Kinder zählen mit wachsendem Schrecken die Tage herunter.
Aber wir haben noch nicht! Und wir wollten doch! Für manches war es lange viel zu heiß. Und für anderes dann zu nass. Oder es kam einfach was dazwischen. Alles geht sich nie aus, auch eine Lektion, auf die man gern verzichten würde.
So viel Eis, so viel Schwimmen, so viel Fußball kann gar nicht in einen Tag passen, als dass es jemals genug wäre. Dabei gab es auch viele Urlaubsextras, die niemand bestellt hatte. Wellen, so hoch wie noch nie an dieser Küste. Ein Wirt, der abends aus seinem Leben plaudert und in der Küchenlade Fotos von Wladimir Putin liegen hat. Die spontane Sichtung von Delfinen. Irgendwer sagt, es waren Thunfische. Den Besuch eines griechischen Spitals hätte man sich gerne erspart, danke, dass alles gut ausgegangen ist. Beim nächsten Mal beißt man sich vielleicht auf die Zunge, wenn man sich über heimische Spitäler ärgert.
Was nimmt man mit? Die überschwängliche Herzlichkeit in manchen Begegnungen und die Bestürzung über die eigene Rastlosigkeit. Auf Urlaub zu fahren und auf Urlaub zu sein sind verschiedene Dinge. Man rast durch den Tag, weil es zur Gewohnheit geworden ist.
Einpacken, auspacken, wieder einpacken und auspacken. Das Gepäck ist immer zu schwer. Die Steine bleiben drin. Die Sonne hat die Farben blasser gemacht und die Haare heller. Was bleibt noch, außer den paar Narben, die schon bald weiße Striche sind auf der gebräunten Haut?
Am Ende treibt im leeren Pool ein Wasserball hin und her. Am Grund des Beckens liegen tote Wespen und ein Haufen Blätter. Jetzt schon. Wer es zuerst sagt, hat verloren. Sie wissen schon, um welchen Satz es sich handelt. Nein, noch ist Sommer, auch wenn sich die Dunkelheit schon immer früher in den Tag frisst. Vieles kann sich noch ausgehen, wenn wir gleich heute damit anfangen.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2017)