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Wer hören will, muss Daten liefern

Der Sound stimmt. Doch der Hunger nach Daten stößt vielen Sonos-Kunden sauer auf.
Der Sound stimmt. Doch der Hunger nach Daten stößt vielen Sonos-Kunden sauer auf.(c) Sonos
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Der Lautsprecherhersteller Sonos will mehr persönliche Daten seiner Kunden sammeln. Wer dem nicht zustimmt, muss damit leben, dass das Gerät „aufhört zu funktionieren“.

Wien. Vergangene Woche erhielten viele Kunden, die Musik daheim gern über drahtlose Sonos-Lautsprecher hören, ein unscheinbares E-Mail. Darin bittet sie der Hersteller, doch die neuen Datenschutzrichtlinien zu akzeptieren. Das Unternehmen ist gerade dabei, sich gegen die aufkeimende Konkurrenz durch „smarte“ Lautsprecher von Google und Amazon zu wappnen, indem es deren Dienste direkt über die Sonos-Boxen anbietet. Um das zu gewährleisten, braucht Sonos aber offenbar deutlich mehr Daten von seinen Nutzern als bisher. So sollen künftig E-Mail-Adressen der Kunden, Audioeinstellungen, IP-Adressen etc. an Sonos geliefert werden.

Viele Verbraucher, die den hochpreisigen Sound-System-Hersteller oft gerade deshalb gewählt hatten, weil er bisher kaum Daten gesammelt hatte, reagierten empört und forderten die Möglichkeit, ihre Boxen zu den bisherigen Konditionen weiter zu nutzen. Genau davon will das Unternehmen allerdings nichts wissen. Es stehe natürlich jedem frei, die Datenschutzrichtlinie nicht zu akzeptieren, hieß es. Doch wer es nicht tue, müsse damit leben, dass es keine weiteren Softwareupdates mehr gebe und das Gerät „mit der Zeit aufhört zu funktionieren“, sagte ein Sonos-Sprecher zu ZDNet.

Wer Sonos für seinen Einstieg ins Geschäft mit Big Data also nicht noch mehr persönliche Daten abliefern will, kann sein Gerät über kurz oder lang einfach wegwerfen.

 

Braucht Sonos die Daten?

Ist das mit dem österreichischen Recht vereinbar oder können Bestandskunden darauf vertrauen, dass das Unternehmen ihnen das Funktionieren ihrer bezahlten Lautsprecher garantieren muss?

„Im Datenschutzrecht ist die Verwendung persönlicher Daten grundsätzlich immer verboten, wenn sie nicht ausdrücklich erlaubt wurde“, sagt Rechtsanwalt Franz Lippe zur „Presse“. Nur in zwei Fällen sei die Verwendung der Daten rechtens: erstens, wenn die Kunden selbst ihr Einverständnis erklären. Und zweitens, wenn die Daten des Betroffenen aufgrund „überwiegend berechtigter Interessen“ des Unternehmens gebraucht würden. Mit anderen Worten: Wenn Anbieter wie Sonos nachweisen können, dass sie mehr Daten brauchen, um den Vertrag zu erfüllen und den versprochenen Dienst zu gewährleisten, dann haben sie ein Recht, diese Daten auch ohne Einwilligung der Nutzer zu verwenden.

Wie argumentiert Sonos folgerichtig? Die zusätzlichen Daten seien notwendig, um die einwandfreie Funktion der Sonos-Produkte zu gewährleisten. Da es dem Unternehmen allerdings bisher möglich war, das auch mit weniger Daten zu schaffen, sei zumindest fraglich, ob diese Argumentation vor Gericht auch halte, so Lippe. Betroffene Kunden könnten entweder über Anwälte oder den Verein für Konsumenteninformation (VKI) dagegen vorgehen.

Der Fall Sonos ist kein Unikum. Eine ganze Reihe an Herstellern von Haushaltselektronik hat zuletzt begonnen, mehr Informationen über ihre Nutzer zu sammeln, um im lukrativen Datengeschäft mitspielen zu können.

 

Transparenz reicht nicht aus

Das Beispiel illustriert aber besonders gut, wie schwierig es für Verbraucher mittlerweile ist, ihre Privatsphäre dauerhaft und effektiv zu schützen. So versichert Sonos zwar, dass es die „heiligen“ Kundendaten beschützen und sie niemals an andere Unternehmen verkaufen werde. Zudem verspricht der Konzern auch volle „Transparenz darüber, welche Daten gesammelt würden und wofür“.

Doch genau das alte Transparenzmantra greift eben zu kurz. Und das nicht nur in diesem Fall. Denn was hilft es, wenn der Kunde weiß, warum er mehr und mehr Informationen aus seinem Leben hergeben muss, wenn er keine echte Wahl hat, Nein zu sagen – und trotzdem Kunde zu bleiben?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2017)