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Klimaabkommen: Pariser Lebensstil in Alpbach

Blick auf Alpbach
Blick auf Alpbach(c) Katharina Roßboth
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Eine Breakout Session ergründet, wie wir unser Leben künftig gestalten müssen, um die Ziele des Weltklimaabkommens zu erfüllen. In Kürze: Bessere Technologie hilft, aber das allein reicht nicht.

Das Alpbacher Congress Centrum spielt energietechnisch alle Stücke: Es ist ein „Green Building“ mit sehr hoher Energieeffizienz und wird komplett mit Ökoenergie versorgt. Es ist damit ein gutes Beispiel, wie wir in Zukunft unsere Umgebung gestalten müssen, um die Vorgaben des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen – nämlich die CO2-Emissionen bis 2050 drastisch zu senken, um die globale Erwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

Wie können wir das schaffen? Hochtechnologie, wie im Alpbacher Beispiel, ist ein Teil der Antwort. Aber wie Franz Prettenthaler, Umweltökonom bei Joanneum Research in Graz, deutlich macht, reicht das nicht aus. „Wir müssen auch unseren individuellen Lebensstil verändern“, sagt er. Nämlich hin zu einem „Zwei-Grad-Lebensstil“ oder auch „Paris-Lebensstil“ genannt. Dieser entspricht zwei Tonnen CO2-Äquivalenten pro Person und Jahr. Derzeit liegt der österreichische Durchschnittswert bei 13 bis 15 Tonnen.

Wie sieht der „Paris-Lebensstil“ aus? Ein Prototyp könnte ein „vegetarischer Radfahrer, der in der Innenstadt wohnt“ sein, sagt Prettenthaler etwas überspitzt. Die Realität ist freilich vielfältiger. In der Forschung werden sechs Energie-Lebensstile unterschieden. Am meisten Energie (20.000 kWh pro Person und Jahr) verbrauchen die „mobilen Performer“, am anderen Ende der Skala stehen die „Unterprivilegierten“, die mit knapp 9000 kWh weniger als halb so viel Energiebedarf haben. Die mobilen Performer verbrauchen allein für das Auto mehr Energie als die Unterprivilegierten gesamt.

Damit ist schon einer der wichtigsten Teile des „Paris-Lebensstils“ genannt. „Bei der Mobilität geht es nicht nur um das Umsteigen auf Elektroautos, sondern auch um automatisierte Fahrsysteme und geteilte Mobilität.“ Wenn das Auto ohnehin selbst fährt und man sich Fahrzeuge zu mehrt teilt, werde der Komfort des öffentlichen Verkehrs steigen bzw. sich individueller und öffentlicher Verkehr immer stärker vermischen.

Ein noch größerer Ansatzpunkt sind Konsumgüter, die für 41 Prozent der CO2-Emissionen stehen. Bewussteres Einkaufen, etwa eine Bevorzugung regional produzierter Güter, kann große Einsparungen bringen. Der drittgrößte Bereich ist die Ernährung: „Vegetarische Ernährung ist einer fleischgebundenen Ernährung deutlich überlegen“, bestätigt Prettenthaler.

Zum „Paris-Lebensstil“ gehört aber auch eine andere Seite: Die Erderwärmung um zwei Grad verändert die Lebensumstände der Menschen, argumentiert Daniela Jacob vom Helmholtz Zentrum Geesthacht. Sie hat gemeinsam mit Prettenthaler und anderen Partnern berechnet, dass sich zum Beispiel die Zahl der Hitzetage verdoppeln und die Schneelage vermindern wird. Das hat unmittelbare Folgen – etwa, dass weniger Menschen Skifahren, was wiederum Auswirkungen auf das Reiseverhalten hat. „Wenn man weiß, was auf einen zukommt, kann man besser damit umgehen“, merkt Jacob an.

Muss man sich für einen „Paris-Lebensstil“ einschränken? „Ich persönlich bin seit 25 Jahren Vegetarier und empfinde das nicht als Einschränkung“, sagt Prettenthaler. „Ich glaube, dass viele eine Vorstellung von In-Sack-und-Asche-Gehen haben, die einfach nicht der Realität entspricht.“ So zu leben, dass man weiß, dass die Kinder auch noch in den Alpen Skifahren werden können, steigere den Lebenssinn. „Daher würde ich nicht von Einschränkung sprechen.“ Ganz ähnlich sieht das Jacob: „Ich glaube fest daran, dass man ein richtig gutes Leben führen kann, auch wenn man seine Emissionen reduziert.“

Prettenthaler hat noch ein weiteres Argument, dass der „Paris-Lebensstil“ nicht mit Einschränkung einhergehen muss. „Viele heutige technologische Revolutionen betreffen Technologien, die unser Verhalten verändern.“ Als Beispiel nennt er Uber oder Sharing-Plattformen, die effizientere Verhaltensweisen ermöglichen. „Die Menschen werden das freiwillig machen und als ,hip‘ empfinden – und nicht als Sack und Asche.“